Hexenjagd 4.0?

Tierheim veröffentlicht Fotos von Hundeaussetzern - Aktion polarisiert: „Moderne Hexenjagd“

Kangal Hund im Tierheim Düsseldorf
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Etwas verunsichert blickt die Kangal-Hündin drein, die von zwei Männern vor den Toren des Tierheims in Düsseldorf einfach ausgesetzt wurde.

Eine Hündin wird von zwei jungen Männern vor dem Düsseldorfer Tierheim abgesetzt, ohne Angabe von Gründen. Daraufhin veröffentlichen die verärgerten Mitarbeiter Bilder der „Täter“, die von der Überwachungskamera aufgenommen wurden, auf der Facebook-Seite des Tierheims. Das Medienecho ist riesig, die Meinungen sind zweigeteilt. 

Düsseldorf - Am Donnerstag, dem 13. Mai 2021 wurde eine verletzte Kangal-Hündin von zwei sportlich gekleideten Männern gegen 21:30 Uhr vor den Toren des Düsseldorfer Tierheims ausgesetzt. Angebunden mit einer roten Leine. Das Tierheim hat zu dieser Zeit für Besucher längst geschlossen.

Von einer Benachrichtigung, mit der man die Mitarbeiter wenigstens über den Grund für die Abgabe in Kenntnis hätte setzen können, keine Spur. Was ihnen sofort auffällt, ist die Zutraulichkeit der Hundedame und ihr Blick, der bei Hundeliebhabern sofort Beschützerinstinkte auslöst. Auffällig sind auch die Schwielen an ihren Beinen und die aufgebissenen Gelenke.

Die Mitarbeiter des im Düsseldorfer Stadtteil Rath liegenden Tierheims sind sauer. Sauer, über die Feigheit und Dreistigkeit der Besitzer, nicht wenigstens den Dialog mit ihnen gesucht zu haben. Schließlich kostet jede Betreuung und medizinische Versorgung eines Tieres Geld, das bei nahezu allen Tierheimen hierzulande immer knapp ist.

Und auch die Herzlosigkeit der „Täter“* macht die Angestellten fassungslos, denn es sollte inzwischen jedem klar sein, dass ein Tier kein Spielzeug ist und Hunde eine stärkere Bindung an ihre Halter haben als die meisten anderen Tiere.

Tierheim Düsseldorf postet Bilder von Hundeaussetzern auf Facebook

Etwa eine Viertelstunde, nachdem die Mitarbeiter die Hündin aufgelesen hatten, posteten Sie ein erstes Bild von ihr auf der Facebookseite des Tierheims, baten ihre Follower den Beitrag zu teilen und die Allgemeinheit um Hinweise. Gut eine Stunde später veröffentlichten sie einen weiteren Beitrag von der Hündin - diesmal mit sechs Fotos, auf denen auch die Schwielen an ihren Beinen gut zu erkennen sind. Und nicht nur das: Die Mitarbeiter haben sich entschlossen, auch Bilder der beiden Männer zu posten. Ihr Statement, dass sie dazu abgeben, zeugt von Wut und Unverständnis.

So, Ihr Lappen... Ihr wolltet schon immer mal einen großen Social Media Auftritt? Könnt Ihr haben! Während Ihr den Ruhm genießt, kümmern wir uns um diese freundliche Kangal-Dame, und sorgen erst mal dafür, dass sie keine Schmerzen mehr in den Gelenken erleiden muss.“ 1.356 Kommentare finden sich unter dem Beitrag, 3.907 Mal wurde er geteilt.

Noch nie hat ein Posting des Düsseldorfer Tierheims solche Wellen geschlagen. Das Medienecho lässt nicht lange auf sich warten. Die Frage, die Presse und Gemüter bewegt: War es richtig, die Täter an den Social-Media-Pranger zu stellen? Während der ein Mann aufgrund seiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze nur schwer zu identifizieren ist, ist es der andere Mann ohne Kopfbedeckung nahezu mühelos.

Tierliebhaber mehrheitlich für Sichtbarmachung von Hundeaussetzern

Die User sind darüber geteilter Meinung. Viele der Kommentierenden stehen hinter der Entscheidung des Tierheims und sehen in der Veröffentlichung der Fotos „das einzig probate Mittel, um solche Tier-Entledigung-Aktionen* zu verhindern.“

Andere sehen die Sache differenzierter, so wie eine Userin, die zu bedenken gibt, dass diejenigen, die einen Hund „abgegeben“ nicht zwangsläufig dessen Besitzer sein müssen. Andere ziehen auch Scham in Erwägung - darüber, sich den Unterhalt des Vierbeiners nicht mehr leisten zu können.

Vermutlich schwante den Mitarbeitern des Tierheims schon kurz darauf, dass die eigenmächtige öffentliche Fahndung nicht rechtens ist, denn noch am selben Abend wurden die Bilder der Überwachungskommentar aus dem Posting gelöscht: „Die Bilder von unserem Tierheimtor/der Einfahrt zum Tierheim, auf denen auch zwei ‚maskierte‘ Personen zu sehen waren, mussten entfernt werden.“

Ob die Sache ein juristisches Nachspiel für das Tierheim haben wird, ist ungewiss. Die Community ist sich dagegen einig: Wenn in dieser Sache jemand bestraft werden sollte, dann die beiden Männer *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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