Thailand kämpft gegen die Fluten

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Mit Sandsäcken versuchen thailändische Soldaten die Wassermassen aufzuhalten.

Bangkok - In Thailand kämpfen die Behörden gegen die Fluten, Menschen fliehen aus ihren Häusern. Jetzt wurde bekannt: Die Politik hat in einem Überschwemmungsgebiet Industrie angesiedelt.

Das Wasser steht fünf Meter hoch bis zur Decke. Somchit Nawangmuang ist längst aus seinem Haus in der thailändischen Königsstadt Ayutthaya geflüchtet. Dort steht auch das Unesco-Weltkulturerbe, die antike Tempelstadt, unter Wasser. “Die Fluten nahmen fast alles, was ich hatte“, sagte Somchit, Vater von sechs Kindern. Der durch die starken Regenfälle angeschwollene Chao-Praya-Fluss, trat über die Ufer und überschwemmte sein Haus. Gerade ein paar Kleider konnte die Familie noch einpacken. Seitdem ist sie, wie viele andere, im Rathaus untergebracht.

Seit Ende Juli sind bei den starken Monsun-Regen in Thailand 269 Menschen ums Leben kommen. Mehr als 2,3 Millionen Bewohner sind betroffen. Es sei die schlimmste Flut seit 1995, teilten die Behörden mit. “So etwas habe in meinen 80 Jahren noch nie gesehen. Ich sorge mich um mein Haus, aber ich kann nicht dorthin“, sagte Waneeda Yaemsakul aus Ayutthaya.

Wassermassen bedrohen Bangkok

Millionenstadt Bangkok unter Wasser

Unter Hochdruck wird an der Fertigstellung dreier Dämme gearbeitet. Schätzungsweise blieben nur noch ein oder zwei Tage Zeit, bis der Hochwasser führende Fluss Chao Praya, der sich durch Thailands Hauptstadt Bangkok schlängelt, über die Ufer tritt. In Supermärkten waren die Regale mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, mit Trinkwasser, Schweinefleisch und Geflügel leergekauft. Die Hochwasserschäden in den Agrarregionen im Norden dürften die Preise für Lebensmittel, besonders für Reis, steigen lassen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden wahrscheinlich etwa 1,1 Millionen Hektar Reisfelder zerstört. Das wäre ein Zehntel der gesamten Reisanbaufläche von 11 Millionen Hektar des weltgrößten Reisexporteurs.

Schwere Vorwürfe an die Politik

Die Debatte um die Ursachen der Katastrophe hat begonnen. Besseres Wassermanagement, so einige Experten, hätte die Auswirkungen abschwächen können. Zu viel Wasser sei zu lange in den Staudämmen gespeichert worden, sagte der Leiter der nationalen Katastrophenwarnstiftung, Smith Dharmasaroja. In den vergangenen Tagen mussten die Behörden immer wieder Wasser aus Dämmen ablassen. Damit wurde aber auch der Chao-Praya-Fluss überflutet, der durch etliche Reisanbaugebiete und die Hauptstadt Bangkok fließt. Die Millionenmetropole rüstet sich schon gegen die Fluten, die in den kommenden Tagen erwartet werden.

Ayutthaya war mehr als 400 Jahre die Hauptstadt des Königreiches Siam. Birmanische Soldaten machten sie 1767 dem Erdboden gleich. Jetzt ist das Wasser der ärgste Feind. Der Schaden in Ayutthaya ist größer als in anderen Provinzen. Die Region hat in den vergangenen Jahrzehnten ausländische Investoren angezogen, vor allem in der Automobil- und Elektronikindustrie. Etwa 300 der insgesamt 2150 Fabriken in Ayutthaya sind von den Fluten betroffen. Viele mussten kurzzeitig ihre Produktion stoppen.

Ayutthaya sei zum Großteil ein Überschwemmungsgebiet, sagte der Leiter der Fakultät für Wasserressourcen an der Universität Chulalongkorn, Chaiyuth Sukhsri. Damit sei die Region ungeeignet für Fabriken ohne die notwendigen Investitionen in den Hochwasserwschutz. Die thailändische Regierung hat Chaiyuth und andere Experten nun damit beauftragt, eine Studie anzufertigen, wie künftige Fluten eingedämmt werden können.

Der Wasser-Experte Chaiyuth Sukhsri appellierte aber auch an die Bevölkerung: “Die Menschen müssen erkennen, dass sie in einem hochwassergefährdeten Gebiet leben. Sie müssen sich besser auf die Zukunft vorbereiten.“

dpa, dapd

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