Erdrutsche in der Schweiz: Anwohner werden mitten in der Nacht evakuiert
Infolge starker Regenfälle ist es in der Zentralschweiz zu Erdrutschen gekommen. Bewohner mussten evakuiert werden. Das betroffene Gebiet wird überwacht.
Luzern – Im Ort Vitznau im zentralschweizerischen Kanton Luzern ist es am Samstag sowie in der Nacht zum Dienstag zu schweren Erdrutschen gekommen. Im Gebiet Hinterbergen waren zunächst am Samstagmorgen Fels- und Gesteinsmassen in Bewegung geraten. Letztendlich rutschten rund 150.000 Kubikmeter Geröll in die Tiefe, erklärte Vitznaus Gemeinderat Erich Waldis der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Erster massiver Erdrutsch ereignete sich am Samstag – ein weiterer schwerer folgte in der Nacht zu Dienstag
Gegenüber dem Online-Portal PilatusToday erklärte Waldis, die Gemeinde sei am Samstag (1. Juni) gegen 7 Uhr von Landwirten benachrichtigt worden, dass sich im Gebiet Hinterbergen ein Erdrutsch ereigne. Im Verlauf des Tages folgten weitere Rutsche. Waldis schätzt, dass letztendlich rund 300.000 Kubikmeter Gesteinsmassen in Bewegung gerieten.
Im unmittelbaren Umfeld des betroffenen Rutschgebiets waren insgesamt acht Bauernhöfe einer akuten Gefahr ausgesetzt. Auch in Österreich hatten 2023 Erdrutsche die Existenz von Landwirten gefährdet. Einsatzkräfte errichteten Schutzdämme, um die in Bewegung geratenen Gesteinsmassen von den Gehöften fernzuhalten. Die Bewohner der Bauernhöfe wurden noch am Samstag evakuiert. Noch am Montag erklärte Waldis, die Situation in Vitznau habe sich infolge des Erdrutsches vorerst erholt. In der Nacht auf Dienstag jedoch mussten die Einsatzkräfte dann aber erneut eingreifen.
Rund um den Altdorfbach hatten sich gegen 3 Uhr nachts erneut Gesteins- und Erdmassen im Rutschgebiet Hinterbergen/Gassrübi in Bewegung gesetzt, wie das Schweizer Nachrichtenportal 20min.ch meldete. Die Vitznauer Feuerwehr ergriff Schutzmaßnahmen, auch gegen Hochwasser. Fünf Bauernhöfe mussten in der Folge evakuiert werden, insgesamt betraf dies 25 Personen. Beschädigt wurde durch den erneuten Erdrutsch unter anderem ein Güllesilo, infolgedessen Gülle in einen nahegelegenen Bach lief. Vom Baden im See wird deshalb nun abgeraten.
Enorme Niederschlagsmengen in der Zentralschweiz gingen den Erdrutschen in Vitznau voraus
Vorausgegangen war dem Erdrutsch in Vitznau Stark- und Dauerregen, der sich im Laufe des Freitags über die gesamte Zentralschweiz erstreckte. Lokal seien im Alpenvorland der Ost- und Zentralschweiz innerhalb von nur zwei Tagen bis zu 120 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen, schrieb Meteo News Schweiz auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter). Im Nachbarland Österreich führte der Starkregen zum drastischen Anstieg mancher Flusspegel.

Im Kanton Zug erreichten die Einsatzleitzentrale laut Luzerner Zeitung insgesamt 15 Meldungen überfluteter Keller, Waschküchen und Hauseingänge in den Gemeinden Baar, Steinhausen, Cham, Hünenberg und Unterägeri, wie die Luzerner Zeitung ausgehend von Angaben der Zuger Polizei berichtete. In der Stadt Zug musste eine Fahrrad-Unterführung aufgrund vollständiger Überflutung gesperrt werden. Wassermassen sammelten sich auch auf der Autobahn A14 zwischen Baar und Zug, was Verkehrsteilnehmer veranlasste, ihr Fahrttempo aus Sorge vor Aquaplaning zu drosseln.
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Nach Erdrutschen: Betroffenes Gebiet in Vitznau wird weiterhin sorgfältig überwacht
Information auf der Webseite der Gemeinde Vitznau zufolge sei das Rutschgebiet von Geologen begutachtet und beurteilt worden, darüber hinaus werde es auch weiterhin engmaschig überwacht. Obwohl PilatusToday zufolge bislang keiner der betroffenen Anwohner zu Schaden kam, bestehe für zwei von drei Landwirtschaftsbetriebe im Bereich der Erdrutsches weiterhin Gefahr. Die Gemeinde Vitznau rät weiterhin dringend davon ab, die Gebiete Hinterbergen und Vitznaueralp zu betreten – sei es durch Befahren oder Wandern.
Derzeit arbeiten die Einsatzkräfte an einem Schutzdamm aus dem Gesteinsmaterial, so Waldis gegenüber PilatusToday. Man habe sich entschieden, mit Baggern ins vom Erdrutsch betroffene Gebiet zu fahren, um die zwei gefährdeten Landwirtschaftsbetriebe zu schützen. Durch die Arbeiten wolle man versuchen, den Fluss des Rutsches in Bahnen zu leiten.(fh)