Regierung erteilt Freigabe

Tschechen dürfen wieder Schnaps kaufen

Prag - Nach 26 Toten durch gepanschten Alkohol zog die tschechische Regierung die Notbremse. Nun lockert sie ihr Verkaufsverbot für Schnaps wieder, mahnt aber weiter zu besonderer Vorsicht.

Tschechien hat den Verkauf von Schnaps mit Einschränkungen wieder freigegeben. Gesundheitsminister Leos Heger verkündete die Lockerung der bestehenden Notmaßnahmen am Donnerstag im Fernsehen. Harter Alkohol, der vor dem 1. Januar 2012 hergestellt wurde, darf in Geschäften und Gaststätten angeboten werden. Dasselbe gilt für fabrikneue Flaschen, die mit einem roten Steuersiegel markiert und mit einem Herkunftsnachweis versehen sind.

Produkte, die diese Kriterien erfüllen, dürfen auch nach Deutschland exportiert werden. Tschechien hatte den Schnapsverkauf vor fast zwei Wochen wegen einer Vergiftungsserie gestoppt. Nach Angaben von Branchenvertretern können nun rund 7 Millionen Flaschen sofort wieder in die Regale geräumt werden. Zugleich bleiben damit weitere rund 13 Millionen Flaschen vorerst gesperrt.

In der Prager Cocktail-Bar „La Bodeguita Del Medio“ wartete man am Nachmittag auf eine Lieferung mit neuen Spirituosen. „Wir sind sehr erfreut, denn wir hatten 30 bis 50 Prozent unseres Umsatzes verloren“, sagte Mitarbeiterin Andrea Karlova. Viele Besucher seien wegen des Schnapsverbots ausgeblieben.

Unterdessen meldeten Ärzte in der Region um Ostrau (Ostrava) zwei neue Vergiftungsfälle durch Pansch-Alkohol. Mindestens 26 Menschen sind bereits an Spirituosen gestorben, die mit dem giftigen Alkohol Methanol gestreckt waren. Dieser führt in hoher Dosis zu Vergiftungen bis hin zu Erblindung oder Tod. Im Nachbarland Polen wurde der Tod eines Mannes an einer Methanol-Vergiftung bestätigt. Er soll Schnaps aus Tschechien getrunken haben.

Die Behörden mahnten weiter zur Vorsicht und warnten eindringlich vor dem Genuss von Spirituosen unklarer Herkunft. „Wir bitten alle, die Situation ernst zu nehmen“, betonte Agrarminister Petr Bendl. Bereits angebrochene Flaschen in Kneipen und Restaurants stellen nach Meinung von Gesundheitsminister Heger ein Risiko dar. Laut einer früheren Schätzung der Polizei könnten Ende August bis zu 15 000 Liter vergifteter Schnaps in Umlauf gekommen sein.

Die mutmaßlichen Hersteller des gefährlichen Methanol-Ethanol-Gemischs waren am Wochenende gefasst worden. Sie sollen die hochgiftige Flüssigkeit an ein Netz illegaler Abfüller weiterverkauft haben. Der Hauptverdächtige legte nach Angaben der Polizei ein umfangreiches Geständnis ab.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd (Symbolbild)

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