1. tz
  2. Welt

Nach Messerattacke auf Rushdie: Iran gibt Autor die Schuld für den Angriff - London nennt es „abstrus“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lukas Einkammerer, Christoph Gschoßmann

Kommentare

Seit 30 Jahren wird Salman Rushdie vom Iran mit dem Tode bedroht. Am Freitag wurde der weltbekannte Autor in New York mit einem Messer attackiert.

Update vom 16. August, 16.30 Uhr: Der britisch-indische Autor Salman Rushdie befindet sich nach dem Angriff auf einem guten Weg der Besserung, wie seine Familie mitteilte. Derweilen streitet der Iran jegliche Verbindungen zu dem Angreifer und der Tat von sich, wie die dpa berichtete. „Es gibt keine Verbindung zwischen dem Iran und dem Täter“, erklärte Außenamtssprecher Nasser Kanaani am Montag, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna berichtete. Für die Tat wird der Autor selber verantwortlich gemacht. Denn Rushdie habe mit seinem Werk nicht nur den Iran, sondern Muslime weltweit beleidigt, sagte Kanaani.

Als „abstrus“ bezeichnete ein Sprecher des britischen Premierministers Boris Johnson die Schuldzuweisung aus Teheran. Der Angriff auf Rushdie sei auch ein Angriff auf die Redefreiheit gewesen. „Die britische Regierung steht sowohl hinter ihm und seiner Familie als auch für die Redefreiheit auf der ganzen Welt ein“, sagte er. Der britische Premier-Kandidat Rishi Sunak forderte Sanktionen gegen den Iran.

Nach dem Messerangriff auf den Schriftsteller Rushdie weist Iran die Schuld von sich und macht den Autor selbst für den Anschlag verantwortlich.
Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie bei einer Lesung in Köln im Jahr 2017. ©  Henning Kaiser/dpa

Auch die USA meldeten sich zu dem Anschlag zu Wort. Der US-Außenminister Antony Blinken kritisierte den Iran in einer Mitteilung vom Sonntag, wie die dpa berichtete. „Speziell staatliche iranische Einrichtungen haben über Generationen zu Gewalt gegen Rushdie aufgerufen, und staatliche Medien haben sich jüngst an dem Angriff auf sein Leben ergötzt“, hieß es dort. Dies sei „verachtenswürdig“.

Nun äußerte sich auch die Mutter des festgenommenen Angreifers. Diese sagte, dass sich ihr Sohn während eines Aufenthalts im Libanon radikalisiert habe. Durch seine Reise in ihr Geburtsland habe sich ihr Sohn „sehr verändert“, wie die Mutter in einem exklusiven Interview mit der britischen Zeitung „Daily Mail“ erzählte. Der 24-jährige Attentäter habe sich nach der Reise im Keller isoliert und kaum noch mit der Familie gesprochen. Der Angreifer wurde in den USA geboren und wuchs in Kalifornien auf. Später zog die Familie in den US-Bundesstaat New Jersey, während der Vater zurück in den Libanon kehrte.

„Sinn für Humor intakt“ - Familie gibt nach Messerangriff auf Autor Salmon Rushdie Gesundheitsupdate

Update vom 14. August, 19.31 Uhr: Nach der Messerattacke auf Salman Rushdie in den USA befindet sich der Schriftsteller nach Angaben seiner Familie und seines Agenten auf dem Weg der Besserung. Für den 75-Jährigen habe ein langer „Weg der Genesung“ begonnen, teilte sein Agent Andrew Wylie am Sonntag in einer Erklärung an die Washington Post mit. Der mutmaßliche Angreifer erklärte sich in einer Gerichtsanhörung am Samstag für nicht schuldig.

„Die Verletzungen sind ernst, aber sein Zustand entwickelt sich in die richtige Richtung“, führte Rushdies Agent Wylie aus. Die Genesung werde aber ein langwieriger Prozess sein.

Rushdies Familie äußerte sich „extrem erleichtert“, dass der 75-Jährige seit Samstag nicht mehr auf ein Beatmungsgerät angewiesen sei. „Obwohl seine lebensverändernden Verletzungen ernst sind, bleibt sein üblicher forscher und aufsässiger Sinn für Humor intakt“, erklärte sein Sohn Zafar Rushdie im Onlinedienst Twitter.

Drohungen auch gegen J.K. Rowling

Update vom 14. August, 16.30 Uhr: Aufgrund einer Drohung gegen die Autorin J.K. Rowling hat die schottische Polizei die Ermittlungen eingeleitet. Die britische Schriftstellerin, die mit der „Harry Potter“-Reihe weltweite Erfolge feiern konnte, hatte auf Twitter ihre Unterstützung für Salman Rushdie deutlich gemacht. Ein inzwischen wieder gelöschter Kommentar, der als Antwort auf Rowlings Post verfasst wurde, lautete: „Mach dir keine Sorgen, du bist die Nächste.“

Der Twitter-Nutzer, der vermutlich in Pakistan lebt, hatte bereits zuvor auf der Kurznachrichtenplattform den Angriff auf Rushdie gelobt. Nachdem Rowling die Drohung an die Twitter-Moderatoren weitergeleitet hatte, kündigte sie an, dass die Polizei ebenfalls informiert worden wäre.

Update vom 14. August 11.30 Uhr: Nachdem Salman Rushdies Agent am Wochenende bestätigte, dass er sich nach der Messerattacke wieder auf dem Weg der Besserung befände und wieder sprechen könne, drückte der Schriftstellerverband PEN nun seine Solidarität mit dem indisch-britischen Autor aus. „Als Zeichen unserer Solidarität mit diesem mutigen Kämpfer für die Freiheit des Wortes ernennt das Präsidium des PEN-Zentrums Deutschland Salman Rushdie zum Ehrenmitglied“, verkündete Claudia Guderian, die Generalsekretärin des PEN Deutschland, laut Mitteilung vom Sonntag. 

Update vom 14. August, 8.30 Uhr: Es scheint so, als befände sich Salman Rushdie wenige Tage nach der Messerattacke im US-Bundesstaat New York wieder auf dem Weg der Besserung. Wie die BBC berichtet, soll der 75-Jährige laut Angaben seines Agenten Andrew Wylie nicht mehr künstlich beatmet werden und könne sogar wieder sprechen. „Weiterhin Gebete von uns allen“, schreibt Michael Hill, der Präsident der Chautauqua Institution, wo Rushdie am Freitag zum Zeitpunkt des Anschlags einen Vortrag hielt, auf Twitter.

Update vom 14. August, 6.46 Uhr: Nach der Messerattacke auf Schriftsteller Salman Rushdie im US-Bundesstaat New York bangt die westliche Welt weiter um den schwer verletzten Autor. Der in einer Klinik in Erie in Pennsylvania untergebrachte Rushdie begann am Samstag (13. August) nach Angaben seines Agenten Andrew Wylie gegenüber der New York Times wieder zu sprechen. Der nach Polizeiangaben als Angreifer identifizierte Hadi Matar erklärte sich indes am Samstag vor einem New Yorker Gericht für nicht schuldig.

Der Autor Salman Rushdie wird versorgt, nachdem er auf einer Bühne angegriffen wurde.
Der Autor Salman Rushdie wird versorgt, nachdem er auf einer Bühne angegriffen wurde. © Joshua Goodman/ dpa

Gegen den 24-Jährigen wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Zu seinem Motiv war weiterhin nichts bekannt. Er hatte bei der Attacke am Freitag zehn Mal auf Rushdie eingestochen, berichtete die New York Times unter Berufung auf Ermittler. Der Mann traf Rushdie mehrfach in Hals und Bauch, der Autor wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen und notoperiert.

Rushdie, zu dessen Tötung 1989 Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Khomeini wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed in einer Fatwa aufgerufen hatte, wurde in der Klinik an ein Beatmungsgerät angeschlossen und könnte ein Auge verlieren, wie sein Agent erklärte. „Die Nachrichten sind nicht gut“, so Andrew Wylie gegenüber der New York Times. Seine Leber sei durch einen Stich geschädigt worden.

Der laut Polizei als Hadi Matar identifizierte Angreifer wurde von Zuschauern überwältigt und von einem anwesenden Polizisten festgenommen. Er kommt demnach aus Fairfield im nahe New York gelegenen Bundesstaat New Jersey.

Update vom 13. August, 20.10 Uhr: Der 24-jährige Täter aus New Jersey, Hadi Matar, wurde wegen versuchtem Mord und Körperverletzung angeklagt. Wie die New York Times berichtete, befindet sich Matar im Chautauqua Bezirksgefängnis. Die Motive des Täters bleiben weiterhin unbekannt. Nach aktuellem Wissensstand handelte der Täter allein.

Rushdie-Attacke: Scholz verurteilt den Angriff auf den Schriftsteller

Update vom 13. August, 19.33 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Messerangriff auf den Schriftsteller Salman Rushdie scharf verurteilt. Auf Twitter sprach Scholz am Samstag von einer „abscheulichen Tat“ und wünschte Rushdie viel Kraft für die Genesung. „Die Welt braucht Menschen wie Sie, die sich vom Hass nicht einschüchtern lassen und furchtlos für die Meinungsfreiheit eintreten“, erklärte Scholz weiter.

Rushdie-Attacke: Autor wird künstlich beatmet

Update vom 13. August, 08.10 Uhr: Der Autor Salman Rushdie muss nach Angaben seines Agenten künstlich beatmet werden und könnte sogar ein Auge verlieren. „Die Nachrichten sind nicht gut“, erklärte Agent Andrew Wylie am Freitag nach Angaben der New York Times. „Salman wird vermutlich ein Auge verlieren; die Nerven seines Arms wurden durchtrennt; und seine Leber wurde durch einen Stich getroffen und beschädigt.“ Demnach wurde der britisch-indische Schriftsteller an ein Beatmungsgerät angeschlossen.

Ein 24-Jähriger hatte Rushdie am Freitag bei einer Literaturveranstaltung im Bundesstaat New York attackiert und schwer verletzt. Der 75-jährige Autor der „Satanischen Verse“, zu dessen Tötung 1989 Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Khomeini wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed aufgerufen hatte, wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen und notoperiert.

Der Angreifer wurde von Zuschauern überwältigt und von einem anwesenden Polizisten festgenommen. Das Motiv des 24-Jährigen aus Fairfield im nahe New York gelegenen Bundesstaat New Jersey war zunächst unklar.

Update vom 12. August, 22.20 Uhr: Zu den Hintergründen des Angriffs gibt es bislang keine Details. Ob dieser im Zusammenhang mit der jahrzehntealten Fatwa steht, blieb zunächst offen. Ein Reporter der US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, der Angreifer habe 10 bis 15 mal auf Rushdie eingeschlagen oder gestochen. Der ebenfalls angegriffene Interviewer hat nach Polizeiangaben eine Kopfverletzung.

Wenige Tage vor dem Attentat hatte der weltbekannte Autor dem Magazin Stern gesagt, dass er sich in den USA sicher fühle. „Das ist lange her“, sagte Rushdie im Interview mit Korrespondent Raphael Geiger Ende Juli auf die Frage, ob er noch immer um sein Leben bange, wie das Magazin berichtete. „Für einige Jahre war es ernst“, sagte Rushdie weiter. „Aber seit ich in Amerika lebe, hatte ich keine Probleme mehr.“ Der Autor habe dabei aber auch vor dem politischen Klima und möglicher Gewalt in den USA gewarnt: Das Schlimme sei, „dass Morddrohungen alltäglich geworden sind.“

Update vom 12. August, 19.30 Uhr: Nach Angaben der New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul hat das Eingreifen eines Polizisten dem Autor Salman Rushdie nach einem Angriff das Leben gerettet. „Und ich möchte die Staatspolizei loben, es war ein staatlicher Polizist, der aufstand und sein (Rushdies) Leben rettete, ihn beschützte“, sagte Hochul am Freitag in der Stadt Buffalo. Rushdie sei am Leben und bekomme in einem örtlichen Krankenhaus die Hilfe, die er benötige.

Nach Messerangriff: Salman Rushdies Zustand ist unbekannt

Erstmeldung vom 12. August: Chautauqua - Der seit Jahren mit dem Tode bedrohte Schriftsteller Salman Rushdie ist am Freitag nach US-Medienberichten auf einer Bühne im US-Bundesstaat New York mit einem Messer attackiert worden. Die US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete am Freitag von dem Vorfall im Westen New Yorks unter Berufung auf einen eigenen anwesenden Reporter.

Der Angriff ereignete sich demnach in Chautauqua County. Auf Videobildern war zu sehen, wie Menschen dem indisch-britischen Autor nach dem Angriff zu Hilfe eilten. Die Polizei bestätigte einen Messerangriff vor Ort, machte aber zunächst keine Angaben zur Identität des Opfers.

Polizeiangaben zufolge wurde Rushdie am Hals verletzt. Der 75-jährige Schriftsteller sei mit einem Hubschrauber in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden. „Über seinen Zustand ist nichts bekannt.“  Polizei und medizinische Einsatzkräfte seien zu dem Veranstaltungshaus im Ort Chautauqua gerufen worden, bestätigte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

Schiiten bedrohen Autor - Rushdies Angreifer in New York festgenommen

Wegen seines Werks „Die satanischen Verse“ (1988) war Rushdie einst mit einer Fatwa belegt worden, die zu seiner Tötung aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt, der schiitische Führer hatte ihm „Gotteslästerung“ vorgeworfen. Irans Revolutionsführer Ajatollah Khomeini erließ ein islamisches Rechtsgutachten, das zur Tötung Rushdies und all derer aufrief, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz.

Die US-Zeitung New York Times zitierte eine Zeugin: „Es gab nur einen Angreifer“. Und weiter: „Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses, schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu.“  Der Täter sei am Freitag in der Veranstaltungshalle im Ort Chautauqua festgenommen worden, teilte die New Yorker Polizei mit. Um 11.00 Uhr vormittags (Ortszeit, 17.00 Uhr MESZ) „rannte der männliche Verdächtige auf die Bühne und griff Rushdie und einen Interviewer an“, hieß es. (sf/le/dpa/AFP)

Auch interessant

Kommentare