Verblüffend ähnlich: Museum zeigt "Eiszeit-Clooney"

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Der Neandertaler im Anzug sieht erstaunlich modern aus

Mettmann - In uns allen schlummert ein bißchen Neandertaler-Erbgut - das ist wissenschaftlich bewiesen. Dass der moderne Mensch dem Eiszeitvorfahr auch äußerlich ziemlich ähnlich ist, zeigt jetzt eine Rekonstruktion.

 Der Neandertaler wird immer noch gern als Steinzeitrambo verunglimpft. Dabei ist der vor rund 30 000 Jahren ausgestorbene Eiszeitmensch unser Vorfahr, haben Wissenschaftler herausgefunden. „Wir sind alle ein bisschen Neandertaler“, lautete die bahnbrechende Erkenntnis nach der Entzifferung von weiten Teilen des Neandertaler-Genoms vor zwei Jahren. Demnach trägt der moderne Mensch außerhalb Afrikas mindestens vier Prozent der Neandertaler-DNA in sich. Auch äußerlich sind wir dem lange verkannten Steinzeitmenschen gar nicht so unähnlich.

Den sichtbaren Beweis für die Verwandtschaft liefert jetzt das Neanderthal Museum in Mettmann bei Düsseldorf. Ein „Steinzeit-Clooney“ in einem grauen Büro-Anzug und mit modischem Fünf-Tage-Bart lehnt seit Freitag an der Waschbeton-Brüstung im hochmodernen Museumsbau im Neandertal. Dort wurden 1856 die Skelettreste des Vorfahren des modernen Menschen gefunden. Die lebensechte Silikon-Rekonstruktion mit kurzem, grausträhnigem Haar dürfte von vielen Besuchern als ihresgleichen wahrgenommen werden.

Auf den zweiten Blick fallen einem dann doch die fliehende Stirn und das ziemlich breite Kreuz auf. Damit es nicht zu Verwechslungen kommt, hält der „Business-Neandertaler“ ein Steinmesser in der Hand. „Wir wollten ihm erst ein iPhone geben“, sagt die stellvertretende Museumsdirektorin Bärbel Auffermann. „Aber dann wollten wir doch den Bruch zeigen.“ Der smarte „Mister vier Prozent“ ist sozusagen der jüngere Bruder des seit 2006 im Foyer stehenden Langhaar- Neandertalers mit Lederschurz und Lederleggins, der sich auf einen Speer stützt.

Welche Neandertaler-Gene im modernen Menschen stecken, ist bisher noch ein Geheimnis. Ist es das Sprachgen oder das Rothaarigen-Gen? Oder die Liebe zum gemütlichen Abend vor dem Kamin? „Auch die Neandertaler saßen am Feuer und haben sich was erzählt“, sagt Auffermann. „Man darf ihn sich nicht primitiv vorstellen.“ So war der Neandertaler nicht etwa ein Höhlenmensch, sondern lebte wohl in zeltähnlichen Behausungen, jagte Wisente, aß aber auch Beeren und konnte aus Gräsern Körbe flechten.

Getroffen haben sich die Neandertaler und der Homo sapiens nach Erkenntnis der Forscher vor etwa 60 000 Jahren im Nahen Osten, auf dem Gebiet des heutigen Israel. Anders als lange angenommen zeugten sie auch gemeinsam Nachwuchs. Kulturelle Ähnlichkeiten zwischen den beiden Menschenarten hatten Archäologen schon lange festgestellt. So trug der moderne Mensch in seinem Lederbeutel die gleichen Werkzeuge wie der Neandertaler. Dennoch geben die niederländischen Präparatoren-Brüder Kennis, die den Neandertaler des 21. Jahrhunderts auf Grundlage der 40 000 Jahre alten Knochenfunde formten, zu: „Es war nicht leicht, aus ihm einen attraktiven Jungen zu machen.“

dpa

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