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US-Forscher entdecken "zweite Erde"

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US-Wissenschaftler haben möglicherweise einen sogenannten bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt (Archivbild).

Washington - Ist da draußen jemand? US-Forscher melden die Entdeckung des bislang erdähnlichsten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Doch ob dort irgendwelches Leben wimmelt, ist völlig unklar.

US-Astronomen haben nach eigenen Angaben den ersten wirklich lebensfreundlichen Planeten bei einem anderen Stern aufgespürt. Der ferne Planet ist vermutlich etwas größer und schwerer als unsere Erde und liegt mitten in der sogenannten bewohnbaren Zone seines Sonnensystems, wo Wasser flüssig wäre. Das berichtete die US- Raumfahrtbehörde NASA am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. Flüssiges Wasser gilt als wichtigste Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen. Ob auf dem fernen Planeten allerdings irgendetwas lebt, ist noch völlig unbekannt. Die Bedeutung der Entdeckung sehen die Forscher auch woanders: Der Fund deute darauf hin, dass es in unserer Galaxie vor potenziell bewohnbaren Planeten nur so wimmele, betonte die US-Wissenschaftsstiftung NSF.

Der sogenannte Exoplanet umkreist den Stern Gliese 581, eine kleine rote Sonne im Sternbild Waage. Der 20 Lichtjahre entfernte Stern hat ein ganzes Planetensystem mit insgesamt sechs Begleitern. Schon früher hatten Astronomen den Fund möglicherweise bewohnbarer Planeten in dem System gemeldet. “Wir wussten von zwei Planeten auf beiden Seiten der bewohnbaren Zone - einer davon zu heiß, der andere zu kalt“, urteilte nun allerdings der Leiter der neuen Studie, Steven Vogt von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz. “Jetzt haben wir einen in der Mitte, der gerade richtig liegt.“ Vogt und seine Kollegen stellen die Entdeckung im Fachblatt “The Astrophysical Journal“ vor.

Von allen knapp 500 bislang entdeckten Exoplaneten sei dieser der erdähnlichste, betonte die NSF. Potenziell bewohnbar heißt für die Astronomen allerdings nicht notwendigerweise, dass Menschen es dort gut aushalten könnten.

Mond oder Erde?

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Plätze an denen sich Himmelsplanet und Erde ziemlich ähnlich sind: 1. Bolivien: Valle de la Luna – Mondtal. Es liegt ungefähr zehn Kilometer südöstlich der Stadt La Paz. Das Mondtal entstand im Lauf von Millionen Jahren durch Erosion. © dpa
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Im Valle de la Luna finden sich zahlreiche Formationen aus Salzgestein. © dpa
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2. Chile: Die Atacama-Wüste im Norden Chiles ist etwa 15 Millionen Jahre alt und gilt als die trockenste Wüste weltweit. © dpa
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3. Kalifornien: Von Gott verlassen, aber mit himmlischer Ruhe gesegnet: Das Death Valley ist der trockenste Nationalpark der USA, umschlossen von mehreren Gebirgen. © dpa
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4. Hawai: Der Volcanoes National Park auf Hawaii sieht fast mehr nach Mond aus als der Mond selbst. Millionen Jahre waren Vulkane hier aktiv und haben eine dramatische Landschaft geschaffen. © dpa
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5. Island: Fast so einsam wie auf dem Mond ist es hier. Und die Landschaft aus Felswüsten, Eiskappen und kahlen Gipfeln ist ähnlich schroff – ein Kunstwerk aus Stein und Sand. © dpa
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6. Lanzarote: Die 845 Quadratkilometer große Kanareninsel Lanzarote ist zu drei Vierteln mit Lava bedeckt, ausgespieen von etwa 100 Vulkanen in den Jahren 1730 bis 1736. © dpa
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7. USA: Der Mono Lake ist ein alkalischer See mit hohem Salzgehalt, der gespickt ist mit märchenhaften Steinformationen und vulkanischen Inseln. © dpa
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8. Namibia: Das Dead Vlei ist eine Ton- und Salzpfanne mit einer Wüstenlandschaft, die kein Wasser mehr erreicht. © dpa
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9. Neuseeland: Vulkangestein und türkisblaues Wasser. © dpa
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10. Teneriffa: Der Pico del Teide ist mit über 3700 Metern der dritthöchste Inselvulkan der Erde. © dpa

Der neue Fund bekam die Bezeichnung Gliese 581g. Er besitzt etwa drei Mal mehr Masse als die Erde und einen 20 bis 40 Prozent größeren Radius - sofern er aus Gestein besteht, was bei solchen kleinen Planeten aber anzunehmen ist. Wie die Erde umrundet er seine Sonne auf einer fast kreisförmigen Bahn, allerdings sehr viel schneller: Das Jahr auf Gliese 581g dauert nur knapp 37 Erdentage. Entsprechend steht er seiner Sonne viel näher, er ist nur ein Sechstel so soweit von seinem Heimatstern entfernt wie die Erde von der Sonne. Da der rote Zwergstern jedoch deutlich schwächer strahlt als unsere Sonne, liegt Gliese 581g dennoch mitten in der bewohnbaren Zone.

Der größte Unterschied zur Erde ist, dass es auf Gliese 581g nach Angaben der Astronomen keine Tageszeiten gibt. Der Planet vollführe eine sogenannte gebundene Rotation, er wendet seinem Stern also immer dieselbe Seite zu - so wie der Mond der Erde auch stets dieselbe Seite zuwendet. Auf der Tagseite des Exoplaneten dürfte daher höllische Hitze herrschen, auf der Nachtseite ewiger Frost. Die Astronomen sehen darin die Chance, das Lebensformen sich in der jeweils für sie günstigsten Klimazone ansiedeln könnten. Denn an der Tag-Nacht-Grenze herrschen durchaus gemäßigte Temperaturen. Wer es heißer mag, bewegt sich in Richtung Tagseite, kälteliebende Organismen wandern dagegen zur Nachtseite.

Ob es auf Gliese 581g Leben gibt, wird wohl ungeklärt bleiben, zumindest für lange Zeit. Denn das Planetensystem liegt mit einer Entfernung von 20 Lichtjahren im kosmischen Maßstab zwar vor unserer Haustür. Zum Vergleich: Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, hat einen Durchmesser von 100 000 Lichtjahren. Dennoch ist selbst ein unbemannter Flug dorthin zum gegenwärtigen Stand der Technik ausgeschlossen. Selbst ein Funkspruch benötigt 20 Jahre - für die einfache Strecke. Die Astronomen haben nur die Chance, einmal eine Atmosphäre bei dem fernen Planeten nachweisen zu können und darin vielleicht Stoffwechselprodukte aufzuspüren, die auf Lebensformen hinweisen könnten.

Doch der Fund sagt den Forschern noch etwas ganz anderes: Angesichts der relativ kleinen Zahl von Sternen, die bislang von der Menschheit untersucht wurden, sei der Fund eines so erdähnlichen Planeten überraschend früh gekommen. “Wenn diese selten wären, hätten wir keinen so schnell und so nah finden sollen“, sagte Vogt. “Die Zahl der Systeme mit potenziell bewohnbaren Planeten liegt daher wahrscheinlich in der Größenordnung von 10 bis 20 Prozent.“ Allein unsere Milchstraße besitzt mindestens 200 Milliarden Sonnen. “Es könnte also Zig Milliarden solcher Systeme in unserer Galaxie geben.“

Für die Entdeckung kombinierten die Forscher elf Jahre Beobachtungsdaten. Gliese 581g wiesen sie dabei indirekt über die Schwerkraft nach, mit der dieser Planet an seinem Heimatstern rüttelt und diesen damit ganz leicht ins Schwanken bringt. Dabei stießen sie noch auf einen zweiten Planeten (Gliese 581f) und bestätigten die schon früher gefundenen vier Planeten Gliese 581b bis Gliese 581e.

Von Marco Mierke und Till Mundzeck

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