tz-Reporter besuchte Van kurz vor dem Erdbeben

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tz-Reporter Klaus Rimpel (l.) vor dem Atatürk-Denkmal im Zentrum von Van. Jetzt ist die Stadt eine Trümmermeer.

Van - Vor zwei Wochen erst besuchte tz-Reporter Klaus Rimpel die aufstrebende türkische Metropole Van. Um so erschütternder ist es für ihn, die Stadt jetzt nur noch als Trümmerfeld zu sehen.

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Die bunten Ballons hängen wie zum Hohn noch immer an den Geschäftsgebäuden im Zentrum von Van. Doch rundherum liegt alles in Trümmern … Es ist ein beklemmendes Gefühl, die Stadt, die ich vor zwei Wochen noch als pulsierende, aufstrebende Metropole erlebte, nun in den TV-Nachrichten wiederzusehen: als Ort, wo verzweifelte Menschen weinend am Boden knien und nach ihren Angehörigen rufen. Als Hölle, in der Männer mit bloßen Händen nach ihren Kindern graben – und oft nur noch Leichen aus dem Schutt ziehen können.

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Das türkische General­konsulat hatte vor zwei Wochen rund 30 Journalisten aus 20 Ländern wie Russland, Iran, Saudi-Arabien oder Frankreich ins osttürkische Van eingeladen, um der Welt vorzuführen: Die Region rund um den Van-See, den größten See der Türkei, ist wieder sicher – auch für Touristen.

Seit 2002 der Ausnahme­zustand im Kurdengebiet in Ostanatolien aufgehoben wurde, erlebt diese karge Region an der Grenze zum Iran und zu Armenien einen deutlichen Aufschwung. Die Provinzhauptstadt Van verdoppelte ihre Einwohnerzahl binnen zehn Jahren auf rund 400 000. Viele Menschen flohen vor den Kämpfen zwischen türkischer Armee und der kurdischen PKK an der Grenze zum Irak ins sicherere Van. Aber auch viele Iraner flohen ins türkische Kurdengebiet – wie Also Amini, den wir in der Innenstadt von Van kennenlernten.

Amini, dessen Familie streng moslemisch ist, erschien vor fünf Jahren im Traum Jesus – und er konvertierte zum Ensetzen seines Vaters zum Christentum. Der iranische Gottesstaat verurteilte den 30-Jährigen wegen seines neuen Glaubens zum Tode.

Amini floh mit einem ebenfalls zum Christentum konvertierten Freund nach Van: „Hier bin ich frei! Hier kann ich ohne Angst in die Kirche gehen“, erzählte mir der Flüchtling vor zwei Wochen. Meine Versuche, den jungen Iraner gestern per Telefon zu erreichen, scheiterten – das Handynetz im Erdbebengebiet ist hoffnungslos überlastet. Ob sein neuer, christlicher Gott Amini beschützen konnte?

Überall in Van wurden neue, schmucke Wohnhäuser gebaut. Viele dieser Gebäude sind jetzt zusammengestürzt – die Naturkatastrophe hat die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft hier zunichte gemacht.

Besonders zu schaffen macht den Erdbebenopfern die Kälte: Van liegt auf 1700 Metern Höhe, schon vor zwei Wochen war es nachts bitterkalt – in den nächsten Tagen soll es sogar schneien. Für die vielen, die durch das Erdbeben obdachlos wurden, aber auch für die Helfer ist diese Kälte eine zusätzliche Qual.

Rund 270 Menschen wurden bislang tot aus den Trümmern geborgen. Aber es gibt auch glückliche Momente: Etwa, als der kleine Yunus (13) nach elf Stunden unter Trümmern lebend geborgen wird.

Spenden an: humedica e.V., Stichwort: „Erdbeben Türkei“, Konto 47 47, BLZ: 734 500 00

Klaus Rimpel

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