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Ostermaier über Libanon-Reise: "Plötzlich sieht man nur mit dem Herzen"

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Albert Ostermaier.

Beirut - Statistiken und Berichte sind das Eine, sich selber ein Bild vor Ort machen etwas ganz Anderes. Der Münchner Schriftsteller Albert Ostermaier besuchte vergangenes Jahr den Libanon.

Man weiß es ja, dass hinter all den Statistiken, Balken, Grafiken und Zahlen über den syrischen Bürgerkrieg und die Flüchtlingsströme Einzelschicksale stecken. Und dennoch: Sitzt man mit den Menschen an einem Tisch, schaut ihnen in die Augen und hört ihnen zu, wenn sie ihre Geschichte erzählen, ändert sich die Wahrnehmung auf einen Schlag. Dem Münchner Schriftsteller Albert Ostermaier (48) ist es auch so ergangen, als er im vergangenen Jahr gemeinsam mit einer Delegation und Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Libanon besucht hat. Viele seiner Erfahrungen finden sich in seinem Roman Lenz im Libanon.

Ostermaiers Schlüsselerlebnis: der Besuch eines Registrierungscamps für syrische Flüchtlinge in Bar Elias, einer Kleinstadt im Bekaa-Tal nahe der syrischen Grenze. „Wenn man in ein Flüchtlingslager geht, ist man auf die Bilder vorbereitet. Man kennt sie aus dem Fernsehen. In dem Registrierungscamp habe ich völlig unerwartete Situationen erlebt.“ Ein enger Raum, der zu einem Konferenzsaal führt. Darin satzen die Familien, die ihre Heimat verlassen haben, um irgendwie, irgendwo zu überleben. Sie saßen dort erschöpft, verzweifelt. Es war nicht der übliche Blick aus der Ferne auf zerschlissene Zelte, auf Kinder ohne Schuhe. Ganz nah waren die Kinder, Mütter, Väter. Und begannen zu erzählen. Denn Registrierung heißt nichts anderes, als dass die Menschen mit all ihren Kriegstraumata erzählen, wer sie sind, woher sie kommen und warum sie fliehen mussten. „Dieses Erlebnis hat meine Wahrnehmung verändert“, sagt Ostermaier. „Dass die Menschen Hilfe brauchen, war in diesem Moment so konkret fühlbar.“

Ostermaier: Keiner verlässt seine Heimat freiwillig

Jeder, der einmal persönlich mit einer Flüchtlingsfamilie gesprochen habe, auch nur eine Geschichte gehört habe, werde die Dinge plötzlich ganz anders sehen.

Keiner verlässt seine Heimat freiwillig. Sondern, weil es keinen anderen Weg gibt, zu überleben. Keiner zieht freiwillig weiter, sondern weil er sonst verhungern würde. „Es ist kaum zu verstehen, dass dort in den Flüchtlingslagern das Geld ausgeht, um die Menschen zu ernähren. Es ist nur logisch, was dann passiert. Hunderttausende müssen aus den Lagern weiterziehen.“

Wütend machen Ostermaier deshalb Begriffe wie „Flüchtlingskrise“, „Flüchtlingswelle“ oder „Lawine“, die hier in Deutschland verwendet werden. „Die Flüchtlinge haben keine Krise verursacht, sie sind schlicht Opfer.“ Von Diktaturen, von Bürgerkriegen, von Entscheidungen der Politik, zum Beispiel die Flüchtlingshilfen zu kappen.

Beeindruckt hat den Münchner auf seiner Reise aber auch die Selbstverständlichkeit, mit der der Libanon versucht, die Flüchtlinge zu integrieren. Wie zum Beispiel die Leiterin im Registrierungscamp „trotz dieser Enge, trotz dieser Situation versucht hat, jeder Familie ein Minimum an Privatheit zu ermöglichen“. Wie wenig im Libanon gejammert und lamentiert wird, dass 4,5 Millionen Einwohner mit knapp zwei Millionen syrischen Flüchtlingen zusammenleben müssen. „Ich habe erlebt, dass es nicht die geringste Rolle spielt, welcher Religion jemand angehört. Das Miteinander hat sich gegen das Gegeneinander durchgesetzt.“

Diese Erfahrungen haben auch die vielen freiwilligen Helfer gemacht, die sich an Bahnhöfen, Grenzstationen, griechischen Stränden, auf der Balkanroute engagieren. „Jeder, der einmal direkt mit einem Flüchtling zu tun hatte, wird keine Angst mehr haben.“

Das ist es, was sich Ostermaier für Deutschland, für Europa wünscht. Und dass es einem Vater nicht als Verbrechen angelastet wird, wenn er seine Familie schützen will und deshalb seine Heimat verlässt.

Willy Astor spendet Gage

Es war eine spontane Entscheidung, die Musikkabarettist Willy Astor nach seinem Auftritt im Oberhausener Strobl wirt (Weilheim) gefällt hat: Er spendet seine Gage in Höhe von 1370 Euro für die syrischen Kinder im Libanon.

Vor seinem Auftritt mit dem fast nagelneuen Programm Kindischer Ozean: Lauschlieder – Geschichten aus dem Einfallsreich hatte er über die Schicksale der Familien im Bekaa-Tal gelesen. „Ich habe selbst zwei Kinder, und die Vorstellung, wie die Menschen dort den Winter verbringen, ist einfach schlimm“, so der 51-Jährige.

Jedes Jahr spendet der Münchner für verschiedenste Projekte, unterstützt Initiativen hier in München, aber auch andere Projekte, die ihn überzeugen. „Was ich an Kirchensteuer spare, verteile ich über andere Wege.“ Eines ist Willy Astor dabei ganz wichtig: „Ich will wissen, für was das Geld genau verwendet wird.“

Die tz hat von der Spende nur deshalb erfahren, weil sich der Münchner versichern wollte, dass die Gage wirklich bei den Kindern ankommt. Das versprechen wir. Seit über 25 Jahren geht jeder einzelne Cent, der auf eines der tz-Konten (siehe Kasten) einbezahlt wird, zu 100 Prozent an die Kinder. In deren Namen: Ganz herzlichen Dank!

Kreuzfahrt, E-Bike oder Smart-TV: Damit möchte die tz ihre Leser belohnen

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion Bei uns daheim ist Krieg – Kinder auf der Flucht. Wir helfen vor Ort. Der Erlös geht an die Kinder im Libanon, die durch den Krieg des IS in Syrien alles verloren haben – ihr Zuhause und ihre Zukunft – und trotzdem hoffen, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Gemeinsam mit Unicef und Ihnen, liebe Leser, wollen wir diese Kinder vor allem mit ganz konkreten Bildungs- und psychologischen Betreuungsprojekten unterstützen und ihnen so ein kleines Stück Normalität und Kindheit in ihrer zerstörten Welt geben. Aber vor allem: die Hoffnung auf ein friedliches Leben daheim in Syrien.

Zum Schluss noch ein Versprechen, das die tz und Unicef seit über 25 Jahren halten: Jeder Cent, den Sie spenden, kommt bei den Kindern an. Alle Verwaltungskosten werden aus anderen Töpfen gedeckt, so übernimmt beispielsweise der Münchner Telekommunikationsdienstleister multiConnect GmbH alle Gebühren für Ihre Telefonspende.

So können Sie spenden

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Bitte geben Sie bei Ihrer Überweisung das Stichwort Helfen vor Ort an. Bei Spenden bis 200 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie von Unicef automatisch eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Bitte geben Sie im Feld „Verwendungszweck“ unbedingt Namen und Adresse an. Empfänger ist Unicef.

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Ihre Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen oder möchten Sie selbst aktiv werden, eine Veranstaltung oder Spendensammlung für unsere Aktion organisieren? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail. tz-Redakteurin Dorit Caspary war im Libanon, hat die Flüchtlingskinder besucht. Unsere Unicef-Reporterin erreichen Sie unter Tel. 089/53 06-512 oder per E-Mail unter ­dorit.caspary@tz.de.

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