Rassismus-Vorwurf

Vater verklagt Schule auf Millionensumme – weil diese seiner Tochter die Haare schnitt

Friseurbesuch
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Dass ein Haarschnitt auch schnell mal den Job kosten kann, musste eine Lehrerin einer Grundschule in den USA erleben. Sie wurde deshalb vor dem Bundesgericht verklagt. (Archivfoto)

Nachdem eine Lehrerin einer Grundschule in den USA einer Schülerin die Haare geschnitten hatte, wurde sie aufgrund von Rassismus und Eingriff in die Persönlichkeitsrechte angeklagt.

Mount Pleasant – Der Schreck war groß, als die kleine Jurnee im März nachhause kam: Ihre Locken fehlten. Eine Lehrerin hatte der 7-jährigen Grundschülerin ohne Erlaubnis die Haare abgeschnitten. Nun geht der Fall vor Gericht – ihr Vater geht von rassistischen Motiven aus.

Eines Nachmittags im März sei Jurnee nachhause gekommen und ein Großteil ihrer lockigen Haare auf der einen Seite ihres Kopfes haben gefehlt. Die 7-Jährige erklärte ihrem Vater, eine Lehrerin habe ihr die Haare geschnitten – angeblich um sie zu glätten. Einige Tage vor dem Vorfall habe eine Mitschülerin im Bus bereits den Großteil ihrer Locken auf der anderen Seite des Kopfes abgeschnitten. Daraufhin sei die Familie zum Friseur gefahren, um die Haare zu richten. Doch die junge Schülerin kam kurze Zeit später erneut mit gekürztem Haar nach Hause.

USA: Nach Haarschnitt-Skandal an Schule – Rassismusvorwurf und Anklage

Jimmy Hoffmeyer, der Vater der 7-jährigen Jurnee, hat die Mitarbeiter der Mount Pleasant Grundschule in Michigan (USA) nun auf eine Million Dollar Schadensersatz verklagt. Die Klage wurde vom Bundesgericht gegen die Mount Pleasant Public Schools eingereicht, wie das Onlinenachrichtenportal MLive.com berichtet. Demnach hieß es, durch den Haarschnitt seien die verfassungsmäßigen Rechte des Mädchens verletzt worden. Hoffmeyer klagte aufgrund von Diskriminierung, ethnischer Einschüchterung und dem vorsätzlichen Zufügen von seelischem Leid und Körperverletzung an.

Jurnee‘s Vater vermutet einen rassistischen Hintergrund, weil das Mädchen die Tochter einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters sei. Warum es tatsächlich zu dem Eingriff durch die Lehrkraft kam, ist bisher unklar. Das Schulamt teilte nach internen Untersuchungen mit, man habe der Lehrkraft einen Verweis ausgestellt, da ihr Verhalten ohne Erlaubnis der Eltern und ohne Wissen der Bezirksverwaltung geschah und damit gegen die Schulpolitik verstieß, wie MLive.com zitiert. Erst kürzlich kam es auch an einer anderen US-amerikanischen Schule zu Rassismus-Verdacht.

USA: Nach Haarschnitt bei Schülerin - Lehrerin verwarnt

Bei erneutem Verstoß gegen die Richtlinien könnte dies in einer Kündigung der Lehrerin resultieren. „Wir glauben, das Ausstellen eines Verweises für die beschuldigte Lehrerin ist angemessen in Anbetracht ihres sonst herausragendem Verhaltens in über 20 Jahren, die sie für das Schulwesen arbeitet“, hieß es in einem Schreiben. Zwei weitere Kollegen, die von dem Vorfall gewusst, ihn aber nicht gemeldet haben sollen, wurden verwarnt.

Nach Angaben des Nachrichtenportals, das sich auf die Aussage des Schulamts bezieht, hätten alle drei Angestellten sowie der Oberschulrat sich inzwischen für den Vorfall entschuldigt. Die Bezirksverwaltung führte auch eine interne Untersuchung des Vorfalls durch: Die Mitarbeiter der Mount Pleasant Grundschule hätten mit guter Absicht gehandelt. Trotz allem seien die Entscheidungen und Handlungen nicht akzeptabel und geprägt von mangelndem Urteilsvermögen.

Anklage vor US-Gericht: Weil eine Lehrerin unerlaubt die Haare einer Schülerin schnitt

„Unser Hauptziel der internen Untersuchung war es, Fakten ans Licht zu bringen, von dem Vorfall zu lernen und unseren Bezirk noch mehr zu stärken“, ergänzte das Schulamt. „Dazu zählt es auch, anzuerkennen, wenn wir nicht nach unserem höchsten Standard gearbeitet haben“. Jurnees Vaters gibt sich damit jedoch nicht zufrieden: Der Bezirk habe weder ihn noch das Mädchen befragt, erklärt er, weshalb der Fall jetzt am Gericht entschieden werden soll. Ein Datum für die Verhandlung steht noch nicht fest. Jurnee besucht unterdessen eine andere Schule.

Tatsächlich gibt es seit 2019 in einigen Bundesstaaten den sogenannten National Crown Act. Dieser wurde vom Unternehmen Dove und der CROWN Koalition ins Leben gerufen, um Personen vor Diskriminierung am Arbeitsplatz und der Schule aufgrund ihrer Frisur zu schützen. Nach einer Studie, die von Dove selbst durchgeführt wurde, seien schwarze Frauen in den USA 1,5 Mal häufiger davon betroffen, aufgrund ihrer Frisur von der Schule oder dem Arbeitsplatz verwiesen oder nach Hause geschickt zu werden. Diese oder ähnliche Gesetze wurden bereits in den US-Bundesstaaten New York, New Jersey, Virginia, Colorado, Washington, Maryland, Delaware, Connecticut, New Mexico, und Nebraska verabschiedet, um ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Diskriminierung und rassistischen Übergriffen – wie Beispiele aus München zeigen. (klb)

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