„Erlebt man sonst nur im Fernsehen“

Irrer Zufallsfund: Bauarbeiter wollen Wasserschaden reparieren - und entdecken Bankräuber-Tunnel

Von Bankräubern in Spengen gegrabener Tunnel
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Verbrecher wollten mithilfe dieses Tunnels eine Bank ausrauben.

Eigentlich wollten Bauarbeiter einen Wasserschaden reparieren. Stattdessen kamen sie einem geplanten Bankraub auf die Schliche.

Spenge - Was klingt wie sonst nur in einem Kriminalfilm, hat sich tatsächlich in Nordrhein-Westfalen zugetragen: In der Gemeinde Spenge im Landkreis Herford haben Ganoven versucht, mithilfe eines Tunnels eine Bank auszurauben. Bevor es aber so weit kam, flog ihr Plan jedoch am vergangenen Dienstag (18. Mai) auf. Aus reinem Zufall.

Laut dpa sollten sich Bauarbeiter eigentlich um abgesunkene Pflastersteine an der Einfahrt zum Parkplatz bei der Volksbank-Filiale kümmern. Schon Ende vergangener Woche waren den Bankmitarbeitern mehrere abgesackte Bodenelemente aufgefallen. Da es in den folgenden Tagen immer mehr wurden, beauftragte die Bank schließlich eine Baufirma zur Reparatur. Die Fachleute gingen zunächst von einem Wasserschaden aus.

Bauarbeiter stoßen statt auf Wasserschaden auf fast acht Meter langen Tunnel

Als die Bauarbeiter dann loslegten, fanden sie in in zwei Metern Tiefe mehrere Holzplatten. Darunter: ein Tunnel. Die Bauarbeiter verständigten daher am Dienstagnachmittag gegen 14.30 Uhr die örtliche Polizei. Die Beamten riefen dann die Kriminalpolizei hinzu. Der Tunnel betrug eine Länge zwischen sieben und acht Metern und war mit Holzplanken abgestützt. Ob der Tunnel bereits komplett bis unter die Bankfiliale führte, konnte bisher nicht ermittelt werden. Bisher gebe es dort jedoch keinen direkten Zugang zum Bankgebäude.

Doch den Kriminalbeamten war klar: An diesem Tunnel wurde schon eine ganze Weile gearbeitet. Sie kletterten in den Tunnel und stellten fest, dass er geradewegs unter die Bank führe. Der Anfang des Tunnels befand sich auf der anderen Seite unter einem Trafohäuschen. Wegen der Einbruchsgefahr seien die Beamten jedoch noch nicht weiter in den Tunnel hineingegangen.

Tunnel in Spenge: Bankmitarbeiter vermutet, dass die Täter an Pfingsten die Bank ausrauben wollten

Die Polizei stellte an dem Trafohäuschen fest, dass das Schloss des Gebäudes neu war. Daher wird vermutet, dass die Ganoven es ausgewechselt hatten, um nicht bei ihrem Plan gestört zu werden. Die Trafohäuschen werden allgemein eher selten von den Stromnetzbetreibern besucht.

Auch die Mitarbeiter der Volksbank in Spengen waren mehr als überrascht: „So etwas erlebt man sonst nur im Fernsehen. Das ist Wahnsinn“, sagte Volksbank-Mitarbeiter Volker Stein laut der Neuen Westfälischen. „Vielleicht hatten die Täter vor, Pfingsten in Ruhe in die Bank zu gelangen“ vermutet er.

Volksbank macht klar, dass sich ein Einbruch in die Bank ohnehin nicht lohne

Doch der Sprecher der Volksbank Herford-Mindener Land, der unter anderem für die Filiale in Spengen zuständig ist, machte ebenso klar, dass die Bankräuber ohnehin keine allzu großen Erfolgsaussichten gehabt hätten. Denn die Filialen seien grundsätzlich gut gegen Einbruch und Vandalismus abgesichert, zudem seien keine größeren Bargeldmengen in der Filiale in Spenge gelagert.

Am vergangenen Mittwoch kamen zusätzlich Spurenexperten des Polizeipräsidiums in Bielefeld hinzu, um weitere offene Fragen zu klären. So sei bisher noch ein Rätsel, was mit all der Erde, die beim Graben weggeschaufelt wurde, passiert sei. Auch von den Tätern selbst fehle bisher jede Spur. Immer wieder versuchen Verbrecher an das Geld von Banken zu gelangen. So gab es bereits Anfang des Jahres mehrere Überfälle auf Geldtransporter in Berlin. Erst vergangenen Monat hatte in Hessen ein junger Mann eine Bank ausgeraubt.

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