Verdammt, das haben wir nicht gewusst

Studie: Wer viel flucht, ist ehrlicher

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Clark Gable als Rhett Butler küsst Scarlett O‘Hara (Vivien Leigh) in „Vom Winde verweht“ - und meint es auch so.

München - Während des US-Wahlkampfes ließ Donald Trump gerne mal den einen oder anderen unfeinen Ausdruck fallen. Das könnte ein Grund für seinen Sieg gewesen sein. Diesen Schluss lässt eine aktuelle Studie zu.

Viele Anhänger von Donald Trump sind überzeugt, dass der 70-Jährige ehrlicher ist als Hillary Clinton. Eines der Kennzeichen des nächsten US-Präsidenten: Er bedient sich manchmal einer etwas rustikalen oder gar vulgären Sprache. Die einen sehen darin ein Zeichen vermeintlich mangelnder moralischer Ansprüche, andere wiederum empfinden ihn deshalb als „authentisch“ - und wählten ihn.

In „Vom Winde verweht“ sagt Clark Gable in der Rolle des Rhett Butler am Schluss zu Scarlett O‘Hara (Vivien Leigh): „Frankly, my dear, I don‘t give a damn.“ (In der deutschen Fassung heißt der Satz „Offen gesagt ist mir das gleichgültig“ - „scheißegal“ wäre näher am Original.) Nicht zuletzt wegen des Kraftausdrucks „to give a damn“ kann sich die Südstaaten-Schönheit sicher sein: Der Mann sagt die Wahrheit.  

Und tatsächlich bestätigt jetzt ein internationales Team von Psychologen: Zwischen Fluchen und die Wahrheit sagen besteht ein enger Zusammenhang.

So lief die Studie ab

Sie befragten für eine Studie, die im Social Psychological and Personality Science Journal veröffentlicht wurde, 276 Teilnehmer, welche Schimpfworte und Flüche sie am meisten benutzten, und warum. Die Mehrheit der Vielflucher hatte als einen Hauptgrund angegeben, sie würden so ihr „wahres Selbst“ oder negative Gefühle ausdrücken wollen, andere zu verletzen oder einzuschüchtern sei hingegen kein Aspekt dabei. 

In einem Lügendetektor-Test fanden die Forscher dann heraus, ob die Probanden auf ihre Fragen tendenziell ehrlich antworteten oder so, wie sie es für gesellschaftlich akzeptabel hielten. Dabei ging es etwa darum, ob die menschlichen Versuchskaninchen schon mal anderen für ihre Fehler die Schuld gegeben oder beim Spiel betrogen hatten. Das Ergebnis: Wer mehr Schimpfworte aufgelistet hatte, sagte öfter die Wahrheit. 

Anschließend werteten die Forscher die Ausdrucksweise von rund 75.000 Facebook-Nutzern aus den USA aus. Hier kamen sie zum Schluss, dass die Menschen, die sich öfter einer eher vulgären Wortwahl befleißigen, auch öfter eine Sprache benutzten, die mit Ehrlichkeit in Verbindung gebracht wird (Pronomen wie „ich“ etwa oder Worte wie „nervös“ oder „besorgt“, die Angst ausdrücken). 

Darum ist Fluchen Ausdruck von Ehrlichkeit

Die Studie der angesehenen Universität von Cambridge begründet ihre Erkenntnis so: Schimpfworte sind nicht zuletzt Ausdruck von aufgestauten Gefühlen wie Wut und Frustration, die raus müssen. „Wer seine Sprache filtert, filtert nicht nur, wie er etwas sagt, sondern wahrscheinlich auch, was er sagt“, erklärt Professor David Stilwell, einer der Autoren der Studie, der britischen Zeitung The Inde pendent. „So kommt öfter etwas aus dem Mund, von dem man denkt, dass es der andere hören will, aber nicht unbedingt das, was man wirklich denkt.“

Man kann also davon ausgehen, dass Trump wirklich denkt, was er sagt. Ob man das nun gut findet oder zum K..., muss jeder für sich selbst entscheiden.

hn

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