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Tesla überwacht Anwesenheitszeiten der Mitarbeiter - „purer Kontrollzwang“

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Von: Julian Baumann

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Tesla-Chef Elon Musk spricht vor der Enthüllung des Teslas Modell Y in Teslas Designstudio.
Bei Tesla gilt eine Anwesenheitspflicht. Diese lässt Firmenchef Elon Musk offenbar streng überwachen. © Jae C. Hong/dpa

Tesla-Boss Elon Musk treibt die Mitarbeiter zurück in die Büros. Laut einem Bericht wird die Anwesenheitszeit streng überwacht - zum Unmut der Angestellten.

Stuttgart/Austin - E-Autobauer Tesla pocht auf eine Anwesenheitspflicht für die Mitarbeiter. Während die Arbeiter in der Autoproduktion, beispielsweise am Fließband in der Fertigung, ohnehin nicht von zu Hause aus arbeiten können, zwingt Elon Musk auch die Angestellten in der Verwaltung zurück in die Büros. Der Tesla-Boss drohte den Mitarbeitern mit Kündigung, sollten sie weiter im Homeoffice bleiben. Da sich die Mitarbeiter in den USA nicht auf einen Tarifvertrag beziehen können und das Direktionsrecht des Arbeitgebers gilt, folgten viele dem Aufruf beziehungsweise Befehl.

Zumindest die älteste Tesla-Fabrik in Fremont (Kalifornien) war auf die Rückkehrer aber gar nicht vorbereitet. Elon Musk zwingt die Mitarbeiter zurück ins Büro, doch für die gibt es gar keinen Platz. Einem Bericht des Nachrichtenportals Business Insider zufolge überwacht der Autobauer aus Austin (Texas), wie oft die Angestellten ihren Hausausweis benutzen und demnach, wie häufig sie tatsächlich im Büro aufschlagen. Den Mitarbeitern passt die Überwachung und der Einblick des Arbeitgebers in die Daten überhaupt nicht, wie bw24.de berichtet.

Tesla kontrolliert, wie oft Mitarbeiter im Büro aufschlagen - „wird verlangt“

In der internen Mail, in der Tesla-Boss Elon Musk seine Mitarbeiter zurück in die Büros beordert hatte, hieß es, sie müssten mindestens 40 Stunden pro Woche in einem Büro des US-Herstellers sein. Ansonsten gehe Tesla davon aus, man habe das Unternehmen verlassen. Bei insgesamt rund 100.000 Angestellten weltweit lässt sich das normalerweise aber nur schwer überprüfen. Am Dienstag, 28. Juni, postete ein Mitarbeiter von Tesla im beruflichen Netzwerk Blind einen Screenshot einer Mail. Darin hieß es, man habe festgestellt, dass er seinen Hausausweis an mindestens 16 Tagen im vergangenen Monat nicht benutzt habe.

„Sie erhalten diese E-Mail, da es in den vergangenen 30 Tagen an 16 Tagen keine Erfassung darüber gibt, dass Sie Ihren Ausweis verwendet haben, um eine Tesla-Fabrik zu betreten“, heißt es in dem Schreiben. „Als Erinnerung: Von allen Mitarbeitern wird verlangt, dass sie wieder in Vollzeit im Büro arbeiten.“ Angemerkt wird zwar, dass es natürlich Gründe wie Krankheit, Urlaub oder Dienstreisen gebe, bei denen eine Anwesenheit nicht möglich sei. „In jedem Fall sollten Sie den Grund für Ihre Abwesenheit mit Ihrem Vorgesetzten per E-Mail klären und eine Kopie des Vorgangs an absence@tesla.com senden.“

Tesla-Mitarbeiter äußern Unmut wegen Überwachung - „es ist respektlos“

Im Briefkopf der Mail, die der Tesla-Mitarbeiter auf Bling gepostet hatte, steht, dass es sich bei dem Schreiben um eine automatisch generierte Nachricht handele. Demnach ist die Benachrichtigung über die Fehlzeiten kein Einzelfall. Gegenüber Business Insider bestätigte ein Tesla-Mitarbeiter die Echtheit der Mail. In dem beruflichen Netzwerk, wo sich verifizierte Mitarbeiter anonym über ihre jeweiligen Unternehmen austauschen können, äußerten andere Mitglieder ihren Unmut über die Überwachung durch Tesla. „Das fühlt sich falsch an“, schrieb eine Arbeitnehmerin. „Ich kann nicht ganz in Worte fassen, warum es mich so stört. Aber es fühlt sich wie eine Grenzüberschreitung an. Es ist purer Kontrollzwang. Es ist respektlos.“

Ein System zum Erfassen der Präsenzzeit für Mitarbeiter ist nicht neu. Viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen setzen beispielsweise auf ein Stempelsystem, bei dem die Mitarbeiter bei Schichtbeginn ein- und nach Feierabend wieder ausstempeln müssen. Die Corona-Pandemie hat das Arbeitsleben in vielen Bereichen aber grundlegend verändert. Gerade Mitarbeiter, die organisatorische oder verwaltungstechnische Aufgaben haben und somit nicht an einen Standort gebunden sind, haben in vielen Betrieben aber die Möglichkeit zum Homeoffice. Der SAP-Personalchef sagte, dass die Mitarbeiter deshalb zufriedener seien, als jemals zuvor. Tesla-Boss Elon Musk hält von dieser Möglichkeit jedoch offenbar wenig.

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