UNICEF-Aktion

Telefonieren im Libanon: "Hello Almania …"

"Hello Almania." Die Verbindung ist schlecht, aber Omar (38) ruft in Deutschland an, er will mit seinem Cousin in Kontakt bleiben und wissen, wie es ihm geht. Auch wenn es sein Budget eigentlich nicht erlaubt. Telefonieren im Libanon ist bezahlbar, aber teuer, wenn man nichts hat.

Omars Cousin Yusuf ist im Sommer über die Balkanroute nach Deutschland gekommen und lebt derzeit in Sebnitz. Er teilt sich ein Zimmer mit zwei anderen Syrern in einem Haus. „Yusuf sagt, dass die Leute in Deutschland sehr freundlich sind und dass für sie Menschlichkeit eine Selbstverständlichkeit ist“, erzählt Omar. Er will wissen, ob er ihm zu einer Flucht nach Deutschland rät.

Immer wieder überlegt der Familienvater, ob er seine Lieben einfach an die Hand nehmen soll und auch nach Europa gehen soll. „Mir fehlt das Geld für die Reise. Aber ich versuche es irgendwie zusammenzubekommen.“ Das Irgendwie ist schwer. Omar, studierter Vermessungsingenieur, hat Syrien vor 18 Monaten verlassen. Da war die Grenze zum Libanon noch offen. Seit Januar können nur noch Offizielle, Geschäftsleute und Reisende mit einem 24 Stunden gültigem Transitvisum ins Land. Die müssen zudem nachweisen, dass sie ein Ticket für die Weiterreise, etwa für eine Fähre in die Türkei haben.

Der Aufgang des Rohbaus, in dem Omar mit seiner Familie lebt.

Zuerst konnte sich Omar für seine Frau Misal (33) und die drei Kinder ein kleines Häuschen für 250 Euro Miete im Monat leisten. „Ich dachte, dass ich Arbeit finde, ich bin auch als Handwerker gut, aber ich bekomme keine feste Arbeit.“ Das Geld wurde weniger, das Auto verkauft. Und dann konnte er nicht mal mehr seine Miete zahlen. Da warf ihn der Besitzer raus. Mit ihrem gesamten Hab und Gut – fünf Plastiktüten, ein Rucksack, ein Teppich und vier dünne Matten – ist die Familie gerade umgezogen. Wie vier andere Familien. Das Haus wird von einer Hilfsorganisation bezahlt, die mit Unicef zusammenarbeitet. Für Strom und Wasser müssen die Hausbewohner selbst aufkommen.

Der unverputzte Rohbau liegt in der Nähe von Baalbek. Nähe ist relativ. Zu Fuß müsste der älteste Sohn Hamad (8) eine Stunde zur Schule gehen. Und auch die nächsten Geschäfte sind weit weg. Omar versucht eine Möglichkeit zu finden, damit Hamad in die Schule kann, Laufgemeinschaften mit anderen Familien bilden zum Beispiel. „Ohne Ausbildung, was soll da aus meinen Kindern werden“, fragt er verzweifelt. „In Deutschland haben die Kinder andere Möglichkeiten. Wenn ich an Flucht nach Europa denke, denke ich nur an meine Kinder. Natürlich wäre mir ein friedliches Leben in Syrien am liebsten, aber das wird es in absehbarer Zukunft nicht geben.“

Omar fühlt sich im Libanon nicht sicher. Er arbeitet hin und wieder in einer Bäckerei, hört, was die Einheimischen reden. 15 Euro verdient er am Tag. Aber der Bäcker braucht ihn nicht jeden Tag. Die anderen Tage sucht er nach Gelegenheitsjobs, oft wird er dabei angefeindet. „Alles was hier passiert, dafür sollen wir Flüchtlinge verantwortlich sein.“

Im Telefon rauscht es, Cousin Yusuf versteht man nur abgehackt. Er weiß selbst noch nicht, wie es jetzt für ihn in Deutschland weitergeht. Er will Omar auf dem Laufenden halten und ihm erklären, was es heißt, Flüchtling in Deutschland zu sein. 

Herzkrank: Fajr braucht dringend eine OP

Nur eine Operation kann Fajr (7) retten. Der Bub leidet seit seiner Geburt am Williams-Beuren-Syndrom. Der Gendefekt geht meist mit einem Herzfehler einher. So auch bei Fajr. Zuhause in Syrien war er noch in ärztlicher Behandlung. Die Ärzte dort sagten, er brauche dringend eine Herz-OP. Doch dazu kam es nicht mehr. Seine Mutter Najoud (34) hat das Land mit ihm und den beiden Brüdern verlassen und ist in den Libanon geflohen. Dem Siebenjährigen geht es seitdem immer schlechter. Er hat keine Medikamente und keine Betreuung. Seine Mutter wollte nicht fliehen, sie musste. Denn sein Vater starb auf der Straße. Während eines Kampfes erschossen.

Omar (siehe Artikel oben) kümmert sich um den Buben und den Rest der Familie: „Die haben doch noch weniger als wir.“ Wenn Omar in Deutschland anruft, fragt er auch nach der ärztlichen Versorgung. „Da könnte Fajr sicher geholfen werden, aber mit welchem Geld soll das gehen.“ Fajr ist tapfer und kämpft. Er träumt davon, selbst einmal Arzt zu sein und anderen zu helfen.

Spenden Sie

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion Bei uns daheim ist Krieg – Kinder auf der Flucht. Wir helfen vor Ort. Der Erlös geht an die Kinder im Libanon, die durch den Krieg des IS in Syrien alles verloren haben – ihr Zuhause und ihre Zukunft – und trotzdem hoffen, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Gemeinsam mit Unicef und Ihnen, liebe Leser, wollen wir diese Kinder vor allem mit ganz konkreten Bildungs- und psychologischen Betreuungsprojekten unterstützen und ihnen so ein kleines Stück Normalität und Kindheit in ihrer zerstörten Welt geben. Aber vor allem: die Hoffnung auf ein friedliches Leben daheim in Syrien.

Zum Schluss noch ein Versprechen, das die tz und Unicef seit über 25 Jahren halten: Jeder Cent, den Sie spenden, kommt bei den Kindern an. Alle Verwaltungskosten werden aus anderen Töpfen gedeckt, so übernimmt beispielsweise der Münchner Telekommunikationsdienstleister multiConnect GmbH alle Gebühren für Ihre Telefonspende.

Die Spendenkonten

Commerzbank:

IBAN: DE78 7008 0000 0326 900000 

BIC: DRESDEFF700

Stadtsparkasse München:

IBAN: DE70 7015 0000 0000 263525

BIC: SSKMDEMM

Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen oder möchten Sie selbst aktiv werden, eine Veranstaltung oder Spendensammlung für unsere Aktion organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail. tz-Redakteurin Dorit Caspary war im Libanon, hat die Flüchtlingskinder besucht. Unsere Unicef-Reporterin erreichen Sie unter Tel. 089/53 06-512 oder per E-Mail unter ­dorit.caspary@tz.de.

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