Riesen-Schiff steht quer

Suez-Kanal noch Tage blockiert? Britische Regierung schaltet sich ein - Gag von Fußball-Legende geht viral

Ein riesiges Containerschiff ist im Suez-Kanal auf Grund gelaufen. Dieser könnte noch tagelang blockiert sein. Der Gag einer Fußball-Legende geht viral.

Update vom 25. März, 15.58 Uhr: Im Suez-Kanal staut es sich weiter: Schlepperboote versuchten dort am Donnerstag noch immer, ein gestrandetes Containerschiff freizubekommen. Bis dahin werde die Schifffahrt auf der Seestraße vorübergehend eingestellt, teilte die Suez-Kanal-Behörde mit. Sie machte keine Angaben dazu, wie lange die Arbeiten noch dauern könnten. Ägyptens staatliche Zeitung „Al-Ahram“ zitierte einen Experten, der davon ausgeht, dass der quergestellte Frachter erst in einigen Tagen aus dem Weg geräumt werden kann.

Das 400 Meter lange Schiff war am Dienstag auf Grund gelaufen, weil der Kapitän schlechte Sicht wegen eines Sandsturms hatte. Derzeit versuchen acht Schlepper, MV Ever Given, wieder flott zu bekommen. Von der Behörde veröffentlichte Fotos zeigen Bagger, die Schlamm unter dem Containerschiff wegschaufelten, während Schlepperboote an ihm zogen.

Nach Angaben des Seefahrts- und Logistikunternehmens GAC warten derzeit noch rund 70 Schiffe an Ankerplätzen in den Städten Port Said und Suez auf die Weiterfahrt. Nach Angaben des Versicherungskonzerns Allianz standen zunächst mehr als 100 Schiffe im Stau.

Ein Foto vom Donnerstag: Ein Bagger schaufelt Sand am Ufer des Suez-Kanals, nachdem in der Nacht zum 24. März ein Containerschiff auf Grund gelaufen ist.

Noch hat der Vorfall keine gravierenden Auswirkungen auf den Hamburger Hafen. Die Blockade könnte aber zu einem Problem für Europas drittgrößte Anlaufstelle für Seeschiffe werden. „Der Suezkanal ist nun mal die Hauptverbindungsroute zwischen Fernost und Europa“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Hamburger Hafenkonzerns HHLA, Angela Titzrath, am Donnerstag. „Deswegen hoffen wir natürlich sehr, dass es nicht zu langfristigen Störungen im Kanal kommt - und dann eben zu wirklich dramatischen Verzögerungen im Fahrplan.“

Die HHLA - Betreiberin von drei der vier Containerterminals im Hamburger Hafen mit einem Umschlag von knapp 6,8 Millionen Standardcontainern (TEU) im vergangenen Jahr - sei Verspätungen gewohnt. „Keines der Schiffe ist in diesem Jahr pünktlich gewesen.“ Bislang hätten jedoch vor allem die Corona-Pandemie, das Wetter oder Streiks in anderen Häfen zu Verzögerungen geführt. Der Konzern könne auch die jetzige Situation handhaben.

Inzwischen hat sich auch die britische Regierung in den Fall eingeschaltet. „Wir sind bereit, jede erdenkliche Hilfe zu leisten“, sagte ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson. Die Ankunft einiger Waren könne sich zwar verzögern, britische Unternehmen hätten aber bislang keine Bedenken wegen der Blockade.

Suez-Kanal blockiert: Ölpreise spielen verrückt - Spruch von Fußball-Legende geht viral

Update vom 25. März, 10.05 Uhr: Die MV Ever Given steckt weiterhin im Suez-Kanal fest. Und hat auch Folgen auf die Ölpreise, die rauf und runter gehen. Die Ölpreise sind am Donnerstag deutlich gesunken. Damit hat sich die Berg- und Talfahrt der Notierungen seit Beginn der Woche fortgesetzt. Nachdem die Ölpreise am Mittwoch den starken Einbruch vom Dienstag wettmachen konnten, sind sie am Morgen wieder spürbar unter Verkaufsdruck geraten.  

Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete 63,15 US-Dollar. Das waren 1,26 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,25 Dollar auf 59,93 Dollar.

Mit dem Suez-Kanal bleibt eine auch für den Ölhandel wichtige Wasserstraße vorerst blockiert und sorgt damit weiter für Unsicherheit und starke Kursbewegungen am Ölmarkt. Bisher ist es nicht gelungen, das riesige Containerschiff, das den Suez-Kanal blockiert, aus seiner festgefahrenen Lage zu befreien.

Das Foto der quer stehenden MS Ever Given wird derweil immer häufiger als Meme hergenommen. So auch von der englischen Fußball-Legende Gary Lineker. „Breaking: Mourinho signs Evergreen“, schrieb er bei Twitter. Gemeint ist wohl: Tottenham-Trainer José Mourinho nimmt das Schiff unter Vertrag, um seine Abwehr dicht zu machen. Seine Mauer-Taktik wird oft belächelt. Die Fans feiern den Gag - mehr als 3.600 Mal wurde er in den ersten knapp 24 Stunden geteilt, bekam fast 30.000 Likes. Zur Erklärung: Das Schiff heißt Ever Given, trägt aber den Aufdruck „Evergreen“ für seine Baureihe.

Suez-Kanal: Mega-Schiff steht quer - die Folgen können drastisch sein

Update vom 24. März, 17.41 Uhr: Nach der Strandung eines Containerschiffs im Suez-Kanal ist es Schlepperbooten gelungen, den Frachter zu bewegen. Wartende Schiffe sollen wieder fahren dürfen, sobald er in eine andere Position gebracht wird, teilte das Seefahrts- und Logistikunternehmen GAC unter Berufung auf die ägyptische Suezkanal-Behörde am Mittwoch mit.

Acht Schlepperboote sind nach Angaben der Suez-Kanal-Behörde im Einsatz, um den Frachter zu befreien. Wind und die Größe des Schiffs erschweren ihre Arbeit laut GAC jedoch.

Update vom 24. März, 14.17 Uhr: Wie kam das Schiff in die missliche Lage? Dazu gibt es neue Hintergründe. Laut Kanalverwaltung SCA war das Schiff in einen starken Sandsturm geraten, der die Sicht des Kapitäns beeinträchtigt habe.

Laut der Website MarineTraffic lag die Ever Given mindestens seit Dienstagnachmittag an der gleichen Stelle. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete von einem Stau von mehr als 100 Schiffen, die den Kanal passieren wollten. Um den Rückstau abzubauen, gab die Kanalverwaltung historische Abschnitte des Kanals für den Verkehr frei.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hofft auf ein möglichst schnelles Ende der Blockade. „Je länger die Sperrung andauert und je länger die Ungewissheit andauert, desto drastischer werden die Auswirkungen dieser Sperrung sein“, sagte Verbandssprecher Christian Denso am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Das Hauptproblem sei nun, dass niemand wisse, wie lange die Ever Given den Kanal blockiere - und damit auch niemand wisse, ob sich der Umweg um das Kap der Guten Hoffnung lohne, sagte Denso. „Das ist, wie wenn Sie auf dem Weg in den Urlaub im Stau stehen und entscheiden müssen, nehme ich die Umleitung oder warte ich im Stau, bis es vorbei ist.“ Der Umweg um das Kap der Guten Hoffnung dauere etwa neun bis zehn Tage oder betrage etwa bei der Route Singapur-Rotterdam rund 6000 Kilometer.

Denso sagte, bei Containerschiffen komme es in der Regel nicht darauf an, dass sie schnell, sondern dass sie pünktlich ankommen. Dabei gehe es um das Versprechen der Reeder, dass beispielsweise die Autotür rechtzeitig in Bremerhaven ankomme. Von der Blockade betroffen seien auch Tanker. „Alles, was Öl dort unten lädt und Richtung Europa und Nordamerika fährt, fährt durch den Suezkanal“, der im Gegensatz zum Panama- oder zum Nord-Ostsee-Kanal keine Breiten-, Höhen- oder Längenrestriktionen habe. „Da passt alles durch.“

Je länger der Stau dauere, „desto ruhiger wird es im Hamburger Hafen werden“, sagte Denso. Danach kämen die Schiffe dann jedoch geballt. Die Ever Given ist in Hamburg keine Unbekannte, war zuletzt Ende Januar in der Hansestadt.

Bekannt geworden ist sie jedoch vor allem durch einen von ihr verursachten Unfall: Die Ever Given war am 9. Februar 2019 vom Kurs abgekommen und hatte am Anleger Blankenese die Hafenfähre „Finkenwerder“ zusammengedrückt. Wind aus Südwest hatte den Ermittlungen zufolge die Kollision begünstigt. Zudem habe ein Sog das Heck des Frachters gen Elbufer gezogen. An Fähre und Anleger entstand Sachschaden in Höhe von rund einer Million Euro.

Suez-Kanal: Mega-Schiff steckt quer fest - die Folgen können dramatisch sein

Unser Artikel vom 24. März, 10.51 Uhr: Port Said - Ein quer stehendes Mega-Containerschiff blockiert den Suez-Kanal. Eine Windböe habe den Frachter vermutlich vom Kurs abgebracht, sagte das taiwanische Betreiberunternehmen Evergreen Marine Corp am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Bei dem Schiff handelt es sich um die MV Ever Given, ein 400 Meter langes und 59 Meter breites Schiff.

Suez-Kanal: MV Ever Given steht quer - Windböe wohl Ursache

Schlepper und Baggerfahrzeuge bemühten sich, den Frachter aus seiner festgefahrenen Lage zu befreien. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete von einem Stau von mehr als 100 Schiffen, die den Kanal passieren wollten.

Ein Bagger versucht, das vordere Ende des von Evergreen Marine betriebenen Containerschiffs Ever Given zu befreien, nachdem es im südlichen Ende des Suezkanals auf Grund gelaufen ist und den Schiffsverkehr in beide Richtungen blockiert.

Wie das Transportunternehmen GAC am Mittwoch auf seiner Homepage berichtet, erschweren die Windverhältnisse und die Größte des Schiffes die Operation, es seien noch keine Fortschritte zu vermelden. Laut Medienberichten war seitens GAC zunächst auch von einem Stromausfall die Rede, in einer aktuellen Mitteilung ist davon nichts mehr zu lesen. Laut Guardian erklärte der Schiffsbetreiber Evergreen gegenüber AFP, eine Windböe werde als Ursache vermutet.

Suez-Kanal: MV Ever Given steht quer - Vorfall könnte für Lieferverzögerungen sorgen

Der Vorfall kann dramatische Folgen für die Frachtversorgung haben. Die CNN zitiert einen in Singapur ansässigen Schiffsmakler, es könne zu Lieferverzögrungen in beide Richtungen kommen. Ashok Sharma, Geschäftsführer des in Singapur sitzenden Schiffsmaklers BRS Baxi meint, der Vorfall könne die ganze Schifffahrt erheblich stören, wenn es sich auf Wochen erstrecke. Er setzt darauf, dass genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, „um die Situation schnell zu bewältigen, und zwar in Tagen statt Wochen“.

Julianne Cona sah das Drama wohl mit an. Sie stand Berichten zufolge auf dem Schiff dahinter namens Maersk Denver und schrieb bei Instagram: „Ein Schiff ist vor uns auf Grund gelaufen, als es durch den Kanal fuhr und steckt nun quer fest. Sieht aus, als seien wir noch ein bisschen hier ...“

Der Suez-Kanal, dessen Geschichte vor mehr als 150 Jahren begann, ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt und ermöglicht die Durchfahrt für zehn Prozent des gesamten internationalen Seehandels. Der Kanal verbindet Mittelmeer und Rotes Meer. Nach Angaben der Suez Canal Authority (SCA) passierten im vergangenen Jahr fast 19.000 Schiffe mit insgesamt mehr als einer Milliarde Tonnen Fracht den Kanal. (lin mit AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © -/Suez Canal Authority/dpa

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