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Novavax und Valneva: Stiko-Experte weist auf wichtigen Unterschied hin und hat entscheidenden Rat

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Von: Franziska Schwarz

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Die Palette der Covid-19-Vakzine in der EU wächst. Novavax ist bereits bedingt zugelassen, Valneva soll kommen. Ob beides Totimpfstoffe sind, darüber kann man streiten.

München - Die Debatte war deutlich schneller da als die Impfstoffe selbst. Wem mRNA-oder Vektorvakzine nicht „klassisch“ genug sind, dem stehen nun mit Novavax* und Valneva zwei Totimpfstoffe gegen Corona* in Aussicht. Das war an den vergangenen Feiertagen sicher auch in vielen deutschen Haushalten ein Thema. Auch, wenn Karl Lauterbach bereits Mitte Dezember auf Twitter darauf hinwies, dass es nicht ganz richtig sei, Novavax als Totimpfstoff zu bezeichnen.

Dem SPD*-Gesundheitsminister ist es wichtig zu unterscheiden, dass es sich bei Novavax um einen „rekombinierten Proteinimpfstoff“ handelt. Aber könnte das einen Unterschied machen? Erhellend ist dazu ein Gespräch der Apotheken Umschau (Dezemberausgabe) mit Stiko-Mitglied Professor Christian Bogdan. Nach der Lektüre hat man noch den Begriff „Ganzvirusimpfstoff“ im Repertoire.

Um einen solchen handelt es sich bei Valneva. Er enthält das komplette Sars-CoV-2-Virus - natürlich inaktiviert (abgetötet). Somit ein klassischer Totimpfstoff. Novavax hingegen enthält das (gentechnisch hergestellte) Spike-Protein des Erregers. Weil sich dieses auf der Oberfläche des Virus befindet, kann es direkt von Antikörpern „gesehen“ werden, ordnete Bogdan die Wirkweise ein.

Corona-Totimpfstoff von Valneva
Der Corona-Totimpfstoff von Valneva weckt große Erwartungen. © Justin Tallis/AFP

Stiko-Experte zu Novovax und Valneva: „Studiendaten abwarten“

Ist ein Vergleich von Novavax und Valneva also überhaupt sinnvoll? „Im Vergleich zu den Impfstoffen, die nur auf das Spike-Protein abzielen, löst ein Ganzvirusimpfstoff eine breitere Immunantwort aus“, sagte Bogdan dazu der Apotheken Umschau, denn sie richte sich dann auch gegen weitere Virusbestandteile zum Beispiel im Inneren des Erregers.

Bogdan hält daher eine breitere Immunantwort für möglich - theoretisch. „Ob das dann am Ende des Tages wirklich einen besseren Schutz vor der Erkrankung vermittelt, müssen die klinischen Studiendaten und Post-Marketing-Untersuchungen zeigen“, schränkte er ein. Auch bei der Omikron-Variante müsse man auf Studien warten.

Totimpfstoffe: Experten verwenden Begriff uneinheitlich

Der Begriff „Totimpfstoffe“ wird insgesamt von Experten uneinheitlich verwendet. Das Robert Koch-Institut (RKI)* etwa erklärte, da das Mittel von Novavax keine vermehrungsfähigen Viren enthalte, könne es „mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden“. Diese breit gefasste Definition umfasst aber auch die mRNA- und Vektorimpfstoffe wie die von Biontech* oder Astrazeneca.

Das Bundesforschungsministerium* fasst den Totimpfstoff-Begriff enger und zählt dazu solche Vakzine, die Bestandteile des Erregers enthalten. Novavax würde also dazugehören. Nach der noch engeren Definition allerdings nicht, denn es enthält weder das tatsächliche Virus, noch Teile davon - sein Spike-Protein ist ja gentechnisch hergestellt.

Aber macht das nun etwas? Professor Bogdan warnt vor voreiligen Schlüssen: „Man kann jetzt nicht, weil hier ein klassisches Impfstoffkonzept benutzt wurde, a priori annehmen, dass dieser Impfstoff wirksamer oder sicherer wäre“, sagte er der Apotheken Umschau. Auf Valneva „warten“ (Novavax ist in der EU bereits zugelassen) solle man auch im eigenen Interesse nicht, sondern sich „schleunigst“ impfen lassen. (frs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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