Sex und Küssen ausgeschlossen

Umarmungen gegen Geld: Kuschelhaus eröffnet

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Das undatierte Handout des "Snuggle House" zeigt die Mitarbeiter des so genannten Kuschelhauses (l-r) Emily, Florence, Lonnie und Jennifer

Washington - Klingt verrucht, soll es aber gar nicht sein: In den USA soll ein offizielles "Kuschelhaus" eröffnen. Gegen Geld soll dort jeder in den Genuss einer innigen Umarmung kommen können.

Kuscheln als Dienstleistung: Ein amerikanischer Unternehmer hat jetzt das große Geschäft gewittert: In Madison im US-Staat Wisconsin soll ein offizielles „Kuschelhaus“ eröffnen. Mit fünf „professionellen Kuschlern“ sollen Kunden nach Herzenslust kuscheln, schmusen und reden können - gegen Bezahlung, versteht sich.

„Ich halte es für eine Notwendigkeit. Ich habe das Gefühl, es gibt heutzutage einfach nicht genug menschliche Verbindungen, mit all dieser Technologie, die uns meiner Meinung nach trennt“, sagt Gründer Matthew Hurtado der Nachrichtenagentur dpa zu dem Bedürfnis nach mehr Nähe.

Das Angebot für intimen, nicht-sexuellen Kontakt richte sich an alle, die „einfach in den Arm genommen werden wollen“, vor allem Ältere und Kranke, berichtet das Magazin „Time“. Menschlicher Kontakt produziere im Körper das Hormon Oxytocin, das sogenannte „Liebes-Hormon“, sagt Hurtado. Der Gewinn sei offensichtlich, man fühle sich dadurch sicherer und geborgen.

Das Kuscheln an sich muss dabei nicht unbedingt unter der Bettdecke stattfinden. „Wenn Du Dich einfach nur hinlegen und zusammenrollen willst, für ganz altmodisches Kuscheln, kannst Du das machen“, erklärt Lonnie Johnson, ein Mitarbeiter im Kuschelhaus, dem TV-Sender NBC. „Genauso gut können wir zusammensitzen und reden oder Du kannst an meiner Schulter weinen.“ Jegliche Art von sexuellem Kontakt sei aber völlig ausgeschlossen.

Im eher prüden Amerika, wo Körperkontakt mit Fremden oft als unangenehm gelten kann, hat die Idee nicht nur Befürworter. Die Staatsanwaltschaft von Madison ist skeptisch, ob es beim reinen Kuscheln bleiben wird. „Mein erster Gedanke war, dass das ein Ort für Prostitution sein könnte“, sagt Jennifer Zilavy, eine Staatsanwältin von Madison. Eine Passantin erklärt gegenüber NBC, die Idee habe ihr „Angst gemacht“ und sie frage sich, was dort wirklich vor sich gehe.

„Ich denke wir haben die Stadt überzeugt, dass es wirklich nur ein Kuschel-Unternehmen ist“, erklärt der Anwalt des Gründers, Timothy Casper. Das „Snuggle House“ sei ein einzigartiges Konzept, aber die Sicherheit der Kunden stehe an erster Stelle.

Gründer Hurtado versichert, dass der Hintergrund von Kunden und Kuschlern genau geprüft werde. So soll etwa geklärt werden, ob jemand als Sexualstraftäter verurteilt wurde. Zudem sollen die Regeln in Vorgespräche erklärt werden. In allen Räumen sorgen Kameras und Notruf-Knöpfe für zusätzliche Sicherheit.

Trotz aller Kritik scheint die Idee gut anzukommen. Beinahe 300 Kunden sollen sich laut Hurtado schon für die Sitzungen angemeldet haben. Auf die Kuschler-Jobs habe es 322 Bewerber gegeben. Die fünf besten hätten es ins Team geschafft, vier Frauen und ein Mann. Sie sollen nun ein zehnstündiges Trainingsprogramm durchlaufen, um auf alle möglichen Vorkommnisse rund um das Kuscheln vorbereitet zu sein - auch für den Fall, dass Kunden „mehr“ wollen.

Doch bislang konnten die Eigentümer der Staatsanwaltschaft noch keinen überzeugenden Geschäftsplan vorlegen, es fehlten wichtige Unterlagen. Die für Dienstag geplante Eröffnung wurde verschoben. Stattdessen soll nun ein letztes Treffen mit Vertretern der Stadt stattfinden. Die zeigen sich weiter skeptisch: „Meine Bedenken bleiben“, sagt Zilavy. Ob ab Mittwoch wirklich offiziell gekuschelt werden darf, steht noch lange nicht fest.

dpa

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