Für Europa außergewöhnliche Stärke

Tornado in Tschechien: Zahl der Toten nach oben korrigiert - Wetterdienst erklärt die extreme Wucht

In Tschechien hat ein Tornado fünf Menschen das Leben gekostet. Laut dem Wetterdienst war der Wirbelsturm bis zu 400 km/h schnell - für Europa außergewöhnlich stark.

Update vom 25. Juni, 13.56 Uhr: Beim schweren Unwetter im Südosten Tschechiens sind mehr Menschen gestorben als zunächst angenommen. Polizei und Rettungsdienst korrigierten die Zahl der Todesopfer von drei auf fünf nach oben. Rund 200 Menschen wurden verletzt, knapp 60 mussten stationär in Kliniken behandelt werden.

Unterdessen gab der Deutsche Wetterdienst eine Beurteilung zu dem Tornado ab. Der DWD sprach von einer für Europa außergewöhnlichen Stärke. „Das sind solche Kräfte, die dort entstehen, dass wirklich Autos Hunderte Meter weit durch die Luft fliegen, dass Trümmerteile sich in Betonwände bohren“, sagte der DWD-Tornadobeauftragte Andreas Friedrich der dpa. Er gehe anhand der Schäden, die er auf Bildern gesehen habe, von Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 Kilometern pro Stunde aus. Das sei „ein Tornado, der in dieser Stärke in Europa bisher nur selten vorkam“.

Bürgermeister von Hrusky: „Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster“

Update vom 25. Juni, 11.35 Uhr: Nach dem verheerenden Tornado dauert die Suche nach Verschütteten an. Hunderte Feuerwehrleute gingen am Freitag in den zerstörten Gemeinden von Haus zu Haus. Auch Spürhunde halfen bei der Suche. Aus anderen Teilen des Landes machte sich weitere Verstärkung auf den Weg. „Alles, was Arme und Beine hat, fährt dorthin“, sagte der tschechische Innenminister Jan Hamacek. Er machte sich vor Ort ein Bild von der Lage und sprach von einer „gewaltigen Katastrophe“. Die Armee schickte Soldaten mit schwerer Technik.

Der stellvertretende Bürgermeister der stark betroffenen Gemeinde Hrusky, Marek Babisz, berichtete, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. „Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster“, sagte er der Agentur CTK.

Der Wetterdienst CHMU bestätigte inzwischen, dass es sich um einen Tornado gehandelt habe. In Tschechien gilt das als seltene Erscheinung, den letzten Tornado gab es vor drei Jahren. Vor drei Jahren geriet ein Autofahrer in Deutschland in einen Tornado.

Tornado in Tschechien: Ministerpräsident Babis will Unglücksregion besuchen

Update vom 25. Juni, 8.12 Uhr: Das schwere Unwetter im Südosten Tschechiens hat mindestens drei Menschenleben gefordert, so eine Sprecherin der Rettungskräfte am Freitag im Fernsehsender CT. Ein Tornado hatte am Donnerstagabend sieben Dörfer in der Region Südmähren verwüstet (siehe Erstmeldung). Mehr als 200 Menschen wurden verletzt, davon mindestens zehn schwer.

Das tschechische Dorf Moravska Nova Ves ist nach einem Tornado nahezu komplett verwüstet.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis wollte das Unglücksgebiet am Nachmittag nach seiner Rückkehr aus Brüssel vom EU-Gipfel besuchen. Die Regierung versprach schnelle finanzielle Hilfe für die Betroffenen, von denen viele das Dach über dem Kopf verloren haben. Denn viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. „Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde“, sagte ein Augenzeuge der Zeitung Pravo. „Dann begann die Hölle, alles flog herum.“ Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer.

„Situation wie in einem Krieg“: Tornado in Tschechien verwüstet Region - Tote und Verletzte

Erstmeldung vom 25. Juni: Prag/Breclav - Ein Tornado wütete am Donnerstag über Tschechien. Im Südosten des Landes kamen Menschen ums Leben und wurden verletzt. Die genaue Zahl der Todesopfer war nach Angaben des Rettungsdienstes zunächst nicht bekannt. „Wir können leider bestätigen, dass es Todesopfer gab, aber wir sind nicht in der Lage, ihre genaue Zahl mitzuteilen“, so eine Sprecherin der regionalen Rettungsdienste. Für Schätzungen sei es zu früh, da noch immer Menschen unter den Trümmern eingestürzter Häuser eingeschlossen seien. Die Zahl der Toten liege aber wahrscheinlich im einstelligen Bereich, fügte sie hinzu. Die Zahl der Verletzten schätzte sie „auf 100 bis 150, von Kindern bis hin zu Senioren“.

Der Tornado hinterließ eine Spur der Verwüstung und machte in der Region rund um die Stadt Hodonin an der tschechisch-slowakischen Grenze ganze Häuser dem Erdboden gleich. Das Krankenhaus in Hodonin meldete rund 200 Verletzte. In mehreren Dörfern seien Dächer abgedeckt, Fensterscheiben zerstört, Bäume umgestürzt und Autos umhergeschleudert worden, berichtete der Fernsehsender CT. Die Situation dort sei wie in einem Krieg, sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech im Fernsehen.

Hagelkörner von der Größe eines Tennisballs: Tornado verwüstet Regionen in Tschechien

Im Internet verbreitete Videoaufnahmen aus Hodonin zeigten zerstörte Gebäude und Autos, entwurzelte Bäume und mehrere Brände. Auch Hagelkörner von der Größe eines Tennisballs prasselten auf die Region nieder. In Hodonin wurden durch das Unwetter ein Altenheim und der Zoo beschädigt. Zudem seien mehrere Busse bei dem Unwetter in Südmähren nahe der Grenze zu Österreich umgestürzt, berichtete der Fernsehsender CT. Am Schloss Valtice, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, entstand Millionenschaden. An dem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert barsten zahlreiche Fensterscheiben. „Es ist die Hölle auf Erden“, sagte Regionalgouverneur Jan Grolich nach einem Besuch vor Ort.

Mehrere Rettungsstaffeln mit Hunden waren unterwegs, um in Gebäuden nach möglichen Verschütteten suchen. Die Feuerwehr ging von Haus zu Haus. „Hier herrscht großes Chaos, große Panik“, sagte ein Augenzeuge in der Gemeinde Luzice dem Sender CT. Viele Häuser sollen einsturzgefährdet sein. Die Polizei sperrte die Zufahrtswege zu mehreren Orten, um Schaulustige fernzuhalten.

Tornado in Tschechien: Hochspannungsleitung stürzt auf Autobahn - Stromausfall in Tausenden Haushalten

Ein Tornado hat in Tschechien verwüstete Regionen hinterlassen. Es gibt Tote und Verletzte.

Die Autobahn D2, die von Brünn (Brno) nach Breclav führt, war nicht befahrbar, weil eine Hochspannungsleitung auf die Fahrbahn gestürzt war. Rund 32.000 Haushalte waren ohne Elektrizität. Die Regierung in Prag versetzte Kräfte der Armee für einen möglichen Hilfseinsatz in Bereitschaft. Österreich schickte 20 Krankenwagen und zwei Rettungshubschrauber, auch die benachbarte Slowakei entsandte Hilfe.

Auch in Bayern gab es zuletzt Unwetter - die Landeshauptstadt München hatte sehr viel mehr Glück. (dpa/AFP/cibo)

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