1,8 Kilo Koks im Spind: Drogenfahnder muss in Haft

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Die 1,8 Kilo Kokain wollte der Angeklagte nach eigenen Angaben selbst verbrauchen. Foto: David Ebener/Illustration

Kempten (dpa) - Der Skandal bei der Kemptener Polizei hatte vor einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Ausgerechnet beim obersten Drogenfahnder wurden 1,8 Kilo Kokain gefunden. Am Montag wurde der Kriminalbeamte zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht Kempten sprach ihn unter anderem wegen Drogenbesitzes, gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Ehefrau schuldig. Mit dem Urteil hielt es sich an eine zwischen den Verfahrensbeteiligten ausgehandelte Vereinbarung. Für den Fall eines Geständnisses war ein Strafrahmen von sechseinhalb bis sieben Jahren festgelegt worden.

Nach einem Jahr und drei Monaten in Haft soll der Verurteilte in eine Entziehungsanstalt verlegt werden. Wie der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung sagte, besteht bei dem 53-Jährigen der Hang zu übermäßigem Konsum von Alkohol, Drogen und Medikamenten. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es dazu kommen würde, dass er im berauschten Zustand eine Straftat begeht.

In der Nacht zum 15. Februar 2014 hat der Angeklagte seine Frau im gemeinsamen Haus im Oberallgäu gewürgt und vergewaltigt. Noch in der selben Nacht war er von Polizeibeamten in seinem Auto gestoppt und festgenommen worden. Dabei war er mit knapp 1,5 Promille erheblich alkoholisiert und stand unter dem Einfluss von Medikamenten. Später entdeckten die Kollegen in seinem Dienstschrank das Kokain. Es war es nicht das erste Mal, dass der Angeklagte seine Frau angegriffen hat. Bereits zuvor hatte er sie gewürgt und geschlagen. Auf der Flucht vor ihrem Ehemann stürzte sie vom Balkon aus dem ersten Stock und verletzte sich dabei an der Wirbelsäule.

Die zentrale Frage des Verfahrens, wie der Angeklagte an die Drogen gelangte, konnte nicht abschließend geklärt werden. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Er habe das bei ihm gefundene Kokain für sich verwenden wollen. Es sei ihm zu dienstlichen Zwecken überlassen worden - "insbesondere für Schulungszwecke", sagte er. Zur Herkunft machte er jedoch keine Angaben. Sein Erinnerungsvermögen sei durch den Konsum von Drogen beeinträchtigt.

Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft beantragt, die Verteidigung forderte sechseinhalb Jahre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte, ihm täten die Taten leid. "Ich bitte um eine zweite Chance." Bereits vor Prozessbeginn hatte ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden. 35 000 Euro hat der Angeklagte an seine Ehefrau gezahlt.

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