„Wie aus einer anderen Welt“

„Brood X“: Wie im Horrorstreifen! Plage steht erstmals seit 17 Jahren direkt bevor - wohl erste Vorboten da

Zwei Zikaden
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Zwei Zikaden in einem Park in Washington, DC, aufgenommen im Mai 2004.

Wie im Horrorfilm! Eine Plage steht in den USA unmittelbar bevor, die ersten Vorboten sind wohl schon da. Ein Experte erklärt das Phänomen.

Washington - Faszinierendes Spektakel oder Grusel-Invasion? Ein seltenes Naturphänomen wird in Kürze über Teile der USA hereinbrechen. Milliarden, wenn nicht Billionen Zikaden aus der „Brood X“-Gruppe werden auf der Bildfläche erscheinen. Das Ungewöhnliche: Sie zeigen sich nur alle 17 Jahre. Im Mai 2021 soll es nun wieder so weit sein.

Brood X: Milliarden oder Billionen Zikaden kommen zum Vorschein

„Es ist wirklich ziemlich einzigartig“, sagte der Evolutionsbiologe John Cooley von der Universität von Connecticut in Hartford laut einem Vorabbericht der Nachrichtenagentur AFP aus dem März. „Die Zikaden haben einfach einen 17-jährigen Lebenszyklus.“ Dieser läuft immer gleich ab. „Sobald der Boden eine bestimmte Temperatur erreicht, etwa 17 Grad Celsius, kommen die Larven aus dem Boden und häuten sich“, erklärt der Biologe. „Dann hängen sie etwa eine Woche lang in der Vegetation herum.“ Anschließend beginnen sie mit ihrem „Erwachsenenverhalten“, wie Cooley es nennt. Man könnte es auch als gigantische Insekten-Orgie bezeichnen. Denn darum geht es einzig und allein: um die Fortpflanzung.

„Das Geräusch, das man hört, ist das der Männchen, die die Weibchen anlocken“, sagt der Wissenschaftler. Die Weibchen legen ihre Eier auf Bäumen ab und sterben kurz darauf. Der Boden ist dann mit toten Insekten übersät.

Brood X: Zikaden warteten lange im Untergrund

Nach sechs bis acht Wochen schlüpfen die Larven und graben sich in den Boden ein, wo sie sich 17 Jahre lang vom Saft der Baumwurzeln ernähren, bis der Zyklus von Neuem beginnt. Dieses Frühjahr werde mit „Milliarden und vielleicht sogar Billionen“ Zikaden gerechnet, sagt Cooley.

Die „Brood X“-Zikaden kamen zuletzt 1987 und 2004 an die Oberfläche. „Es war wie in einem Science-Fiction-Film. Unheimlich, wie aus einer anderen Welt.“ Melanie Asher erinnert sich noch genau an die Zikaden-Invasion, die sie als Kind 1987 im Washingtoner Vorort Bethesda erlebte.

Fast zwei Jahrzehnte leben die Larven in der Erde, bevor sie dann in Massen hervorkommen und mit ohrenbetäubendem Lärm die Luft erfüllen - in einem enorm großen Gebiet, das von Washington im Osten über Illinois im Mittleren Westen bis nach Georgia im Süden reicht. Ihr Leben über der Erde ist kurz - gerade lang genug, um sich zu paaren und Eier zu legen.

Brood X: Vorboten von Zikaden-Invasion wohl schon da

2021 werden die Zikaden im Mai erwartet, je nach Witterung in manchen Regionen auch früher. Die ersten Vorboten sind wohl schon da, glaubt man - natürlich unbestätigten - Instagram-Postings. Verschiedene Nutzer zeigten bereits einzelne gefundene „Brood X“-Zikaden. Etwa diese Userin aus Falls Church, Virginia. Die nach eigenen Angaben eine „Brood X“-Zikade einer Krähe zum Fraß vorgeworfen habe. „Wusstet ihr, das diese Zikaden wie Sushi für Vögel sind?“, fragt sie. Auch ob es sich um eine der „Brood X“-Zikaden handelt, ist natürlich nicht gesichert.

Die Ankunft der daumengroßen Insekten mit den roten Glubschaugen ist ebenso spektakulär wie selten. Melody Merin erlebte die letzte Invasion 2004 in Washington. „Sie flogen einfach überall hin“, erzählt die 46-Jährige. Es sei schwer gewesen, ihnen zu entkommen. Autofahren mit offenem Fenster - undenkbar.

Peter Peart aus dem Washingtoner Stadtteil Columbia Heights hat das Zikaden-Spektakel schon zweimal mitbekommen. „Es ist laut, ununterbrochen“, sagt der Rentner. Dennoch freut er sich auf die Zikaden in ein paar Wochen - vor allem auf die erstaunten Gesichter derer, die ihnen zum ersten Mal begegnen.

Brood X: Es gibt sogar Fan-Artikel zur Zikaden-Invasion

Viele dürfte es vor dem Spektakel gruseln - andere freuen sich darauf, wie zahlreichen Instagram-Wortmeldungen zu entnehmen ist. Und es gibt sogar Fan-Artikel für die „Brood X“-Zikaden. T-Shirts wie Schmuckstücke etwa. Ob man sich davon positiv in den Bann ziehen lässt oder es eher als Horror empfindet: Die Zikaden-Invasion lässt vor Ort wohl keinen kalt.

Bei YouTube kursieren Videos, die vergangene Zikaden-Invasionen zeigen. Darunter etwa diese Amateuraufnahmen, bei denen vor allem die Lautstärke der Zikaden beeindruckt. Auch hier ist die Echtheit nicht bestätigt, es deutet aber auch nichts auf einen Fake hin. Willkommen im Horrorfilm:

Indem sie in Massen und nur in großen Abständen auftreten, können die Zikaden Fressfeinden entkommen. Denn selbst wenn Eichhörnchen, Vögel, Waschbären und Hunde sich tagelang die Bäuche mit den Insekten vollschlagen, werden immer noch genügend Zikaden überleben.

Anders als eine Invasion von Heuschrecken richten die Zikadenschwärme keinen Schaden an. Nur den nach einem Jahr Pandemie sehnlich erwarteten Frühling könnten die Insekten den Menschen in den USA ein bisschen vermiesen. Zusammen mit tausenden lärmenden Zikaden macht ein Picknick im Park nur noch halb so viel Vergnügen. Etwas weniger gruselig, aber schon angsteinflößend ist diese Entdeckung unter Lidl-Angeboten. (AFP/dpa)

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