Der zähe Kampf um ein Visum

Deutsche Botschaft in Beirut: Anstehen für ein Stück Hoffnung

Beirut - Die deutsche Botschaft in Beirut ist für Tausende Syrer ein Ort der Hoffnung. Wer hier seinen Antrag stellen kann, ist der legalen Einreise in die Bundesrepublik ein Stückchen näher gekommen.

Früher waren Rüdiger Wozniak und eine Kollegin zuständig, die 5000 Visa-Anträge im Jahr zu bearbeiten. Inzwischen sind es acht Spezialisten in Doppelschichten, die pro Monat 3500 Anträge auf den Tisch bekommen. Konkret heißt das: 160 Termine am Tag werden vergeben. Und die Schlangen vor der Botschaft werden immer länger. Das gilt auch für die Bearbeitungszeit. Um die zwei Wochen dauert das Verfahren für ein Schengen-Visum, etwas länger für Studenten oder Familiennachzug.

Von hier aus soll die Reise nach Deutschland gehen. Das zeigt uns der Botschaftsmitarbeiter Jean-Pierre Hofmann.

„Die Menschen, die bei uns hier sitzen, haben alle Schicksale“, erzählt einer der Mitarbeiter der Botschaft. Er will nicht genannt werden. Das sei aber nicht das entscheidende Kriterium, ob jemand ein Visum bekommt oder nicht. Die Vorgaben sind klar: Familienzusammenführungen haben oberste Priorität. Hier wie bei allem anderen auch gelten strenge Richtlinien. So müssen Studenten nachweisen, dass sie in der Lage sind, ihren Unterhalt in Deutschland zu bestreiten. Hierfür muss ein Bürge benannt oder ein Guthaben von 8000 Euro auf einem deutschen Konto nachgewiesen werden. Außerdem müssen die Gründe für den Aufenthalt plausibel nachgewiesen werden. Zum Beispiel ein Aufbaustudium. Kommt ein 40-jähriger Ingenieur und möchte ein Medizinstudium draufsetzen, wird der Antrag vermutlich abgelehnt. Unabhängig von der familiären Situation. Wer als Student nach Deutschland darf, das entscheidet nicht die Botschaft allein, sondern auch die Behörden in Deutschland.

Trotzdem versuchen noch immer Syrer, deren Ansinnen auch aussichtslos sein mag, einen Termin bei der deutschen diplomatischen Vertretung zu bekommen. Die deutsche Botschaft in Damaskus ist seit 2012 geschlossen. Syrer, die nach Jordanien kommen, werden sofort in die großen Flüchtlingscamps gebracht. In die Türkei ist es ein weiter und gefährlicher Weg. Deshalb ist die deutsche Anlaufstelle im Libanon inzwischen nicht nur die nächste, sondern auch die einzige für viele Syrer.

Über 25.000 Visa wurden 2014 von der Botschaft ausgestellt. 70 Prozent davon an syrische Staatsbürger. Wartezeit für einen Termin? Manchmal gibt es über Monate keinen einzigen freien Termin. Fragt man einmal in der Warteschlange vor der Botschaft nach, bestätigen das viele Anstragsteller. Immer mehr schwarze Schafe machen sich diesen Umstand zunutze und behaupten unrichtigerweise, frühere Termine beschaffen zu können. Nicht alle Vermittler arbeiten unseriös, manche bieten Antragstellern, die beispielsweise keinen Internetzugang oder Sprachprobleme haben, Hilfe für eine angemessene Gebühr an. Das Auswärtige Amt arbeitet zudem kontinuierlich an der Verbesserung des Systems und neuen Sicherheitsmechanismen. Das hilft den Menschen in der Warteschlange vor der Botschaft wenig. Auch wenn sie einen Termin haben, heißt das noch lange nicht, dass der Antrag bewilligt wird. Wir treffen Sara in Beirut. Sie hofft schon seit ein paar Wochen auf einen Anruf aus der Botschaft: „Wenn wir jetzt kein Visum bekommen, müssen wir eben anders nach Deutschland kommen. Dort haben wir Verwandte, bei denen wir unterkommen würden. Zurück nach Syrien können wir nicht, da ist alles zerstört. Und hier im Libanon dürfen wir auch nicht bleiben. Was soll nur aus uns werden?“, fragt Sara.

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Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion Bei uns daheim ist Krieg – Kinder auf der Flucht. Wir helfen vor Ort. Der Erlös geht an die Kinder im Libanon, die durch den Krieg des IS in Syrien alles verloren haben – ihr Zuhause und ihre Zukunft – und trotzdem hoffen, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Gemeinsam mit Unicef und Ihnen, liebe Leser, wollen wir diese Kinder vor allem mit ganz konkreten Bildungs- und psychologischen Betreuungsprojekten unterstützen und ihnen so ein kleines Stück Normalität und Kindheit in ihrer zerstörten Welt geben. Aber vor allem: die Hoffnung auf ein friedliches Leben daheim in Syrien.

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tz

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