Studie: Die meisten Krankenhaus-Infektionen sind vermeidbar

Jena - Bis zu 15 000 Menschen sterben Hochrechnungen zufolge pro Jahr in Deutschland an einer Krankenhaus-Infektion. Ein Großteil dieser Fälle ist vermeidbar - eine umfangreiche Studie will dabei jetzt helfen.

In Deutschland erkranken nach Schätzungen jährlich bis zu 600 000 Menschen an Infektionen während einer Behandlung im Krankenhaus. Am Universitätsklinikum Jena startet daher jetzt eine umfassende Studie, die solche Ansteckungen verhindern will. In dem auf vier Jahre angelegten Forschungsprojekt sollen 75 000 Menschen systematisch auf Krankenhauskeime und deren Ursachen untersucht werden, teilte das Klinikum am Donnerstag mit. Nach Klinikangaben handelt es sich um die größte bundesweite Studie in diesem Bereich.

Einbezogen werden demnach Patienten aus zwölf Jenaer Kliniken, die künstlich beatmet werden müssen, eine Operation hinter sich haben oder denen Venenzugänge und Urinkatheter gelegt wurden. “Das sind die am häufigsten von den Infektionen betroffenen Patienten“, sagte der Jenaer Medizinprofessor Frank Brunkhorst.

An den Folgen sterben Hochrechnungen zufolge 7500 bis 15 000 Menschen. “Allein die Zahlenschwankungen zeigen schon einen Teil des Problems“, sagte Brunkhorst, der das Projekt leitet. “Keiner weiß genau, wie viele Krankheits- und Todesfälle durch diese Infektionen es wirklich gibt.“ In Deutschland gebe es dafür bisher keine Meldepflicht, die Fälle würden auch nicht standardisiert erfasst.

Die vom Bundesforschungsministerium mit 1,8 Millionen Euro geförderte Studie untersucht auch Arbeitsabläufe und Hygienemaßnahmen. Zudem werden Ärzte, Pflege- und Reinigungskräfte geschult. Am Ende soll ein Präventionsprogramm stehen, mit dessen Hilfe die Infektionsrate um ein Fünftel gesenkt werden kann.

Derzeit gelte ein Drittel der Krankenhausinfektionen als vermeidbar, sagte Brunkhorst. Das betreffe vor allem Erkrankungen durch Keime, die von Personal oder Besuchern über die Haut auf Patienten übertragen würden. “Deshalb ist die Händedesinfektion so immens wichtig.“

In die Jenaer Studie werden alle Patienten aufgenommen, die während ihres Klinikaufenthaltes mit Antibiotika behandelt werden. Immer häufiger bekämen es Kliniken mit Bakterienstämmen zu tun, die auf Antibiotika nicht ansprächen, hieß es. Ein Grund ist aus Sicht der Fachleute die teilweise sorglose Verordnung dieser Mittel bei nicht so schwerwiegenden Infekten, vor allem durch niedergelassene Ärzte. Die Studie soll außerdem Aufschluss über die durch Klinikinfektionen verursachten Kosten geben.

Rubriklistenbild: © dpa

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