Seit Teenager-Alter im Todestrakt

Jahrzehnte lang zu Unrecht zum Tode verurteilt: US-Brüder erhalten historischen Millionen-Schadensersatz

1983 wurden zwei Brüder in den USA wegen Vergewaltigung und Mordes zu Unrecht schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Nun sind die beiden frei und erhalten eine hohe Summe an Schadensersatz.

Raleigh - Anwalt Des Hogan nannte es gegenüber der Nachrichtenagentur AFP „das beträchtlichste Jury-Urteil in einem Fall fälschlicher Verurteilung in der Geschichte der USA“. Seinen Mandanten, die Halbbrüder Henry Lee McCollum und Leon Brown, ist eine Entschädigungssumme von 84 Millionen Dollar (69,2 Millionen Euro) zugesprochen worden. Zuvor saßen sie 31 Jahre lang zu Unrecht in einem Gefängnis in North Carolina.

1983 wurden die geistig behinderten Brüder wegen Vergewaltigung und Mordes an einem elfjährigen Mädchen zunächst zum Tode verurteilt. Später wurde die Strafe in lebenslange Haft umgewandelt, trotzdem saßen McCollum und Brown über 30 Jahre hinter Gittern. Zum Zeitpunkt der angeblichen Tat waren die beiden 19 und 15 Jahre alt. Nach eigenen Angaben wurden sie damals von der Polizei zu einem unterschriebenen Geständnis gezwungen. Die Anwälte ließen außerdem verlauten, McCollum und Brown seien nicht nur sehr verängstigt gewesen, sondern hätten zusammen auch noch einen niedrigen IQ.

Henry Lee McCollum und Leon Brown: DNA-Spuren führten zu wahrem Täter

Die Urteile wurden 2014 aufgehoben, weil die DNA-Spuren eines anderen Mannes am Tatort gefunden wurden. Der gleiche Mann hatte nur einen Monat nach der Tat eine 18-Jährige Frau vergewaltigt und ermordet. Zwar wurde er wegen des zweiten Verbrechens verurteilt, eine Befragung zur ersten Tat hat es jedoch trotzdem nie gegeben.

Vor einem Bundesgericht wurden die Behörden wegen unrechtmäßiger Inhaftierung und Ermittlungsfehlern schließlich verklagt. Die Geschworenen sprachen den Brüdern am Freitagabend 75 Millionen Dollar an Entschädigung und Zinsen zu. In einer Zusatzvereinbarung wurden weitere neun Millionen Dollar zuerkannt. „Die Jury hat festgestellt, dass ihnen nachweislich unerträgliches Unrecht widerfahren ist, und hat getan, was das Gesetz tun kann, um es zu diesem späten Zeitpunkt richtig zu stellen“, erklärte eine Hogan.

Jahrzehnte lang zu Unrecht zum Tode verurteilt: Henry Lee McCollum und Leon Brown „rehabilitiert“

McCollum und Brown seien nun „rehabilitiert“. Von den Geschworenen sei die Botschaft ausgegangen, „dass die alten Zeiten, in denen die Aussagen der Strafverfolger blind über die von Armen, von nicht-weißen Menschen und von Marginalisierten in den ländlichen Bezirken gestellt werden, vorbei“ seien.

Henry McCollum hob außerdem hervor, dass es „immer noch eine Menge unschuldiger Menschen im Gefängnis“ gebe. „Sie verdienen es nicht, dort zu sein“. Insgesamt verbrachte er 31 Jahre im Todestrakt und wurde damit zum längsten Todestrakt-Insassen North Carolinas. Laut eines Berichts von News & Observer leidet sein Bruder Brown unter psychischen Problemen, die er aufgrund seiner Zeit im Gefängnis entwickelte. Er benötigt demnach Vollzeitbetreuung.

Erst im Januar ist In den USA das erste Mal seit fast 70 Jahren wieder eine Frau durch die US-Bundesjustiz hingerichtet worden. Als Celebrity setzt sich vor allem Kim Kardashian stark dafür ein, einen ihrer Ansicht nach zu unrecht verurteilten Mörder aus der Todeszelle zu holen. (ta)

Rubriklistenbild: © Michael Blesecker/AP/dpa

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