Er sah sie nach neun Monaten zum 1. Mal

Ich kämpfe für das Leben meiner Tochter

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Ahmed und seine Tochter Eva. Sie wurde in den Trümmern von Aleppo geboren.

Dohuk - Gemeinsam mit UNICEF bittet die tz um Spenden für Terror-Opfer im Irak. Heute berichten wir von Shari, die mit ihren Eltern in einem Rohbau in Dohuk haust.

Die Geschichte von Ahmed (24) liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch. Es geht um Vertreibung, Flucht, Liebe, Schmerz, Angst und die Hoffnung auf ein Happy End.

Ahmed ist Syrier und wächst in Aleppo auf. Schon zu Schulzeiten hinterfragt der Jugendliche das Regime in seinem Heimatland. Er engagiert sich für Menschenrechte. An der Uni lernt er seine spätere Frau Aisa kennen. Die beiden haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen sich für Freiheit und Frieden einsetzen. Ahmed kommt auf eine schwarze Liste der Regierung. Zu viele kritische Informationen hatte der Student übers Internet verbreitet. Weihnachten 2012 glaubt er trotz der Anschläge noch an eine glückliche Zukunft mit seiner Aisa. Die beiden heiraten. Die Zeiten werden immer härter, die beiden erleben, wie immer mehr Freunde einfach verschwinden. Auch Ahmed soll vom Geheimdienst verschleppt werden. In letzter Sekunde erreicht ihn eine Warnung. Mit falscher Identität will er mit Aisa aus Syrien ausreisen. Während in der Nähe ihrer Wohnung eine Chemiefabrik in die Luft fliegt, versucht das Paar aus Aleppo zu fliehen. 35 Menschen sterben bei dem Anschlag, Ahmed ist mitten drin, sieht, wie Freunde vor seinen Augen verbluten. Ahmed schreit Aisa an, das Paar trennt sich, Sie kommt bei ihren Eltern unter. Ahmed schafft es über die Berge in den Irak, versteckt sich bei kurdischen Freunden. „Drei Tage habe ich nichts von meiner Familie gehört, keiner wusste, ob sie noch lebt“, sagt der 24-Jährige. Dann kommt der erlösende Anruf: Alle sind wohlauf.

Für Aisa organisiert er in den nächsten Wochen einen Transport mit Verbündeten nach Erbil, in die Hauptstadt Kurdistans. Dort fallen sich die beiden überglücklich in die Arme. Sie scheinen es geschafft zu haben. Aisa wird schwanger und schwer krank. Ohne Versicherung, ohne Hilfe, ohne Wohnung – Ahmed bringt seine Frau zurück zur Grenze, sie eilt zu den Eltern. 15 Tage ist sie unterwegs nach Aleppo, wo sie ärztlich versorgt werden kann. Ahmed nimmt jeden Job an, arbeitet Tag und Nacht, um etwas anzusparen. Er will mit einem Freund ins sichere Griechenland ausreisen und dorthin seine Frau nachholen. Ahmed entschließt sich im letzten Moment anders, der Freund ertrinkt bei seinem Fluchtversuch.

Jeden Tag denkt Ahmed an seine Aisa, wie es wohl seinem ungeborenen Kind im Bauch geht.

Am 14. Dezember 2013 kommt Eva auf die Welt. Seine Frau ruft ihn überglücklich an, sagt aber: „Komm nicht, warte noch. Es ist zu gefährlich. Die töten dich sofort. Und Eva braucht einen Vater.“

Das Paar versucht über unzählige Wege, Aisa und die kleine Eva sicher nach Kurdistan zu bringen. Der IS schreitet immer weiter fort, die Situation verschärft sich von Tag zu Tag. Der hochgebildete Ahmed, der alle Sprachen der Region spricht, findet in der Zwischenzeit eine Arbeit bei Unicef. Er kümmert sich um syrische Landsleute, dokumentiert die Fälle von Menschenrechtsverletzungen und Gewalt, die Kindern zuteil wurde. Nur so können die Fälle vor die Gerichte gebracht werden.

Spendenkonten:

Commerzbank:

IBAN: DE78 7008 00000326 900000 BIC: DRESDEFF700

Stadtsparkasse München

IBAN: DE70 7015 00000000 263525

BIC: SSKMDEMM

Ahmed nutzt seine Beziehung und arrangiert, dass Aisa in den Irak reisen kann. Sie muss es nur bis zur Grenze schaffen. Am 22. September ist sie dort, mit Eva. Zwei Tage wartet sie in der Türkei ohne Essen, dann kommt ein Beamter und fragt nach ihrem Namen. „Jetzt wird alles gut“, denkt die junge Mutter. Statt zu ihrem Mann wird Aisa ins Gefängnis gebracht. Ihr Name war auf einer falschen Liste gelandet. Mit Hilfe vieler Freunde der UN bekommen sie Aisa in der Türkei frei, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie zurück nach Syrien geht. Ahmed kommt zur Grenze, er sieht seine Frau auf der anderen Seite, zum ersten Mal sein Kind. Er darf nicht zu ihr. Sie soll in einen Bus steigen, der sie zurückfährt. Die beiden weinen, schreien, wollen aufeinander zulaufen. Eine andere Beamtin hat Mitleid. Für zehn Minuten darf sich die kleine Familie in die Arme schließen. Dann müssen Aisa und Eva wieder gehen. Noch einmal aktiviert Ahmed alle Verbindungen, die er besitzt. Und am 28. September dieses Jahres durfte seine Familie offiziell in den Irak einreisen. „Es war der glücklichste Moment meines Lebens“, sagt Ahmed mit Tränen in den Augen.

„Jeden Tag spreche ich mit Flüchtlingen in den Lagern. Viele haben noch mehr Menschen verloren als ich, alle sind verzweifelt. Wir wissen nicht, wie es überhaupt weitergehen soll. Wir haben nichts mehr. In Syrien gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder du tötest oder du wirst getötet. Meine Sicherheit ist mir egal, aber nicht die meiner kleinen Eva.“

Dorit Caspary

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

Gegen den Wintertod

Deutschlands Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) schätzt die Lage der Flüchtlinge in Syrien und im Nordirak als dramatisch ein: „Millionen Menschen leben in der Region in nicht winterfesten Quartieren, in Zelten auf dem Boden.“ Deutschland könne den Tod dieser Menschen nicht verantworten.

„Kein Flüchtling darf den Wintertod sterben“, so Müller zur Passauer Neuen Presse. „Das wäre eine humanitäre Katastrophe, für die wir alle Verantwortung tragen.“ Besorgt zeigte sich Müller vor diesem Hintergrund über die Spendenbereitschaft, die „für die Syrienflüchtlinge nicht so hoch ist wie bei ähnlichen Katas-trophen.“ Wie Sie, liebe Leser, spenden können, lesen Sie in der Spalte links. Bereits ein Anruf bei unserer Spendenhotline genügt und zehn Euro gehen an die Kinder im Krisengebiet. Auch Unicef appelliert an die Hilfsbereitschaft der Menschen hier. Maria Calivis, Unicef-Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika: „Die Syrien-Krise ist weltweit die größte Bedrohung für Kinder. Trotz der enormen Herausforderungen setzen wir unsere Hilfe für Millionen von Kindern fort. Doch um allein für das Nötigste zu sorgen, brauchen wir dringend weiter Unterstützung.“

tz-Aktion für Unicef: Spenden Sie für Flüchtlingskinder

Erfahren Sie mehr über die Aktion der tz mit Unicef auf tz.de/unicef

Wie Sie spenden können, erfahren Sie hier! Und das Angenehme dabei: Sie können sogar einen 218i BMW Active Tourer gewinnen!

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