Tödliches Trinkwasser

Hirnfressende Amöben im US-Leitungswasser - Ist das auch in Deutschland möglich?

Eine Horror-Vorstellung: Amöben, die über die Nase das Gehirn befallen. In einer US-Stadt ist das zur Realität geworden. Hier lauert der Parasit im Trinkwasser.

  • Der Todesfall eines 6-Jährigen löst in der Nähe von Texas eine Trinkwasser-Panik aus
  • Der Junge wurde von einer hirnfressenden Amöbe befallen
  • Der Parasit befällt das Gehirn durch die Nase und führt zu einer meist tödlichen Hirnhautentzündung

Lake Jackson - Der Fall des 6-jährigen Josiah McIntyre in Texas, könnte auch Fernsehserien wie Dr. House entsprungen sein: An einem Tag spielte der Amerikaner mit seinen Geschwistern noch fröhlich im örtlichen Wasserpark. Am nächsten Tag bringen den Jungen plötzliche Kopfschmerzen und Erbrechen in die Notaufnahme. Was wie ein harmloser Virus wirkte, stellte sich schließlich als tödliche Gefahr heraus: Sein Gehirn wurde von hirnfressenden Amöben zersetzt, den Naegleria Fowleri.

Wie CNN berichtet, ist die Stadt Lake Jackson, mit 27.000 Einwohnern jetzt in Alarmbereitschaft. Insgesamt acht Gemeinden im Süden Texas sollen auf Leitungswasser verzichten. Denn über das Wasser verbreitet sich Naegleria Fowleri. Modesto Mundo, Stadtdirektor in Lake Jackson, kündigte deshalb am Dienstag an, das örtliche Leitungswasser-System binnen sechzig Tagen komplett zu reinigen und zu desinfizieren - Tests auf die tödliche Amöbe müssen dann entscheiden wie es weitergeht.

US-Stadt warnt vor „hirnfressenden" Amöben: Mit starken Kopfschmerzen fängt es an

In der Regel löst der einzellige Parasit Naegleria Fowleri eine Primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) aus, wie das Robert-Koch Institut in seiner Zusammenfassung erklärt. Diese Art von Hirnhautentzündung ist in den meisten Fällen tödlich und nicht heilbar, beziehungsweise nur schwer therapierbar. Ähnlich wie bei einer klassischen Hirnhautentzündung können die Patienten unter sehr starken Kopfschmerzen, Übelkeit, einen steifen Nacken und später Desorientierung leiden. Das Gehirn schwillt an und in den meisten Fällen stirbt der Patient innerhalb von 12 Tagen.

Gehirnfressende Amöben: Sehr selten und in Deutschland unwahrscheinlich

Wie das RKI berichtet ist ein Befall allerdings sehr selten und besonders in warmen, abgestanden Gewässern möglich. Auch gelangt der Erreger primär über die Nase in den Kopf. Meist passiert das erst beim Schwimmen oder Tauchen. Während es in den Südstaaten der USA bereits vereinzelte Fälle gab, wurde in Deutschand noch keine Naegleria Fowleri nachgewiesen. Zu wenig tropisch sind hierzulande die Gewässer. Die Centers of Disease Control and Prevention (CDC) listete in den letzten zehn Jahren lediglich 34 Fälle. Auch in Lake Jackson sind bisher keine weiteren Fälle aufgetreten. Trotzdem sind alle Bewohner dazu aufgerufen, ihr Wasser sicherheitshalber abzukochen. In Deutschen Badeseen kann es eher zu harmloseren aber unangenehmen Parasiten, wie diesen Sommer am Tegernsee.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa/picture alliance

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