Scharfschützen befreien entführten US-Kapitän

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Kapitän Richard Phillips (rechts) mit Frank Castellano (Kommandant der an der Befreiungsaktion beteiligten „USS Bainbridge").

Scharfschützen der US-Marine haben den amerikanischen Kapitän Richard Phillips fünf Tage nach seiner Entführung vor der Küste Somalias aus der Gewalt von Piraten befreit.

Bei der Kommandoaktion am Sonntag wurden drei Seeräuber getötet und einer gefangengenommen. Dem Kapitän selbst gehe es gut, teilte die Marine mit.

Riesen-Freude: US-Kapitän Phillips ist frei

Marine-Soldaten begrüßen Richard Phillips an Bord des Kriegsschiffes USS Bainbridge.
Marine-Soldaten begrüßen Richard Phillips an Bord des Kriegsschiffes USS Bainbridge. © AP
Richard Phillips (rechts) mit Lt. Cmdr. David Fowler, Offizier an Bord der USS Bainbridge.
Richard Phillips (rechts) mit Lt. Cmdr. David Fowler, Offizier an Bord der USS Bainbridge. © AP
Überwältigt vor Freude: John Reinhart, Boss der Reederei Maersk Line Ltd, bei einer Pressekonferenz.
Überwältigt vor Freude: John Reinhart, Boss der Reederei Maersk Line Ltd, bei einer Pressekonferenz. © AP
Kapitän Richard Phillips (rechts) mit Frank Castellano (Kommandant der an der Befreiungsaktion beteiligten „USS Bainbridge").
Kapitän Richard Phillips (rechts) mit Frank Castellano (Kommandant der an der Befreiungsaktion beteiligten „USS Bainbridge"). © dpa
"Kapitän Phillips ist gerettet und in Sicherheit": ein Schild verkündet in der Stadt Underhill,(US-Staat Vermont) die geglückte Rettungsaktion.
"Kapitän Phillips ist gerettet und in Sicherheit": ein Schild verkündet in der Stadt Underhill,(US-Staat Vermont) die geglückte Rettungsaktion.  © AP
Erleichtert: Ein Crew-Mitglied an Deck des Frachters "Maersk Alabama".
Erleichtert: Ein Crew-Mitglied an Deck des Frachters "Maersk Alabama". © AP
Erklärt, wie sehr sich Phillips' Angehörige freuen: Alison McColl, Sprecherin der Familie des Kapitäns.
Erklärt, wie sehr sich Phillips' Angehörige freuen: Alison McColl, Sprecherin der Familie des Kapitäns. © AP
Das Rettungsboot, mit dem die Piraten Richard Phillips entführt hatten.
Das Rettungsboot, mit dem die Piraten Richard Phillips entführt hatten.   © AP
Richard Phllips wurde an Bord des Kriegsschiffs "USS Boxer" gebracht.
Richard Phllips wurde an Bord des Kriegsschiffs "USS Boxer" gebracht. © AP
Die "Maersk-Alabama": Das Schiff von dem Kapitän Richard Phillips entführt worden war.
Die "Maersk-Alabama": Das Schiff von dem Kapitän Richard Phillips entführt worden war. © AP

Der 53-Jährige wurde auf das Kriegsschiff “ USS Boxer “ gebracht.

Obama genehmigte Befreiungsaktion

US-Präsident Barack Obama, der die Befreiungsaktion persönlich genehmigt hatte, pries den Mut des Geretteten.

Die vier Seeräuber hatten mit ihrer Geisel seit Mittwoch in einem Rettungsboot der “Maersk Alabama“ ausgeharrt, von der Phillips entführt worden war. Die das Seegebiet patrouillierende US-Marine verhinderte am Samstag, dass andere gekaperte Schiffe, darunter die deutsche “Hansa Stavanger“, den bedrängten Piraten zu Hilfe kommen konnten. Auch konnten die vier Entführer angesichts der Kriegsschiffe nicht mit ihrer Geisel an Land gelangen.

Dennoch hielt sich die US-Marine zunächst zurück, um das Leben des Kapitäns nicht zu gefährden. Über somalische Clanchefs wurden mit den Piraten Verhandlungen aufgenommen, die aber am Samstagabend scheiterten.

Vor seiner Befreiung befand sich Phillips nach Militärangaben in unmittelbarer Lebensgefahr. Der Kommandeur des vor Ort patrouillierenden Kriegsschiffes “USS Bainbridge“ habe deshalb “binnen des Bruchteils einer Sekunde“ die Entscheidung getroffen, auf die Piraten zu schießen, erklärte Vize-Admiral Bill Gortney vom Zentralkommando der Marine am Sonntagabend. Dafür hätten auch klare Richtlinien aus dem Weißen Haus vorgelegen.

Gortney zufolge drohten die vier Piraten die ganze Zeit über mit der Ermordung Phillips'. Sie hätten dem 53-Jährigen immer wieder ihre Sturmgewehre vom Typ AK-47 sowie ihre Pistolen an den Kopf gehalten. Auch sei er nach dem Scheitern eines Fluchtversuchs vom Freitag zumeist gefesselt gewesen.

Für die Freilassung des Kapitäns hätten die Piraten ein Lösegeld gefordert, fügte Gortney hinzu.

Feuergefecht dauerte mehrere Minuten

Bei der Befreiungsaktion kam es zu einem mehrminütigen Feuergefecht, bei dem der Kapitän nach Angaben der Marine aber unversehrt blieb.

Der vierte Pirat ergab sich, er befand sich am Sonntagabend in US-Militärgewahrsam. Ein Beamter der Bundespolizei FBI erklärte jedoch, er werde wohl eher vor ein ziviles Strafgericht gestellt. Der Fall werde aber noch geprüft. Die Befreiung der Geisel könnte nach Einschätzung Gortneys zu einer Eskalation der Gewalt in der Region führen. Gesinnungsgenossen der Piraten kündigten bereits Vergeltung an.

Obama lobte die erfolgreiche Militäraktion sowie den Mut des Kapitäns. Er sei “ein Vorbild für alle Amerikaner“. Obama betonte, die USA seien entschlossen, der Piraterie in der Region ein Ende zu bereiten. Es war das erste Mal, dass Obama öffentlich zu der Entführung Stellung nahm. Aus dem Weißen Haus verlautete, Obama habe sich bewusst zurückgehalten, so lange Phillips in der Gewalt der Piraten war, um dessen Leben nicht zu gefährden.

Kapitän als Held gefeiert

Die Mannschaft von Phillips brach in Jubelrufe aus, als sie von der Befreiung ihres Kapitäns hörte. Die 19 Besatzungsmitglieder des Frachters “Maersk Alabama“ waren am Samstagabend sicher im kenianischen Hafen Mombasa eingetroffen. Sie feierten Phillips als Helden. “Er hat unser Leben gerettet“, sagte ein Matrose. Demnach wies der Kapitän die Mannschaft bei dem Piratenüberfall an, sich in Sicherheit zu bringen und einzuschließen. Dann habe er sich den somalischen Seeräubern ergeben, um seine Männer zu retten.

Von Lara Jakes, AP

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