Unfassbares Urteil

Somalia: Vergewaltigte Frau verurteilt

Mogadischu - Unfassbares Urteil: Statt der mutmaßlichen Täter hat ein somalisches Gericht eine Journalistin verurteilt, die wegen Vergewaltigung geklagt hatte.

Wie die 19-jährige Frau erhielten auch zwei ihrer Kollegen am Montag Freiheitsstrafen.

Richter Hashi Elmi Nur sagte zur Begründung, die Frau sei der Lüge und Diffamierung überführt. Sie muss nun einen sechsmonatigen Hausarrest absitzen.

Zwei für ein Interview mit dem Opfer verantwortliche Journalistenkollegen wurden zu Haftstrafen verurteilt. Der Manager des Rundfunksenders Radio Shabelle, Abdulmalik Yusuf, muss wegen Beleidigung staatlicher Institutionen ein Jahr in Haft. Journalist Mohammed Bashir erhielt sechs Monate. Das Gericht stelle es ihnen jedoch frei, sich gegen die Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von einem Dollar pro Hafttag vom Gefängnisaufenthalt freizukaufen.

Die mutmaßlichen Täter wurden nie gefasst. Nach Aussage der Frau handelte es sich ebenfalls um Journalisten, die sie mit einer Waffe bedroht und vergewaltigt hätten. Die Vereinten Nationen hatten eine "saubere Untersuchung" in dem Fall angemahnt.

Vergewaltigung und die Berichterstattung über Sexualdelikte sind in Somalia äußerst heikle Themen. Erst im Februar waren ein Vergewaltigungsopfer und ein Journalist, der den Fall öffentlich gemacht hatte, wegen Beleidigung von Staatsinstitutionen zu jeweils einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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