Hier suchen Arbeiter nach Leichen in der Todeszone

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330 Polizisten und 650 Soldaten in weißer Strahlenschutzmontur durchkämmten am Donnerstag die Gegend. Sie konzentrierten sich dabei auf die evakuierten Gebiete im Umkreis zwischen zehn und 20 Kilometern um das Kraftwerk.

Minami Soma - Knapp vier Wochen nach dem Erdbeben und Tsunami in Japan suchen Bergungstrupps an der verwüsteten Nordostküste verstärkt nach Todesopfern. Hunderte Polizisten und Soldaten rückten aus, um Leichname zu finden.

Vor allem in der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima hatte radioaktive Strahlung die Suche bislang verzögert. Bei der Katastrophe sind vermutlich bis zu 25.000 Menschen ums Leben gekommen. 12.500 Todesfälle wurden bislang bestätigt. Mehr als 14.700 Menschen werden noch vermisst. Die Zahlen überschneiden sich zum Teil, weil noch nicht alle geborgenen Toten identifiziert werden konnten.

Fukushima: Leichensuche in der Todeszone

Fukushima: Leichensuche in der Todeszone

Da die Zeit allmählich knapp wird und die Strahlung aus dem Atomkraftwerk sich einigermaßen stabilisiert zu haben scheint, wurden die Bemühungen verstärkt, Tote zu bergen und zu identifizieren. “Wir müssen sie jetzt finden, weil die Leichen verwesen“, erklärte Polizeisprecher Ryoichi Tsunoda in der Präfektur Fukushima. “Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Gefahr radioaktiver Strahlung.“

330 Polizisten und 650 Soldaten in weißer Strahlenschutzmontur durchkämmten am Donnerstag die Gegend. Sie konzentrierten sich dabei auf die evakuierten Gebiete im Umkreis zwischen zehn und 20 Kilometern um das Kraftwerk. Der Kraftwerksbetreiber Tepco steht weiterhin unter Druck, die Atomkrise in Fukushima unter Kontrolle zu bekommen. Nachdem Tepco-Präsident Masataka Shimizu vor acht Tagen wegen Bluthochdrucks und Schwindelgefühlen in ein Krankenhaus eingeliefert worden war, kehrte er laut einem Unternehmenssprecher am Donnerstag an seinen Arbeitsplatz zurück.

Techniker leiten Stickstoff in Reaktorblöcke ein

Im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ist das Leck mittlerweile gestopft, durch das kontaminiertes Wasser ins Meer strömte. Am Donnerstag begannen Techniker mit der Einleitung von Stickstoff. Damit soll die Gefahr weiterer Wasserstoffexplosionen verringert werden, die kurz nach dem Tsunami die Reaktorgebäude gesprengt hatten. Innerhalb der nächsten sechs Tage soll das Gas in alle drei problematischen Reaktorblöcke gepumpt werden. Gefahr geht weiterhin auch von der Strahlung rund um das beschädigte Atomkraftwerk aus. Laut einer Meldung der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo vom Donnerstag soll nun ein unbemanntes US-Flugzeug die Strahlenbelastung über dem Meiler prüfen.

Am Donnerstag traf zudem ein Spezialschiff in einem Hafen in der Nähe von Tokio ein, das bald weiter nach Fukushima fahren wird. In dem Tankfloß soll radioaktiv verstrahltes Wasser gelagert werden. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte am Donnerstag, die Behörden prüften, ob die Bewohner der Evakuierungszone für kurze Zeit in ihre Häuser zurückkehren und nach dem Rechten sehen könnten. Schwangeren und Kinder unter drei Jahren im rund 40 Kilometer von dem havarierten Atomkraftwerk entfernten Itate wurde am Donnerstag geraten, die Ortschaft zu verlassen. Im vergangenen Monat hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hohe Strahlenwerte aus Itate gemeldet. Unterdessen zeichnen sich die Auswirkungen der Erdbebenkatastrophe und ihrer Folgen auf das japanische Wirtschaftsklima immer stärker ab. Die Notenbank stufte am Donnerstag ihre Prognose herab und beließ zugleich den zur Ankurbelung der Konjunktur herabgesetzten Leitzins bei praktisch Null.

Notenbank kündigt günstige Darlehen an

Seit dem Beben hat die Notenbank bereits mehr als 80 Billionen Yen (655 Milliarden Euro) in die Finanzmärkte gepumpt. Dazu kündigte sie nun ein Programm im Umfang von einer Billion Yen für günstige Darlehen an Geldinstitute im Katastrophengebiet an. Wegen eines massiven Nachfrageeinbruchs forderte die Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) ihre Mitarbeiter auf, im Mai und Juni unbezahlten Urlaub zu nehmen. Man gehe davon aus, dass jeweils 100 Angestellte das Angebot wahrnehmen würden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Grundsätzlich sei die Offerte an alle 12.000 Mitarbeiter der Fluglinie gerichtet.

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Nach Angaben von JAL lag die Zahl internationaler Flüge zwischen dem Unglückstag am 11. März und Monatsende um 25 Prozent unter den eigenen Prognosen. Die Inlandsflüge seinen um 28 Prozent hinter den Erwartung zurück geblieben. JAL kündigte an, im April fünf Prozent der Verbindungen zu streichen. Auch die europäische Wirtschaft bekommt die Auswirkungen der Krise in Japan nun zu spüren. Die britische Tochterfirma Nissan UK kündigte wegen fehlender Einbauteile aus Japan einen dreitägigen Produktionsstopp an. Das Werk im nordenglischen Sunderland werde vom 26. bis zum 28. April seinen Betrieb einstellen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Bereits am Mittwoch hatte der Autohersteller Honda angekündigt, seine Produktion in Großbritannien von Mitte April bis Ende Mai um 50 Prozent zurückzufahren.

dapd

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