Amoklauf in Schule: Mindestens zwölf Tote

Rio de Janeiro - Ein bewaffneter Mann hat in einer Schule in Rio de Janeiro mindestens zwölf Kinder und Jugendliche erschossen. Eltern rannten in Panik nach dem Amoklauf zur Schule.

Bei einer Schießerei in einer Schule in Rio de Janeiro sind am Donnerstag mindestens zwölf Menschen getötet worden, darunter der Täter. Mindestens 20 weitere seien verletzt worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr, Evandro Bezerra, dem Fernsehsender Globo. Es war unklar, ob sich der Schütze selbst das Leben nahm oder von der Polizei erschossen wurde.

Bilder vom Tatort

Amoklauf an Schule in Rio de Janeiro

In Panik versetzte Eltern eilten nach dem Vorfall zu der Schule, deren Schüler zwischen 10 und 15 Jahre alt sind. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Eltern weinten und schreiend nach Informationen über ihre Kinder verlangten. Es war auch zu sehen, wie Hubschrauber in einem Fußballfeld neben der Schule landeten und Verletzte in nahegelegene Krankenhäusern brachten.

Bei dem Täter handelte es sich Polizeiangaben zufolge um einen 23-jährigen früheren Schüler der Schule in Rio de Janeiro. Polizeikommandant Djalma Beltrame sagte Globo, der Schütze habe einen Brief am Tatort zurückgelassen, in dem er angedeutet habe, sich töten zu wollen. Ein eindeutiges Tatmotiv habe er aber nicht genannt.

Täter hinterlässt Abschiedsbrief

Gegen 08.00 Uhr betritt der 23-jährige Wellington das Gebäude der “Tasso da Silveira“-Schule in Rio de Janeiro. Die Kinder sind mit ihren Lehrern in den Klassen. Der junge Mann ist bekannt. Auch er ging einmal in diese Schule. Jetzt gibt er vor, er sei wegen eines Vortrages gekommen. Keiner schöpft offenbar Verdacht. Bis kurze Zeit später die ersten Schüsse fallen und der tödliche Amoklauf beginnt, bei dem mindestens zehn Kinder und Jugendliche sterben.

Wellington geht in den dritten Stock des Gebäudes. Dann tritt er in ein Klassenzimmer ein, in dem sich schätzungsweise 40 Schüler aufhalten. Er eröffnet das Feuer und schießt nach Polizeiangaben aus zwei Revolvern, die er nachladen muss. “Er fing an zu schießen. Ich habe mich hingehockt. Dann sah ich, wie meine Freundin getroffen wurde“, berichtete eine 12-jährige Schülerin. “Er hat meine Freundin in meinem Klassenzimmer getötet.“

Neun Mädchen und ein Junge kommen ums Leben. Auch der Täter stirbt, ob nun von eigener Hand oder durch die Kugel eines Polizisten, ist noch nicht völlig geklärt. Viele Kinder liefen in Panik auf die Straße. “Sie kamen zu uns und wir haben sie erstmal versteckt“, sagte ein Nachbar, der in unmittelbarer Nähe der Schule wohnt. Am Tatort in dem in Rios Westzone gelegenen Stadtteil Realengo spielen sich erschütternde Szene ab. Eltern suchen ihre Kinder. Viele schreien und weinen. Hunderte Menschen drängen sich dicht an dicht vor dem Gebäude.

Der Täter hinterlässt einen Abschiedsbrief, in dem er nach Polizeiangaben seinen Selbstmord nach der Tragödie ankündigt. Zudem teilte ein Stadtbeamter mit, dass der Amokläufer HIV-positiv gewesen sei. Auch das gehe aus dem Schreiben hervor, das von einem Polizisten insgesamt als ziemlich wirr beschrieben wird. Die Tat stürzte Brasilien in einen Schockzustand. Das Land kennt solche Amokläufe nicht. Einige Politiker sprachen von “Terrorismus“ und Bildungsminister Fernando Haddad von einer “beispiellosen Tragödie“.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff war am Donnerstag auf einer Unternehmensveranstaltung, als sie die Nachricht erreichte. Völlig fassungslos nahm sie die Botschaft auf. Sie forderte die anwesenden Unternehmer mit brüchiger Stimme und unter Tränen zu einer Schweigeminute auf. “Verbrechen solcher Art sind nicht charakteristisch für unser Land“, sagte sie. Die Schweigeminute sei zum Gedenken an die “Brasileirinhos“ (kleine Brasilianer), die so früh aus dem Leben gezogen worden sein.

dapd/dapd

Rubriklistenbild: © ap

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