Ansteckende Krebs-Krankheit

Tasmanischer Teufel bald ausgelöscht?

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Der Tasmanische Teufel ist bedroht.

Sydney - Ein Biss, und das nächste Tier ist mit der tödlichen Krankheit infiziert. Genau das ist das Schicksal des Tasmanischen Teufels, der auf einer Insel vor Australien lebt.

Der aggressive Tumor, der das etwa katzengroßes Raubtier an den Rand des Aussterbens gebracht hat, wird durch Bisse von Tier zu Tier übertragen. Seit dem ersten Fall der rätselhaften Krebserkrankung vor über 15 Jahren ist der Bestand des fleischfressenden Beuteltiers um 85 Prozent zurückgegangen.

„Es ist eine sehr ungewöhnliche Krankheit, weil sie zu 100 Prozent tödlich verläuft“, sagt Rodrigo Hamede, Zoologe an der Universität Tasmanien in der Inselhauptstadt Hobart. Schätzungen zufolge gibt es nicht einmal mehr 20 000 gesunde Tiere auf Tasmanien, der einzigen Heimat des Teufels. Einige Experten geben dem Tier noch 20 Jahre in der Wildnis. Die Aussichten sind schlecht.

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Es gibt keine Impfung, keine Behandlung. „Wir können die Krankheit nicht ausrotten, das ist unrealistisch“, sagt Hamede. Der Krebs wird weder durch Viren noch durch Bakterien verursacht, sondern durch eine Krebszelle, die beim Biss von Tier zu Tier überspringt. Zunächst bilden sich dicke Knoten und Geschwüre um die Schnauze, dann verbreitet sich der Krebs über den ganzen Körper. Viele Tiere verhungern, weil sie nicht mehr fressen können.

„Wir hoffen, dass die Teufel lernen werden, mit der Krankheit umzugehen“, sagt Hamede. Die Wissenschaftler setzen auf die Evolution als eine der letzten Chancen für den Tasmanischen Teufel. Sie ist es, die im Normalfall dazu beiträgt, solch tückische Krankheiten zu überwinden - indem nur jene Tiere überleben und sich fortpflanzen, die Resistenzen gegen die Krankheit entwickelt haben.

Damit dieser Prozess aber im Falle der Teufel rechtzeitig fruchtet, müsste die Evolution extrem schnell voranschreiten. Fraglich bleibt, ob die Größe der Population dazu überhaupt noch ausreicht. Dem Teufel - der seinen Namen wegen seiner Wildheit, seines schwarzen Fells und den bei Aufregung rot leuchtenden Ohren trägt - bleibt nicht mehr viel Zeit. Gemeinsam mit dem Riesenbeutelmarder zählt er zu den größten noch lebenden Raubbeutler-Arten.

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„Es gibt keine Hoffnung, dass die Krankheit einfach verschwindet“, sagt Kathy Belov von der Universität Sydney. Die Krankheit sei rätselhaft: „Denn normalerweise kann man sich mit Krebs nicht anstecken“, sagt die Tierärztin. „Es gibt einige Krebsarten, die durch einen Virus verursacht werden, wie etwa Gebärmutterhalskrebs, der durch Papilloma-Viren ausgelöst wird“, erklärt sie weiter. „Bei den Teufeln aber sind die Krebszellen selbst die Erreger.“

Entschlossen versuchen Wissenschaftler zu verhindern, dass dem Teufel das gleiche Schicksal widerfährt, wie einst dem Tasmanischen Tiger, einem anderen fleischfressenden Beuteltier auf der großen Insel südlich Australiens. Das einst verbreitete Raubtier wurde vom Menschen gejagt, weil es als Schafskiller galt. Das letzte Exemplar dieser Art starb 1936 in einem Zoo in Hobart.

Australiens Forscher hoffen zwar auf die Evolution, doch sie müssen auch handeln: Um das Überleben des Tasmanischen Teufels zu sichern, haben sie mit der Zucht der Tiere begonnen. Dazu brachten sie gesunde Teufel in abgesperrte Gebiete auf dem australischen Festland. Das funktioniere gut, heißt es. Mit einer neuen Initiative sollen gesunde Tiere nun auch auf der kleinen Insel Maria vor Tasmanien ausgesetzt werden - und dort ein neues Leben beginnen.

dpa

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