Joe Bells tragische Geschichte

Er lief für seinen toten Sohn - und starb dabei

Joe Bell starb mit 48 Jahren.

Denver - Eine unfassbar traurige Geschichte: Joe Bell, ein liebender Vater aus Oregon, lief gegen die Tragödie an, die seinem schwulen Sohn widerfahren war. Dabei starb er selbst.

Manchmal, da fühlt es sich im Leben so an, als würde es einige Menschen besonders hart treffen. Als hätten sie ein Abo auf das Unglück gebucht, so furchtbar und sarkastisch das auch klingt. Doch wenn man die Geschichte von Joe Bell und seiner Familie aus dem Osten von Oregon (USA) hört, über die die New York Times berichtet, kann man gar nicht anders als auf derartige Gedanken zu kommen. Einfach nur traurig.

Die Tragödie nahm bereits vor Monaten ihren Anfang, im Januar 2013. Damals erhängte sich Joe Bells Sohn Jadin mit einem Seil an einem Kinderspielplatz. Der Jugendliche war 15 Jahre alt und wusste, dass er schwul ist. Seine Klassenkameraden hänselten ihn, warfen Steine nach ihm und machten ihm das Leben zur Hölle. Jadin ertrug es nicht mehr und beschloss, sich das Leben zu nehmen.

Er lief quer durchs Land, um den Menschen von seinem toten Sohn zu erzählen

Seinem Vater zerriss es das Herz. Er überlegte, wie er selbst mit dem Schicksal seines Sohnes umgehen sollte, wie er damit weiterleben kann. "Er musste sich selbst heilen", erzählte ein Freund in einem Interview. Und Joe Bell fasste einen Entschluss: Er wollte quer durch das Land laufen und den Menschen von der Tragödie seinen Sohnes berichten. Die Route ging von Oregon nach New York City, der Stadt, von der sein Sohn Jadin geträumt hat. Eines Tages wollte er dort hin und als Designer oder Fotograf arbeiten. Jetzt war es das Ziel von Joe Bells Gedächtnis-Lauf.

Der 48-Jährige machte sich auf den Weg, sprach bei Motorrad-Rallyes und in College-Bars. Er wurde zu einem Star, Lokalzeitungen berichteten über ihn, bei Facebook sammelte er Fans für seinen "Walk of Change". Fast sechs Monate war Joe Bell unterwegs, immer zu Fuß, nie mit dem Auto - und er bewegte die Menschen. Es war sein Weg, mit der Trauer umzugehen. Er konnte nicht wissen, dass ihm selbst ein tragisches Schicksal bevor stand.

Dann passierte der furchtbare Unfall im Osten von Colorado: Joe Bell lief wie immer seinen "Walk of Change" auf der Straße. Die Knie schmerzten, aber er gab nicht auf. Da plötzlich ein Knall, Joe Bell fliegt in die Luft und wird tödlich verletzt.

Er wurde überfahren von einem Traktorfahrer, der am Steuer eingeschlafen war. Das berichtete die Polizei.

Eines steht für die zahlreichen Anhänger von Joe Bell fest: Jetzt gilt es, die Erinnerung an ihn zu bewahren. Und an seinen Sohn. Zwei Tragödien, so unglaublich eng miteinander verknüpft.

Kathrin Garbe

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