1. tz
  2. Welt

Flut-Katastrophe in Pakistan - Kinder sind „Krankheiten, Ertrinken und Unterernährung“ ausgesetzt

Erstellt:

Von: Victoria Krumbeck

Kommentare

Seit Wochen kämpfen die Menschen in Pakistan mit den Überschwemmungen. Doch der Regen hört nicht auf und die ersten Krankheiten breiten sich aus.

München - Die Wassermassen in Pakistan haben vielen Menschen ihre Existenz genommen. Es sind die stärksten Regenfälle seit mehr als drei Jahrzehnten. Etwa 33 Millionen Menschen sind von der Flut betroffen. Ein Drittel des Landes steht unter Wasser. Hunderttausende Häuser sind beschädigt. Mehr als 1.000 Menschen sind seit Juni ums Leben gekommen. Erwachsene und Kinder müssen teilweise in Notunterkünften ohne Zugang zu Toiletten und angemessenen sanitären Einrichtungen leben.

Überschwemmungen in Pakistan - Krankheits- und Sterberisiko hoch

In Pakistan herrscht Monsun-Zeit und Regen ist nichts Unübliches. Doch dieses Jahr ist der Regen besonders schlimm. „Zehn Mal stärker als üblich“ und führt seit Mitte Juni zu Überschwemmungen, wie die Europäische Weltraumagentur ESA erklärte. Die Auswertung von Satellitenbildern zeigten das Ausmaß. Ein riesiger neuer See entstand durch Hochwasser im Fluss Indus. Das Gewässer sei „Dutzende Kilometer breit“, erklärte die ESA. Die Wassermassen zerstörten über eine Million Häuser und Zigtausende Hektar Ackerland. Straßen und Brücken wurden weggespült und vielerorts gibt es keinen Strom mehr.

In Pakistan wüten schwere Monsunregenfälle. UN-Angaben zu Folge sind drei Millionen Kinder einem höheren Krankheitsrisiko ausgesetzt.
Ein Kind in einer überfluteten und vermüllten Straße. © stock&people/IMAGO

Bewohner aus entlegenen Dörfern riefen die Regierung auf, das „Elend so schnell wie möglich zu beenden“. Die Menschen in den betroffenen Gebieten benötigen dringend Hilfe. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF warnte am Mittwochabend, dass mehr als drei Millionen Kinder „einem erhöhten Risiko von durch Wasser übertragenen Krankheiten, Ertrinken und Unterernährung ausgesetzt“ seien. Schon jetzt wurden erste Fälle von Durchfall, Hautkrankheiten und Atemwegsinfektionen bekannt.

UN-Generalsekretär António Guterres kündigte für kommende Woche einen Besuch in dem zerstörten Land an. Die UN startete am Dienstag einen Spendenaufruf und bat die internationale Gemeinschaft um Nothilfen in Höhe von 160 Millionen Dollar. Nach Regierungsangaben benötigt Pakistan für den Wiederaufbau umgerechnet mehr als zehn Milliarden Euro.

Flut-Katastrophe in Pakistan - Südasien ist Hotspot der Klimakrise

Das Wasser steht im Land und niemand kann sagen, wie es abfließen kann. Die pakistanische Klimaministerin Sherry Rehman verglich das Land mit einem „vollgesogenen Schwamm“, der kein weiteres Wasser mehr aufnehmen könne. Die Diskussion über Ausgleichszahlungen von reichen Ländern an arme Staaten, die durch den Klimawandel besonders betroffen sind und hohe Schäden davon tragen, werden wieder lauter. „Südasien ist einer der Hotspots der globalen Klimakrise“, sagte Guterres. „Menschen, die in diesen Hotspots leben, sind 15 Mal gefährdeter, an Klimafolgen zu sterben“, erklärte er.

In Pakistan herrscht eine schwere Flut-Katastrophe. Mehr als 33 Millionen Menschen sind von den Wassermassen betroffen.
Ein Kind rette sich vor den Fluten auf das Dach eines Hauses. © Jan Ali Laghari/IMAGO

Eine neue Studie sieht das Risiko für schwere Monsunregen in der Region Pakistan als besonders hoch an. Bis zum Jahrhundertende könnte sich die Schwere der Monsunregen versechsfachen - auch wenn der weltweite Treibhausgasausstoß zurückgefahren wird. Länder, die wenig Treibhausgas ausstoßen oder zumindest historisch gesehen wenig zum Klimawandel beigetragen haben, leiden am stärksten unter den negativen Folgen. Das sagte Abel Munir. Er ist pakistanischer Botschafter in Südkorea und amtierender Vorsitzender der G77+China, der größten Gruppe von Entwicklungs- und Schwellenländern bei den Klimaverhandlungen.

Seit Jahren fordern Entwicklungs- und Schwellenländer bei den UN-Klimaverhandlungen einen „Loss and Damage“-Finanzierungsmechanismus. Die Industriestaaten haben den ärmeren Ländern zwar Milliardenzahlungen für den Klimaschutz und Maßnahmen zum Schutz vor klimabedingten Schäden zugesagt - doch bei den eintretenden Klimaschäden bleiben sie hartleibig. Bei der UN-Klimakonferenz, die Anfang November in Ägypten beginnt, soll das Thema erneut auf den Tisch gelegt werden. (vk/dpa/afp)

Auch interessant

Kommentare