Todesfalle Tunnel: Eng, dunkel, gefährlich!

München - Nach dem Busunglück in der Schweiz mit 28 Toten sprach die tz mit Verkehrsexperte Prof. Berthold Färber von der Bundeswehruniversität München.

Der Fahrer des Unglücks-Busses hatte nach ersten Erkenntnissen die Ruhezeiten eingehalten, es war kein anderes Fahrzeug im Spiel: Wie konnte es zu diesem schrecklichen Unfall kommen?

Verkehrsexperte Prof. Berthold Färber von der Bundeswehr ­universität München: Ehe die Ermittlungsergebnisse vorliegen ist es sehr schwierig, sich das zu erklären. Den Sekundenschlaf kann es auch dann geben, wenn die Ruhezeiten perfekt eingehalten wurden. Es kann eine Ablenkung des Fahrers gewesen sein, etwa durch die Kinder. Es könnte aber auch ein technisches Problem wie ein Reifenplatzer schuld gewesen sein. In jedem Fall war das eine Verkettung von extrem ungünstigen Umständen. Wäre das nur drei Sekunden später passiert, wäre der Bus an der Wand entlanggeschlittert – und es wäre bei einem Sachschaden geblieben. Aber der Bus fuhr genau in einen der ohnehin seltenen Rettungsbereiche rein…

Warum sind Tunnels so gefährlich?

Prof. Färber: Der Tunnel ist aus drei Gründen so gefährlich: Erstens ist er psychologisch schwierig: Der Fahrer fühlt sich eingeengt, die Spuren sind minimal verengt sind, es ist dunkel – das wirkt sich auf das Verhalten aus. Zweitens ist dort jede Störung – und sei es auch nur ein kleiner Auffahrunfall – sofort ein dramatisches Ereignis, weil es keine Möglichkeit gibt, über eine Leitplanke zu gehen und sich in Sicherheit zu bringen. Drittens: Im Tunnel ist es für Rettungsmannschaften extrem schwierig, einzugreifen.

Die hohe Zahl der Todesopfer wird auch damit erklärt, dass einige Kinder wohl nicht angeschnallt waren…

Prof. Färber: Es wird in Reisebussen zwar empfohlen, sich anzuschnallen, aber die Anschnallpflicht gilt nicht generell: Bei Bussen mit hohen Sitzen und einen nicht zu großen Sitzabstand gilt die Anschnallpflicht nicht. Bei diesem Unfall hätte die Anschnallpflicht aber ohnehin nicht viel gebracht…

Muss ein Busfahrer dafür sorgen, dass sich die Schüler hinsetzen?

Prof. Färber: Wer je mit einer Horde Schüler Bus gefahren ist, weiß, dass der Fahrer da überfordert ist. Er kann die Kinder allenfalls in Durchsagen zum Hinsetzen auffordern. Der Fahrer ist dafür auch nicht zuständig, das ist der Job des Reisebegleiters – im Fall dieser Schülergruppe der Lehrer.

Was muss ich als Autofahrer beachten, wenn es in einem Tunnel zu einem Unfall kommt?

Prof. Färber: Anhalten, die Warnblinkanlage anschalten. Aussteigen und helfen nur dann, wenn es nicht brennt. Wenn es brennt heißt mein Rat: Aussteigen und flüchten! Wir haben in Studien untersucht, dass bei einem Tunnelbrand binnen fünf Minuten kaum mehr eine Chance besteht, zu helfen. Da geht es nur noch darum, sein eigenes Leben zu retten.

Int.: K. Rimpel

Bus-Unfall auf Klassenfahrt: 28 Tote

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Rubriklistenbild: © dapd

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