Immer mehr Töchter zu Zwangsehen gedrängt

Sie wurde mit 14 verkauft, verheiratet, verschleppt!

+
Der Blick von Faizah (14) wandert über die Bergkette im Osten des Libanon, dorthin wurde sie von ihrem Mann verschleppt.

München - Eltern drängen immer häufiger minderjährige Töchter zu Zwangsehen. Hier erzählen wir die Geschichte von Faizah, die von ihrem Vater im Alter von 14 Jahren zwangsverheiratet wurde - für 1256 Euro.

Wie viel ist dieses junge Mädchen wohl wert? Ein paar Hundert Euro? Ein paar Tausend? Es waren genau 1256 Euro, die der Vater von Faizah (wir haben den Namen des Mädchen geändert) für die Heirat seiner 14 Jahre alten Tochter bekam. Die Familie von Faizah stammt aus Syrien. Man könnte hier auch ihre Geschichte erzählen, wie die Familie vor dem IS-Terror geflüchtet ist und wie sie nun im Bekaa-Tal im Libanon lebt. Aber heute geht es um Faizah.

Seit rund zwei Jahren ist ihre Familie nun im Libanon. Ihre Eltern können nicht aus ihrer Behausung im Flüchtlingslager heraus. Sie leben versteckt. Denn sie sind wie so viele hier inzwischen illegal im Land. Die Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen. Die Verlängerung können sie sich nicht leisten. Die Geldreserven sind schon lange aufgebraucht. Aber Faizah hat kleinere Schwestern, und alle haben Hunger. Also hat ihr Vater das gemacht, was immer mehr Eltern aus Verzweiflung tun. Sie verkaufen das Wertvollste, was sie haben – ihre Kinder, ihre Töchter, um den Rest der Familie über die Runden zu bringen.

Junge Mädchen sind begehrt und im Libanon reicht die Zustimmung eines islamischen Geistlichen für die Eheschließung. Zwangsheirat nennt man das bei uns. Und keiner fragt, ob die Bräute neun, zehn oder 14 Jahre alt sind.

Viele dieser Zwangsehen werden per Whatsapp arrangiert. Im Fall von Faizah waren drei Nachrichten notwendig, um den Deal perfekt zu machen. Die Schwester des Bräutigams hatte Faizah in der Schule gesehen und ihm von dem Mädchen erzählt. Dann wurde bei der Familie angefragt, für wie viel die 14-Jährige zu haben sei. Zwei Millionen libanesische Pfund, umgerechnet 1256 Euro, waren das Angebot. Dann wurde die Braut abgeholt. „Ich hatte diesen Mann nie zuvor gesehen und er machte mir von Anfang an Angst.“ Das Gefühl täuschte nicht. Faizah wurde von dem 26-Jährigen in die Berge verschleppt und dort vier Wochen lang alleine ausgesetzt, um als Schafhirtin zu arbeiten. Nur um sie mit dem Nötigsten zu versorgen und seine Rechte als Ehemann einzufordern, kam er in die Einsamkeit. „Ich weiß nicht mehr, vor was ich mehr Angst hatte, vor ihm oder dem Alleinsein“, erzählt sie.

Nach einem Monat nahm sie ihr Mann mit in sein Dorf. Dort zeigte er seine Frau wie eine erlegte Jagdtrophäe herum. Als sie auch noch regelmäßig verprügelt wurde, hatte seine Schwester, die die Hochzeit miteingefädelt hatte, Mitleid und lieh ihr ein Telefon. Faizah konnte mit ihrer Mutter sprechen, die das Leid der Tochter nicht länger aushalten konnte. Sie holte sich Hilfe im Kinderschutzzentrum Beyond, das von Unicef unterstützt wird. Geminsam haben sie das Mädchen nach sechs Monaten aus der Hölle befreit. Der Ehemann hätte seinen Besitz nie freiwillig hergegeben: „Er hat geschrien, lieber würde er mich totschlagen.“ Und Faizah selbst wäre auch nicht gegangen. „Ich habe mir immer gesagt, ich halte das für meine Familie aus, die braucht doch das Geld.“ Mit einem Trick wurde der 26-Jährige von Faizah weggelockt. Er sollte ein Geschäft in Beirut abwickeln.

Inzwischen ist Faizah 15 Jahre alt und kann im Beyond-Zentrum lernen und ihre Geschichte verarbeiten. Ihr Wunsch für die Zukunft: „Ich möchte nach Hause nach Syrien, um dort mit meiner Familie einfach ein glückliches Leben zu führen. Und dann möchte ich einmal Kinder haben, die ich beschützen kann.“

Dorit Caspary

Fatema wird noch immer vermisst

Fatema wird seit 31. August diesen Jahres vermisst.

Fatema ist 14 Jahre alt und seit 31. August diesen Jahres vermisst. Inzwischen müsste das syrische Mädchen, das in seiner Heimat zwangsverheiratet worden war, Mutter sein. Fatema war hochschwanger und brauchte dringend medizinische Hilfe, als sie im Sommer über die Balkanroute nach Deutschland einreiste und danach in eine Erstaufnahmeeinrichtung in Ter Apel, im Norden der Niederlande, kam. Von dort verschwand Fatema mit ihrem Mann, 24 Jahre alt. Bislang fehlt von den beiden jede Spur. Die deutschen Behörden suchen gemeinsam mit der holländischen Polizei nach der jungen Mutter. Sie kam nicht freiwillig hierher. Ihre Eltern hatten sie verheiratet, weil sie in Syrien nicht mehr für sie sorgen konnten und wussten, dass sie ihr Mann mit nach Europa nehmen würde. In Deutschland gelten zu jung verheiratete Flüchtlingsmädchen als unbegleitete Jugendliche und werden vom Jugendamt betreut.

10 Euro spenden – Traumpreise gewinnen

Für all unsere Leser ist es seit Jahren eine Herzenssache, die tz-Weihnachtsaktion zugunsten von Unicef zu unterstützen. Immer waren sie großzügig und gemeinsam haben wir viel erreicht. Einer unserer Spender hatte jedes Jahr besonderes Glück und wurde zum Beispiel als Gewinner eines Autos gezogen. Aber noch nie haben sich so viele Menschen für Menschen in Not eingesetzt wie jetzt – für die syrischen Flüchtlinge hier bei uns in Bayern, aber auch vor Ort in deren Heimat. Deshalb möchten wir dieses Jahr nicht nur einen Preis unter allen Lesern, die mindestens zehn Euro spenden, verlosen, sondern gleich drei Gewinne im Gesamtwert von über 15 000 Euro. Wie Sie, liebe Leser, vielleicht bald mit Costa auf Kreuzfahrt in die Karibik gehen, Inhaber eines neuen Trenoli-Pedelecs oder eines Loewe-Smart-TV werden, lesen Sie unter Spenden und gewinnen!

Spenden und gewinnen!

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion Bei uns daheim ist Krieg – Kinder auf der Flucht. Wir helfen vor Ort. Der Erlös geht an die Kinder im Libanon, die durch den Krieg des IS in Syrien alles verloren haben – ihr Zuhause und ihre Zukunft – und trotzdem hoffen, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Gemeinsam mit Unicef und Ihnen, liebe Leser, wollen wir diese Kinder vor allem mit ganz konkreten Bildungs- und psychologischen Betreuungsprojekten unterstützen und ihnen so ein kleines Stück Normalität und Kindheit in ihrer zerstörten Welt geben. Aber vor allem: die Hoffnung auf ein friedliches Leben daheim in Syrien.

Zum Schluss noch ein Versprechen, das die tz und Unicef seit über 25 Jahren halten: Jeder Cent, den Sie spenden, kommt bei den Kindern an. Alle Verwaltungskosten werden aus anderen Töpfen gedeckt, so übernimmt beispielsweise der Münchner Telekommunikationsdienstleister multiConnect GmbH alle Gebühren für Ihre Telefonspende.

Sie möchten per Überweisung spenden? 

Bitte geben Sie bei Ihrer Überweisung das Stichwort Helfen vor Ort an. Bei Spenden bis 200 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie von Unicef automatisch eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Bitte geben Sie im Feld „Verwendungszweck“ unbedingt Namen und Adresse an. Empfänger ist Unicef.

Sie möchten online bei Unicef spenden? 

Unter www.tz.de/unicef finden Sie den direkten Zugang zu unseren Spendenkonten.

Sie möchten per Telefon spenden?

Mit einem Anruf unter der Nummer 089/44 33 34 44 spenden Sie ganz einfach einmalig zehn Euro, die von Ihrer Telefonrechnung abgebucht werden. Bei einer Telefonspende gilt der Abbuchungsbeleg als Spendenbescheinigung.

Sie möchten an der Verlosung teilnehmen?

Wichtig: Bitte notieren Sie Namen und Adresse auf dem Überweisungsträger, auf Ihrer Online-Überweisung oder geben Sie diese Daten bei Ihrem Spendenanruf an. Damit wir Sie erreichen können, falls das Los auf Sie fällt. Die Gewinner unserer Preise ziehen wir nach Abschluss unserer Spendenaktion im Februar. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Spendenkonten

Commerzbank:

IBAN: DE78 7008 0000 0326 900000 BIC: DRESDEFF700

Stadtsparkasse München

IBAN: DE70 7015 0000 0000 263525

BIC: SSKMDEMM

Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen oder möchten Sie selbst aktiv werden, eine Veranstaltung oder Spendensammlung für unsere Aktion organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail. tz-Redakteurin Dorit Caspary war im Libanon, hat die Flüchtlingskinder besucht. Unsere Unicef-Reporterin erreichen Sie unter Tel. 089/53 06-512 oder per E-Mail unter ­dorit.caspary@tz.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Lotto am Samstag vom 18.11.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen
Lotto am Samstag vom 18.11.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen
Lotto am Mittwoch, 15.11.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Lotto am Mittwoch, 15.11.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Entgleister Zug legt Bahnverkehr in Teilen Schleswig-Holsteins lahm
Entgleister Zug legt Bahnverkehr in Teilen Schleswig-Holsteins lahm
Wie die Briten um das rote Eichhörnchen kämpfen
Wie die Briten um das rote Eichhörnchen kämpfen

Kommentare