Aktion "Helft den Kindern in Bangladesch"

Dessous-Träume, die ein Land verändern

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Sie beraten, klären auf und machen Frauen noch ein bisschen schöner: Anuza (Mitte) und ihre Mitarbeiterinnen im Hauptgeschäft von „Sweet Dreams“

München - Die tz hat gemeinsam mit UNICEF eine Spendenaktion für Bangladesch gestartet. Heute berichten wir dazu vom Unterwäscheladen "Sweet Dreams" in Dhaka, der einst einer Revolution gleichkam.

Jedes Kind braucht eine Chance

„Kind sein bedeutet, sorgenfrei und unbeschwert zu sein, in den Tag hinein zu leben, zu spielen und eine gewisse Narrenfreiheit zu genießen. Zumindest würden wir uns wünschen, dass es das bedeutet. Für die meisten Kinder in Bangladesch könnte die Wirklichkeit kaum weiter von diesem schönen Traum entfernt sein. Über sieben Millionen Kinder und Jugendliche arbeiten. Schule ist ein Fremdwort für sie. Die meisten Kinderarbeiter schuften im so genannten informellen Sektor. Sie sind Tagelöhner, werden engagiert oder weggeschickt, gerade wie es passt. Die Reste des Wohlstands der anderen sind ihre Arbeitsmateralien; ihre Werkbank die Straße. Doch es gibt auch Hoffnungszeichen. Unicef richtet in Bangladesch Lernzentren für arbeitende Kinder ein. Dort kommen Buben und Mädchen zwischen acht und 14 Jahren hin, die nicht zur Schule gehen und schon arbeiten müssen. Jeden Tag lernen sie zweieinhalb Stunden lang lesen, schr–eiben und rechnen. Hygiene und Gesundheit stehen ebenfalls auf dem Lehrplan. Jedes Kind braucht eine Chance, aus dem Teufelskreis der Armut heraus zu kommen.“

Ihre Nina Ruge

Dessous-Träume, die ein Land verändern

Ein bisschen verschämt schaut sie schon. Vielleicht ist Hasinas Stimme (21) auch ein wenig leiser als sonst, als sie fragt, ob es dieses Modell auch in einer anderen Farbe gibt. Die junge Frau in ihrem schwarzen Tschador ist das erste Mal hier. Sweet Dreams heißt der Unterwäscheladen von Anuza (41) in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, in den sich immer mehr Frauen trauen. Die Eröffnung war 2003 eine Revolution. Die Chefin blieb zunächst inkognito – aus Angst. „Wir haben Morddrohungen bekommen, Männer kündigten wutentbrannt an, die Scheiben einzuwerfen und das Geschäft zu zerstören.“ Anuza glaubte an ihre Idee und gab nicht auf. Seit 2007 sind die meisten ihrer Gegner verstummt. Sie haben begriffen, dass Sweet Dreams keine Bedrohung in dem zu 95 Prozent vom Islam geprägten Land ist. „Wir haben niemanden belästigt, niemanden brüskiert, sondern einen sicheren Raum für Frauen geschaffen, in dem sie sich frei unter Frauen bewegen können.“

Seitdem ist Ruhe. Heute hat die Mutter zweier Buben acht Läden mit ingesamt 55 Angestellten. Auch immer mehr Männdern kommen, um selbst für ihre Liebste einzukaufen.

In den Shops gibt‘s neben westlichen Marken auch eigene Linien. „Was wir hier machen, ist nicht einfach Unterwäsche verkaufen“, so die Inhaberin. „Da geht es um viel mehr.“ Um Monatshygiene beispielsweise, die in Bangladesch lange Zeit einfach ignoriert wurde. Deshalb hat Anuza Slips entworfen, in die Binden passen und unterstützt Partner, die sich für dieses Thema einsetzen. Vor allem auch auf dem Land, wo die Frauen graue Körbe mit einer Grundausstattung bekommen sollen. Beim Kauf gibt‘s Gratis-Aufklärung dazu. „In Europa kann man sich das vielleicht nicht vorstellen, aber um Krankenheiten und Kindersterblichkeit zu mindern, sind diese Informationen wichtig.“

Anuza ist in Bangladesch aufgewachsen, lebte und studierte in Europa, auch in Düsseldorf. Dort arbeitete sie für renommierte Textilunternehmen wie Lacoste. In Deutschland entstand auch die Idee für Sweet Dreams. „Ich wollte zurück in meine Heimat und dort etwas tun, was Bangladesch weiterbringt. Als Mutter weiß ich, was es heißt, sich Sorgen um die Zukunft zu machen. Ich bin in der glücklichen Lage, etwas verändern zu können.“

In Zeiten vor Sweet Dreams mussten die Frauen in ihren Verschleierungen auf irgendeinen Markt, um Unterwäsche zu kaufen. Da wurden sie dann von einem der ausschließlich männlichen Verkäufer taxiert. Umkleidekabinen zum Anprobieren? Fehlanzeige. „Also wurde den Kundinnen einfach ein Set in einer geschätzten Größe in eine schwarze Tüte eingepackt und das musste dann eben angezogen werden.“ Egal, ob es passte oder nicht.

Wer in den Flagshipstore von Sweet Dreams in der Innenstadt von Dhaka kommt, steht vor einem unscheinbaren Geschäft. Ein schwerer, blickdichter Vorhang trennt den Verkaufsraum vom Eingang. Dahinter eröffnet sich erst die Welt der Dessous und anderer Dinge, die Frauen mögen – wie Kosmetik und Nachtwäsche.

Auch bei der Auswahl ihrer Mitarbeiterinnen hat Anuza besondere Auswahlkriterien. Da geht es nicht nur um die Eignung als Verkäuferin. Nargis (22) stand vor drei Jahren halb hungrig vor der Tür und fragte nach einem Job. Der Vater hatte die Familie verlassen, Mutter und jüngere Geschwister wussten nicht ein noch aus. Der Job rettete die Familie. Jetzt kann Nargis mit ihrem Einkommen dafür sorgen, dass ihre Schwestern und Brüder zur Schule gehen können und ihre Familie ein Zuhause hat.

Nargis berät noch immer ihre Kundin Hasina. Die beiden Frauen verstehen sich, tauschen sich inzwischen unverkrampft aus. Schließlich findet die 21-Jährige genau das richtige Modell. Zartes Rosa. Das Set passt perfekt.

Mit jedem Shirt 3 € spenden

Sie suchen ein Weihnachtsgeschenk, mit dem Sie nicht nur sich oder Ihren Lieben eine Freude machen? Dann haben wir genau das Richtige für Sie. Um unsere Spendenaktion für Unicef zu unterstützen, gibt‘s ab sofort drei Aktionsshirts von hessnatur. Die Langarmshirts aus reiner Bio-Baumwolle kosten für Damen und Herren je 29,95 Euro, für Kinder ist das Oberteil mit Rollkragen für 17,95 Euro zu haben. Egal ob groß oder klein, Sie haben die Wahl zwischen zwei Farben. Pro Shirt gehen drei Euro auf unsere Spendenkonten und damit an die Kinder in Bangladesch.

Seit 37 Jahren steht hessnatur für Ökomode, gilt als Pionier in Sachen ökologische und soziale Standards in der Textilproduktion. Konkret heißt das, die Kollektionen aus reinen Naturfasern werden ohne Kinderarbeit und zu gerechten Löhnen hergestellt. Das Sortiment umfasst inzwischen Damen- und Herrenbekleidung, Kleiung für Kinder und Babys, Heimtextilien, Wäsche und Schuhe.

2009 ließ das hessische Unternehmen erstmals ins Bangladesch T-Shirts produzieren – in einer einzigartigen Fabrik, gegründet von Friedensnobelpreisträger Muhamad Yunus. Im kommenden Jahr startet hessnatur ein neues Projekt in Bangladesch.

www.hessnatur.com/unicef

hessnatur-Laden München, Hohenzollernstraße 10, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr.

Für 10 Euro einen BMW 114i gewinnen

Das ist doch perfekt: 10 Euro spenden undmit ein bisschen Glück ein absolutes Traumauto gewinnen. Unter allen Spendern, die mindestens zehn Euro auf eines unserer Unicef-Konten einzahlen, verlosen wir einen BMW 114i im Wert von 24 680 Euro, den der künftige Besitzer bei der neuen Automag-Filiale in München-Trudering auch noch selbst zusammenstellen lassen kann. Wichtig: Bitte notieren Sie Namen und Adresse auf dem Überweisungsträger, damit wir Sie erreichen können, falls das Los auf Sie fällt. Der Gewinner wird nach Abschluss unserer Weihnachtsaktion gezogen.

So können Sie spenden

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion „Helft den Kindern in Bangladesch“. Der Erlös geht zum Beispiel in die Slum-Schulen für Straßenkinder. Bitte geben Sie das Stichwort „Bangladesch“ an. Denn wir möchten nach wie vor auch den Opfern des Taifuns auf den Philippinen helfen (Stichwort „Taifun“).

Bei Spenden bis 100 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie automatisch von Unicef eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Bitte geben Sie deshalb im Feld „Verwendungszweck“ unbedingt Namen und Adresse an. Empfänger ist Unicef.

Die Spendenkonten:

- Commerzbank
Kontonummer 326 900 000
BLZ 700 800 00

- Stadtsparkasse München
Kontonummer 263 525
BLZ 701 500 00

Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen, wollen Sie selbst aktiv werden, eine Veranstaltung oder Spendensammlung organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail. tz-Redakteurin Dorit Caspary war in Bangladesch, um sich die Projekte für die Kinder anzusehen. Sie können sich sicher sein: Jeder Spenden-Euro ist dort gut angelegt. Sie erreichen unsere Unicef-Reporterin unter Tel. 089/5306 512 oder per E-Mail unter dorit.caspary@tz.de

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