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tz-Aktion für Unicef: Der Kampf eines jungen Helden

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Von: Dorit Caspary

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Port-au-Prince - Erdbeben, Hurrikan und Cholera: In Haiti stehen die Menschen vor dem Nichts. Die tz und Unicef helfen: unsere große Serie.

Jacmel gehört zu den schönsten Orten in Haiti. Sandstrände, wie sie sich für die Karibik gehören, Straßen mit bunten Ständen, sogar eine neue Brücke über den breiten Fluss gibt es. Finanziert mit Hilfsgeldern. Selbst Hotels mit Restaurants finden sich entlang der Küste im Süden des Landes, drei Autostunden von der Hauptstadt Port au Prince entfernt. Viele kreative Köpfe aus Amerika, Kanada und Europa haben sich hier niedergelassen.

Das ist die eine Seite von Jacmel. Die andere ist nicht so schön, vermüllte Seitengassen, Wellblechhütten. Hurrikan Matthew hat Haitis viertgrößte Stadt verschont, nur mit seinen Ausläufern gestreift. Sonst hätte Eldyl vermutlich auch kein Dach mehr über dem Kopf.

Der 14-Jährige ist einer der vielen kleinen Helden, die wir

Unicef
Zu Hause bei Eldyls Familie. © Maxence Bradley

während unserer Reise durch Haiti getroffen haben. Er lebt mit seinem Vater, seiner Schwester und seinem Bruder in der Nähe des Flusses. Es gibt nur einen einzigen Plastikstuhl mit abgebrochener Lehne in der Hütte. Der ist für Eldyls Vater Edner (74) reserviert. Seit seinem Schlaganfall vor einem Jahr kann er kaum noch gehen, das linke Bein ist gelähmt. Immer wieder bekommt er Fieber. Zum Arzt kann er nicht – kein Geld. Die Mutter hat die Familie verlassen, lebt mit einem anderen Mann ein paar Straßen entfernt. Manchmal kommt Jolene (45) bei ihren Kindern vorbei und bringt Essen. „Aber oft sehen wir sie lange nicht“, erzählt Eldyl. Er kümmert sich fast jeden Tag darum, dass seine behinderte Schwester Erlande (12) und sein kleiner Bruder Exode (10) wenigstens eine Portion Reis oder Brot bekommen. Wann immer es geht, arbeitet Eldyl in der nahe gelegenen Bäckerei. Exode geht Mechanikern in der Gegend zur Hand. Dafür bekommt er immer wieder ein paar Cent. Eldyls Verdienst hängt davon ab, wie viele Säcke Mehl er zu Teig verarbeiten kann. An guten Tagen sind es elf Säcke. Für die Knochenarbeit bekommt er rund zwei Euro. Und meist ein paar verbrannte Brote, die niemand kaufen wollte. „Die nehme ich gerne, davon werden wir alle ein paar Tage satt und ich kann mit dem Geld die Schule bezahlen.“

Eldyl geht in die Grundschule – trotz seiner 14 Jahre. Denn nur,

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Zu Hause bei Eldyls Familie. © Maxence Bradley

wenn er genug verdient, kann er den Unterricht besuchen. Ca. 20 Euro kostet die Schule im Monat. „Ich versuche, so oft es geht hinzugehen, aber wenn meine Familie Hunger hat, muss ich arbeiten. Und wenn ich die Schulgebühren nicht bezahlen kann, schickt mich der Lehrer nach Hause.“ Deshalb besucht er noch die vierte Klasse. Zu viele Fehlzeiten. Er ist allerdings der Klassenbeste von 37 Schülern.

Das will er auch bleiben: „Nur wenn ich gut in der Schule bin, kann ich etwas aus meinem Leben machen. Ich würde gerne einmal Bauer werden. Mit einem eigenen Schwein und einem Feld.“

Unicef unterstützt den 14-Jährigen, hat mit dem Cine Institute

Unicef
Sie wohnt in einer Hütte, die sie aus Wellblechresten gebaut hat. © Maxence Bradley

einen Film über den tapferen Kerl aus Jacmel gedreht. Er ist Teil des Projekts Helden. „Wir haben eine interaktive Landkarte von Haiti auf der Webseite von Unicef Haiti gestartet und hoffen, diese irgendwann mit den Geschichten von Kindern wie Eldyl und all den vielen anderen Helden zu bevölkern“, erklärt Cornelia Walther, Leiterin der Kommunikationsabteilung von Unicef Haiti. „Haitis Kinder und Familien haben so viel Kraft und Mut, das muss gezeigt und verstanden werden.“

Durch die Videos finden sich zum Teil auch private Sponsoren, die die Kinder langfristig und direkt unterstützen. Eldyl hofft auch auf einen Paten. „Ich habe ein paar Telefonnummern von Leuten bekommen, die mir helfen wollen, ein Freund hat ein Telefon, da kann ich dann anrufen.“ Es sieht gerade gut aus für den starken Kerl und seinen Traum, sich einmal selbst versorgen zu können.

Dorit Caspary

So können Sie spenden

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion Hilfe für Haitis Kinder. Gemeinsam mit Unicef und Ihnen, liebe Leser, wollen wir die Familien beim Kampf gegen Cholera und die Kinder vor allem mit ganz konkreten Bildungsprojekten unterstützen, ihnen helfen, ein kleines Stück Kindheit in ihrer durch Naturkatastrophen zerstörten Welt zu geben. Zum Schluss noch ein Versprechen, das die tz und Unicef seit über 25 Jahren halten: Jeder Cent, den Sie spenden, kommt bei den Kindern an. Alle Verwaltungskosten werden aus anderen Töpfen gedeckt, so übernimmt beispielsweise der Münchner Telekommunikationsdienstleister multiConnect GmbH alle Gebühren für Ihre Telefonspende.

Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen oder möchten Sie selbst aktiv werden, eine Veranstaltung oder Spendensammlung für unsere Aktion organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail. tz-Redakteurin Dorit Caspary war in Haiti und hat dort Kinder und Unicef-Projekte besucht. Unsere Reporterin erreichen Sie unter Tel. 089/53 06-512 oder per E-Mail unter ­dorit.caspary@tz.de.

Spenden und gewinnen!

Sie möchten per Überweisung spenden? Bitte geben Sie bei Ihrer Überweisung das Stichwort Haiti an. Bei Spenden bis 200 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie von Unicef automatisch eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Bitte geben Sie im Feld „Verwendungszweck“ unbedingt Namen und Adresse an. Empfänger ist Unicef. Sie möchten online bei Unicef spenden? Unter www.tz.de/unicef finden Sie den direkten Zugang zu unseren Spendenkonten. 

Sie möchten per Telefon spenden? Mit einem Anruf unter der Nummer 089/44 33 34 44 spenden Sie ganz einfach einmalig zehn, 15 oder 30 Euro, die von Ihrer Telefonrechnung abgebucht werden. Bei einer Telefonspende gilt der Abbuchungsbeleg als Spendenbescheinigung. Sie möchten an der Verlosung teilnehmen? Wichtig: Bitte notieren Sie Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger, auf Ihrer Online-Überweisung oder geben Sie diese Daten bei Ihrem Spendenanruf an. Damit wir Sie erreichen können, falls das Los auf Sie fällt. Den Gewinner unseres BMW 116i ziehen wir nach Abschluss unserer Spendenaktion im Februar. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Spendenkonten

Commerzbank: IBAN: DE78 7008 0000 0326 900000 BIC: DRESDEFF700 

Stadtsparkasse München: IBAN: DE70 7015 0000 0000 263525 BIC: SSKMDEMM

BMW 116i für eine Spende von zehn Euro gewinnen

Besser geht’s doch nicht: Zehn Euro spenden und mit ein

BMW für UNICEF
BMW für UNICEF © Achim Schmidt

bisschen Glück ein Traumauto gewinnen. Unter allen Spendern, die mindestens zehn Euro auf eines unserer Unicef-Konten einzahlen (siehe oben), verlosen wir einen BMW 116i im Wert von rund 30.000 Euro. Der kompakte 109 PS starke 5-Türer wartet bereits in der BMW Niederlassung München (Foto: Niederlassungsleiter Peter Mey) auf seinen künftigen Besitzer. Falls Sie das sportlich moderne Modell Advantage mit neu gestalteter Frontpartie dort selbst in Augenschein nehmen möchten – am Frankfurter Ring 35 sind Sie jederzeit herzlich willkommen zum Probesitzen. Der Gewinner wird nach Abschluss unserer Weihnachtsaktion gezogen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wichtig: Bitte notieren Sie bei Ihrer Überweisung den vollständigen Namen und die Adresse, damit wir Sie im Gewinnfall benachrichtigen können. BMW und tz wünschen viel Glück.

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