Papst Franziskus eröffnet das Heilige Jahr

tz-Interview mit Singhammer: Botschaft des Papstes ist radikal

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Papst Franzsikus ist seit 2013 das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Rom - Papst Franziskus öffnet am Dienstag – im Beisein von Papst Benedikt die Heilige Pforte in Rom. 15 Jahre nachdem Papst Johannes Paul II. mit einem Heiligen Jahr das dritte Jahrtausend einläutete.

Es wird ein Moment der Stille und Einkehr sein, wenn Papst Franziskus heute um 9.30 Uhr im Petersdom die Heilige Pforte öffnet, das heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt und der Heilige Vater als erster Pilger diese Pforte durchschreiten wird. Turnusgemäß gibt es nur alle 25 Jahre ein Heiliges Jahr, aber Franziskus überrascht auch in diesem Punkt die Gläubigen. Der Grund für den außerplanmäßigen Zeitpunkt, ist sein Wunsch, eine neue Etappe in der Kirche einzuleiten. Und zwar auf ganz besondere Art. Denn anders als bisher wird das Heilige Jahr nicht nur in Rom gefeiert, sondern in jeder Diözese werden Heilige Pforten geöffnet – auch in Bayern (siehe rechts)! Hier die Eckpunkte zu diesem ganz besonderen Ereignis.

n Warum Barmherzigkeit als Motto des Heiligen Jahres? Der Papst meint, dass wir uns in einem dritten Weltkrieg befinden, in dem viele Nationen auf kriegerische Mittel als Lösung setzen. Dem hält er entgegen, sich auf Barmherzigkeit zu besinnen, so Kapuzinerpater Helmut Rakowski, der bei der Vorbereitung des Heiligen Jahres mitwirkte.

  • Wann gab es zum ersten Mal ein Heiliges Jahr? Im Jahr 1300 – ausgerufen von Papst Bonifatius VIII. Ursprünglich als Jahrhundertereignis gedacht, wurde es zunächst alle 50, dann alle 33 Jahre widerholt. Den 25-Jahre-Rhythmus gibt es seit 1470. Ausnahme war z. B. 2008 – zum 2000. Geburtstag des Apostels Paulus.´
  • Eine Besonderheiten des Heiligen Jahres ist der Ablass – was bedeutet das heute? Für Pater Rakoski steht der Ablass als Synonym für die Gnade Gottes, die Möglichkeit eines Neuanfangs.
  • Wie wird die Heilige Pforte geöffnet? Vor 2000 benutzte der Papst einen Hammer, um an die Pforte zu klopfen und jene zu öffnen. Nachdem Papst Paul VI. fast von einem Ziegel getroffen wurde, wird die Mauer nun schon vorab abgetragen.
  • Wird Papst Benedikt bei der Öffnung der Heiligen Pforte dabei sein? Ja, Franziskus hatten seinen 88-jährigen Vorgänger ausdrücklich eingeladen.
  • Welche Höhepunkt bietet der feierliche Akt noch? Es werden Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, das exakt vor 50 Jahren zu Ende ging, vorgelesen. Ab 19 Uhr gibt es eine einstündige Lichtshow, die zweimal wiederholt wird. Dabei werden Bilder auf die Fassade des Petersdoms projiziert. Für die TV-Übertragung setzt Radio Vatikan dabei übrigens auf den Rat von Regisseur Wim Wenders. 
  • Gibt es besondere Sicherheitsvorkehrungen? 2250 Soldaten und 1000 zusätzliche Polizisten schützen Rom. Seit Sonntag und noch bis Mittwoch sind Waffen- und Munitionstransporte sowie Feuerwerke verboten. Heute darf die Stadt zwischen sechs und 22 Uhr nicht überflogen werden. 
  • Wie viele Besucher werden erwartet? Bis zum Ende des Heiligen Jahres am 20. November 2016 rechnet man 33 Millionen Pilgern.

Botschaft des Papstes ist radikal

CSU-Politiker Johannes Singhammer.

Wenn heute in Rom das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt, dann sind auch sechs Bundestagsabgeordnete dabei, darunter der Münchner CSU-Politiker Johannes Singhammer (62). Die tz erreichte ihn auf dem Weg zum Petersplatz.

Herr Singhammer, wie ist die Stimmung in Rom?

Singhammer: Sichtbar sind vor allem hohe Sicherheitsvorkehrungen. Man sieht aber auch, dass die Menschen in froher Erwartung sind …

Wie sieht Ihr Programm aus? 

Singhammer: Wir haben erst Gespräche mit Kurienvertretern im Vatikan, dann sind wir auf dem Petersplatz bei der Öffnung der Heiligen Pforte dabei.

Um was geht es bei den Gesprächen? 

Singhammer: Enger Kontakt zum Vatikan ist wichtig, denn die Kirche ist ja weltweit vertreten und verfügt über viele Informationen. Außerdem steht das Heilige Jahr unter dem Motto Barmherzigkeit. Wer die Kriege, die Vertreibungen und Flucht sieht, der kommt nicht umhin zu sagen: Es ist dringend angebracht, darüber nachzudenken, wie man Unfrieden und Krieg für Frieden beseitigen kann.

Die CSU fordert Obergrenzen für Flüchtling? Denken Sie, der Papst würde das gutheißen?

Singhammer: Ich vermute mal, dass sich der Papst zu innenpolitischen Themen so explizit nicht äußern würde. Aber wir kennen seine Haltung. Er fordert Barmherzigkeit gegenüber Flüchtlingen. Aber er lässt der Politik auch den Freiraum, das zu tun, was notwendig ist.

Beim Gang durch die Heilige Pforte werden einem die Sünden erlassen. Ist das für Sie persönlich wichtig?

Singhammer: Auf jeden Fall. Das ist sicher für jeden Christen von Bedeutung. Aber auch für viele Nichtchristen wird das heute – wenn sich die Heilige Pforte öffnet – ein sehr anrührender Moment sein, weil dadurch ja eine universale Botschaft verkündet wird, die mit dem Frieden zu tun hat, den wir alle ganz dringend brauchen.

Wie erleben Sie Papst Franziskus bisher?

Singhammer: Sehr offen.

Zu radikal?

Singhammer: Die Botschaft, die er verkündet, ist radikal. Auch Barmherzigkeit ist radikal. Aber bei uns wird ja vielfach Erfolg oder Durchsetzungsfähigkeit als Glücksmoment dargestellt. Barmherzigkeit ist ja das glatte Gegenteil davon.

Wie schwierig ist es, Christ und Abgeordneter zu sein, und das unter einen Hut zu bringen?

Singhammer: Franz Josef Strauß hat einmal gesagt: Es wäre vermessen, christliche Politik gestalten zu wollen. Der Anspruch sei viel zu hoch. Es ist aber sehr wohl notwendig, Politik aus christlicher Verantwortung gestalten zu wollen.

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