Terrorverdächtiger aus Kopenhagen freigelassen

Kopenhagen - Nach der Festnahme von fünf Terrorverdächtigen in Dänemark und Schweden befindet sich einer der Männer wieder auf freiem Fuß.

Der Asylbewerber aus dem Irak gelte aber weiterhin als verdächtig, sagte ein Mitarbeiter des dänischen Geheimdienstes am Donnerstag in Kopenhagen. Weshalb der Iraker freigelassen wurde, teilte der Gewährsmann, der anonym bleiben wollte, nicht mit. Die drei anderen in Dänemark festgenommenen Männer bleiben auf richterliche Anordnung vier Wochen in Untersuchungshaft.

Ebenfalls in Untersuchungshaft muss auch der in Schweden festgenommene 37-jährige Mann tunesischer Herkunft bleiben. Ihm wird die Vorbereitung eines Anschlags zur Last gelegt. Sein Mandat bestreite die Vorwürfe entschieden, sagte sein Anwalt. Schwedische Zeitungen hatten berichtet, dass Sahbi Zalouti, der die schwedische Staatsbürgerschaft inne hat, im vergangenen Jahr mangels gültiger Papiere in Pakistan festgenommen worden war.

Der schwedischen Zeitung “Aftonbladet“ sagte Zalouti, er sei damals nach Pakistan gereist, um andere Muslime zu treffen und Informationen über den Islam zu verbreiten. Er habe seine Papiere verloren, als sein Rucksack gestohlen worden sei. Nach einer kurzen Gefängnisstrafe sei er dann entlassen worden. Westliche Regierungen sind schon seit längerem besorgt über Reisen ihrer Staatsangehörigen nach Pakistan, wo diese Ausbildungslager von Terroristen besuchen.

Nach seiner Freilassung hielt sich der in Dänemark gefasste Iraker nach Angaben seines Bruders bei seinen Eltern auf. “Mein Bruder ist unschuldig. Er wird als Terrorist bezeichnet, weil er ein frommer Muslim ist“, sagte Farook Mohammed Salman der Nachrichtenagentur AP.

Sein Bruder leide an verschiedenen gesundheitlichen Problemen und verlasse kaum die Wohnung, die er sich mit den Eltern teile. Für die drei anderen in Dänemark aufgegriffenen Männer wurde eine Untersuchungshaft von vier Wochen angeordnet. Die Verdächtigen beteuerten ihre Unschuld und verweigerten vor Gericht die Aussage, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Offenbar Anschlag wie in Mumbai geplant

Die dänischen Behörden hatten am Mittwoch zunächst die Festnahme von vier Verdächtigen in Kopenhagen gemeldet, die einen Anschlag auf die Zeitung “Jyllands-Posten“ geplant haben sollen. Am Nachmittag nahm die Polizei in Schweden einen fünften Mann fest. Nach Angaben des dänischen Inlandsgeheimdienstes wurde ein “unmittelbar bevorstehender Terrorangriff“ auf die Kopenhagener Redaktion des Blattes verhindert, das vor rund fünf Jahren durch die Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen in die Schlagzeilen geraten war.

Die Verdächtigen seien militante Islamisten und stünden in Verbindung mit internationalen Terrornetzwerken, sagte der Leiter des dänischen Inlandsgeheimdienstes, Jakob Scharf. Die Ermittler gingen von einem Anschlag wie 2008 im indischen Mumbai aus, wo schwer bewaffnete Attentäter 166 Menschen getötet hatten. Die “Jyllands-Posten“ ist Teil einer Mediengruppe, zu der auch die beiden größten dänischen Zeitungen, “Politiken“ und “Ekstra Bladet“, eine Fotoagentur, drei Verlage und ein Buchhandel gehören. Die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen 2005 hatte heftige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst.

Deutsche Politiker und Medienvertreter sprechen dänischen Journalisten ihre Solidarität aus

Unterdessen sprachen deutsche Politiker und Medienvertreter den Journalisten der “Jyllands-Posten“ ihre Solidarität aus. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte in einer Stellungnahme, das Recht auf freie Meinungsäußerung sei “so wichtig wie die Luft zum Atmen“. Der vereitelte Anschlag in Dänemark zeige, “wie notwendig es ist, die Meinungs- und Pressefreiheit zuverlässig zu schützen“, sagte der FDP-Politiker.

Der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, sagte, der fehlgeschlagene Anschlag auf die “Jyllands-Posten“ sei “der unmittelbare Versuch, die Pressefreiheit in ganz Europa zu bedrohen“. Jeder müsse die Bedrohung durch Terror “ernst nehmen, entschieden gegen sie vorgehen“. Die Menschen dürften sich aber nicht dadurch einschüchtern lassen, betonte Börnsen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) betonte die Bedeutung der freien Meinungsäußerung für eine Demokratie.

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken forderte laut einer Pressemitteilung die Kollegen der “Jyllands-Posten“ und andere Journalisten dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. “Berichten Sie auch weiter frei. Jetzt erst recht!“, sagte er. Es sei nicht hinnehmbar, “dass das Leben der Journalisten bedroht wird, weil ihre Zeitung Karikaturen veröffentlicht hat“.

Von Jan M. Olsen und Malin Rising

Rubriklistenbild: © dpa

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