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Immer mehr Verletzte: Invasive Muschelart im Bodensee „vermehrt sich rasend“

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Von: Jason Blaschke

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Quagga-Wahnsinn am Bodensee in Baden-Württemberg: Eine invasive Muschel macht das Schwäbische Meer unsicher. Gesundheitsbehörde und DLRG warnen und geben Tipps.

Konstanz – In Baden-Württemberg und Bayern beginnen die Sommerferien und damit die Hauptreisesaison. Doch wer sich auf einen Urlaub im Ausland freut, steht derzeit vor großen Problemen. Zum einen ist an mehreren Flughäfen in Deutschland die Personalsituation nach wie vor kritisch, zum anderen legt der Warnstreik der Lufthansa-Mitarbeiter viele Flüge lahm, was die ohnehin chaotische Situation an vielen Flughäfen noch einmal verschärft.

Fiese Muschelart treibt im Bodensee ihr Unwesen – immer mehr Verletze

Vom Flughafenstress verschont werden all jene, die sich 2022 für einen Sommerurlaub in Deutschland entschieden haben. Und wer es ganz nah will, fährt an den Bodensee. Aber Vorsicht, seit Jahren breitet sich im Schwäbischen Meer ein „gefräßiger Eindringling“ aus, wie bereits das St.Galler Tagblatt berichtete. An Badebuchten führt die Muschelart immer häufiger zu Verletzungen. Die ursprünglich aus Schwarzmeer-Zuflüssen stammende Quagga-Muschel ist deutlich schärfer als die heimischen Muschelarten.

NameQuagga-Dreikantmuschel
Wissenschaftlicher NameDreissena bugensis
ErhaltungszustandUngefährdet (Zunehmend)
KlassifizierungDreissena
UrsprungZuflüsse des Schwarzen Meers

Wer auf sie tritt, riskiert Schnittverletzungen und Infektionen, wenn die Wunde nicht desinfiziert und versorgt wird. Gerade, wenn das Wasser aufgrund der extremen Hitzeperiode in Süddeutschland an vielen Stellen flach ist und die Badebesucher weiter in den See laufen müssen, ist die Gefahr besonders groß. „Die Dreikantmuschel macht einen eher kleineren Schnitt – die Quagga-Muschel kann schon richtig doll schneiden“, sagte Clemens Menge, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Konstanz, im SWR.

Eine Muschelsammlerin hält am Ufer des Rothsees in einem Greifarm eine heimische Teichmuschel an der Dreikantmuscheln haften.
Das Problem an invasiven Muschelarten wie auch der Quagga ist, dass sie heimischen Muschelarten im See den Lebensraum nehmen. © Daniel Karmann/dpa

Quagga-Muschel kann Krankheitserreger übertragen – Impfschutz beachten

Er und seine Kollegen müssen immer öfter solche Schnittwunden versorgen, die sich die Badegäste am Seeboden, an Steinen oder Treppen zuziehen. Die DLRG-Ortsgruppe Konstanz versorgt laut eigenen Angaben 15 bis 20 durch die Quagga-Muschel verursachte Verletzungen am Tag – die Dunkelziffer an Wunden ist vermutlich noch deutlich größer. „Die Muschel vermehrt sich rasend“, berichtet ein Facebook-User.

Hierzu kommentiert ein anderer, dass es immer wieder auch vorkommt, dass Teile der Muschel in der Wunde stecken bleiben und von Hand entfernt werden müssen. Das verursache zusätzliche Schmerzen, weiß auch DLRG-Vorstand Menge. Manche Menschen würden zudem allergisch reagieren, wenn sie mit der Quagga-Muschel in Kontakt kommen. Wie schlimm ein Allergie-Schock sein kann, zeigt das Beispiel Wespenstich.

Und mit Blick auf die Quagga-Muschel kommt noch dazu, dass über die Wunde gefährliche Krankheitserreger übertragen werden können, wie etwa Tetanus.

Quagga-Muschel im Bodensee: Ärztin verrät, wie man sich schützen kann

Maria-Luise Weber, Ärztin im Gesundheitsamt Konstanz, empfiehlt im SWR deshalb, den Impfschutz im Impfpass zu überprüfen. „Grundsätzlich ist die Verletzung an einer Quagga-Muschel aber keine Verletzung, die jetzt ‚Tetanus-trächtig‘ wäre.“ Vorsichtig am Bodensee sollten die Badegäste aber trotzdem sein. Die Tetanus-Impfung muss nach der Grundimmunisierung im Kindesalter laut Robert Koch-Institut alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Zudem helfen Schutzmaßnahmen.

Sicher am effektivsten sind Badeschuhe, die etwa am Meer empfohlen werden, wo Seeigel leben. „Neopren-Badeschuhe/Füsslinge anziehen und gut ist“, schreibt ein Facebook-Nutzer. Dazu kommentiert eine andere: „Muss echt schwer sein, sich Schuhe zum Baden anzuziehen.“ Vielleicht nicht stylish, aber ein optimaler Schutz, findet Weber und empfiehlt ebenfalls, die Füße zu bedecken sowie generell vorsichtig zu sein.

Quagga-Dreikantmuschel

Die Quagga-Muschel – auch Quagga-Dreikantmuschel genannt – ist eine Unterart, die zur Familie der Dreikantmuscheln gehört, teilweise aber auch als eigenständige Muschelart angesehen wird. Ursprünglich kommt die Muschel in Zuflüssen vor, die ins Schwarze Meer führen. Über den Schiffsverkehr ist die invasive Art mittlerweile auch in andere Gewässer der Welt gekommen, etwa nach Amerika oder eben an den Bodensee.

Quagga-Muschel und Co. – invasive Arten in Baden-Württemberg vermehren sich

Auf Facebook interessiert die User aber noch eine ganz andere Frage zur Quagga-Invasion. „Kann man die Muschel essen?“ Eher nicht, ist die richtige Antwort. Giftig ist die Quagga-Muschel zwar nicht, aber deutlich zu klein. Ganz anders sieht das im Meer aus, wo die giftigsten Tiere der Welt leben. Doch egal, ob Fisch, Muschel oder Mücke – das Problem ist, dass invasive Arten zwar schnell ins Land kommen, aber nur schwer wieder loszuwerden sind. Im Fall der Quagga-Muschel gibt es bisher noch keine Lösung, wie man die Verbreitung im Bodensee stoppen kann.

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