UNICEF-Bildungsinitiative

So gehen Flüchtlingskinder in die Schule

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Muntaha Abu Afech (57) unterrichtet sowohl syrische als auch libanesische Kinder seit drei Jahren in Doppelschichten.

Das Vorhaben ist ambitioniert: Alle 400 000 syrischen Flüchtlingskinder im Libanon sollen so schnell wie möglich zur Schule gehen können. Das geht vor allem mit Ihrer Hilfe.

Dieses Ziel, das Unicef nur mit Spendengeldern verwirklichen kann, ist bereits angelaufen. Die wichtigste Voraussetzung ist die Unterstützung der libanesischen Regierung, die eigenen Schulen für die Flüchtlinge zu öffnen.

Das ist passiert. Denn Unicef übernimmt die Schulgebühren für alle Kinder – auch für die einheimischen Schüler. So sparen die libanesischen Familien richtig Geld pro Kind. 140 Euro sind die jährlichen Gebühren für eine öffentliche Gesamtschule, die bis zur sechsten Klasse geht.

Wie kann ein Land wie der Libanon mit knapp 4,5 Millionen Einwohnern 400 000 zusätzliche Schulkinder aufnehmen? Der Schulbetrieb läuft seit drei Jahren in zwei Schichten. Zu Beginn des Projekts Back to school (siehe rechts) waren es nur einzelne Schulen. Seit September steigt die Zahl kontinuierlich an.

UNICEF: Schule in Schichten

Wir haben eine der Schulen, die von Anfang der Kampagne im Zweischichtbetrieb arbeitet, besucht. In der Schule in Bar Elias im Beeka-Tal lernen am Vormittag 873 Schüler, am Nachmittag sind es weitere 973. Jede Schicht hat eigentlich nur Platz für 750 Schüler, da aber viele Flüchtlingskinder nicht regelmäßig kommen – sie müssen arbeiten –, werden einige Plätze doppelt besetzt. Vor allem wenn in der Landwirtschaft von April bis September Hochsaison ist, können viele syrische Kinder nicht am Unterricht teilnehmen. „Deshalb machen manche Kinder zwei – oder dreimal die gleiche Klasse“, erklärt Schuldirektor Ehsan Araji (39). Das ist auch eine große Herausforderung für die Lehrer. „Wir haben innerhalb einer Klasse riesige Niveauunterschiede, die man ausgleichen muss.“

In den Klassen der Vormittagsschicht sind wie früher hauptsächlich libanesische Kinder. Die Klassen werden bis zu einer Größe von 30 Schülern mit Flüchtlingskindern aufgefüllt. Die müssen allerdings bestimmte Zeugnisse und Noten nachweisen. Nachmittags kommen ausschließlich syrische Kinder in die Schule.

65 Pädagogen sind angestellt

Vor dem Zweischicht-System haben in der Schule von Ehsan Araji zwischen 40 und 50 Lehrer unterrichtet. Jetzt sind es 65 Pädagogen. Nicht alle Lehrer arbeiten im Schichtbetrieb, aber immer mehr. Denn Lehrer verdienen im Schnitt 1100 Euro Im Monat. Pro zusätzlicher Stunde bekommen sie 12 Euro. Die Anzahl der Extrastunden ist pro Lehrer auf 20 pro Woche beschränkt. So beläuft sich der zusätzliche Verdienst auf 230 Euro. „Viele meiner Kollegen sind sehr froh über das Extrageld. 70 Prozent arbeiten schon in Doppelschichten.“

Vorteil des gemeinsamen Schulprojekts mit syrischen und libanesischen Kindern ist die gleiche arabische Sprache, in der der Unterricht stattfindet. „Wir haben auch syrische Kinder, die weiter als unsere eigenen sind“, erzählt Muntaha Abu Afech. Die Geografie-Lehrerin ist seit drei Jahren im Doppeldienst. „Wie lange wir das schaffen, ist fraglich. Schließlich sind wir für viele syrische Kinder viel mehr als nur Lehrer. Wir sind so was wie ihre Psychologen. Immer wieder kommen Erlebnisse aus ihrer Heimat zur Sprache, der Krieg mit all seinen Schrecken ist Thema im Unterricht.“

Muntaha Abu Afech ist oft von morgens um sieben bis abends um 19 Uhr in der Schule. Viele Stunden mehr, als sie bezahlt bekommt. Wer derzeit im Libanon in einer Schule arbeitet, ist einfach viel mehr als nur ein Lehrer.

tz-Stichwort: Back to School

Es ist eine der größten Bildungskampagnen, die je in so kurzer Zeit für so viele Kinder auf die Beine gestellt wurde. Back to school heißt das Unicef-Programm, mit dem 400 000 Flüchtlingskinder im Libanon letztendlich Zugang zum öffentlichen Schulsystem erhalten sollen. Und zwar bis Ende nächsten Jahres. Das Projekt, von dem auch die einheimischen Kinder profitieren, hat seinen Preis. Denn Unicef übernimmt für alle Kinder in den ersten sechs Klassen die jährliche Schulgebühr von 140 Euro je Kind. Knapp 200 Millionen Euro sind nötig, um die Back to school-Kampagne zu finanzieren.

70 Prozent aller Schulen machen schon mit. Für die Kinder, die zu weit von einer öffentlichen Einrichtung entfernt wohnen oder deren Eltern einen Schulbesuch verbieten, hat Unicef Bildungsangebote in den Kinderschutzentren ins Leben gerufen. Dort, in direkter Nähe der Flüchtlingslager, werden auch all die Kinder auf die Schule vorbereitet, die beispielsweise noch nicht lesen und schreiben können oder die so traumatisiert sind, dass sie bislang einfach noch keine normale Schule besuchen können.

Spenden Sie

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion Bei uns daheim ist Krieg – Kinder auf der Flucht. Wir helfen vor Ort. Der Erlös geht an die Kinder im Libanon, die durch den Krieg des IS in Syrien alles verloren haben – ihr Zuhause und ihre Zukunft – und trotzdem hoffen, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Gemeinsam mit Unicef und Ihnen, liebe Leser, wollen wir diese Kinder vor allem mit ganz konkreten Bildungs- und psychologischen Betreuungsprojekten unterstützen und ihnen so ein kleines Stück Normalität und Kindheit in ihrer zerstörten Welt geben. Aber vor allem: die Hoffnung auf ein friedliches Leben daheim in Syrien.

Zum Schluss noch ein Versprechen, das die tz und Unicef seit über 25 Jahren halten: Jeder Cent, den Sie spenden, kommt bei den Kindern an. Alle Verwaltungskosten werden aus anderen Töpfen gedeckt, so übernimmt beispielsweise der Münchner Telekommunikationsdienstleister multiConnect GmbH alle Gebühren für Ihre Telefonspende.

Die Spendenkonten

Commerzbank:

IBAN: DE78 7008 0000 0326 900000 BIC: DRESDEFF700

Stadtsparkasse München

IBAN: DE70 7015 0000 0000 263525

BIC: SSKMDEMM

Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen oder möchten Sie selbst aktiv werden, eine Veranstaltung oder Spendensammlung für unsere Aktion organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail. tz-Redakteurin Dorit Caspary war im Libanon, hat die Flüchtlingskinder besucht. Unsere Unicef-Reporterin erreichen Sie unter Tel. 089/53 06-512 oder per E-Mail unter ­dorit.caspary@tz.de.

DO

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