Krieg gegen Bürokratie

Vollwaise durch Berlin-Anschlag: Frau (22) kämpft um ihre Existenz

Berlin - Eine junge Frau trauert nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt um ihre Eltern. Jetzt muss sie auch noch um ihre Existenz bangen.

+++ Update vom 3. April 2017: In St. Petersburg kamen bei einer Explosion in einer U-Banhn offenbar zehn Menschen ums Leben - mehrer Menschen wurden verletzt.Mehr Infos gibt es in unserem News-Blog.

Am 19. Dezember 2016 erfasst der von Anis Amri gesteuerte LKW auch Anna und Georgiy (beide 44), die Eltern von Valeriya (22). Die Studentin, die sich zur Tatzeit mit ihrem Freund auf einem Vorweihnachts-Trip in Hamburg befindet, erfährt erst vier Tage nach dem schrecklichen Ereignis vom Tod ihrer Eltern. 

Damit die Identitäten des Paares sicher festgestellt werden können, muss Valeriya unangenehme Fragen beantworten, zum Beispiel, ob ihr Vater beschnitten sei. Die junge Frau hat ihrerseits selbstverständlich nur eine Frage: Wann kann sie endlich ihre Eltern sehen?

Familie des Freundes leistet Beistand

Laut der B ild-Zeitung haben die Beamten vom Landeskriminalamt jedoch nur wenig Verständnis für das Anliegen der 22-Jährigen: Sie solle das doch mit dem Bestatter klären, heißt es. 

Heiligabend naht und Valeriya verbringt Weihnachten bei der Familie ihres Freundes. An ein frohes Fest ist nicht zu denken, stattdessen drehen sich die Gedanken aller um die Situation der jungen Frau: Von jetzt auf gleich ist Valeriya, die bis zuletzt noch bei ihren Eltern wohnte, finanziell auf sich allein gestellt. Das Haus, das die Familie im Osten Berlins gebaut hat, ist verschuldet. Valeriya ist als Studentin der Zahnmedizin noch nicht in der Lage, all die anfallenden Kosten alleine zu stemmen.

Selbst Leichenschau kostet Geld

Dann flattern auch noch Rechnungen für Todesanzeigen, Bestattung und sogar die Leichenschau im Krankenhaus ins Haus. Immerhin: Die Charité verzichtet nachträglich auf die 51 Euro für die „Untersuchung eines Toten (unbekannt), einschließlich Feststellung des Todes“. Die Versicherung HUK Coburg übernimmt die Beerdigungskosten und auch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf erlässt der Studentin „aus Billigkeitsgründen“ die Gebühren für die Sterbeurkunde ihrer Mutter. Die Rechnung für die Sterbeurkunde ihres Vaters bleibt jedoch bestehen, genau so wie die Frage, wie die junge Frau jetzt ihre Existenz bestreiten soll.

Letzte Hoffnung: Staatliche Entschädigung

Valeriya hofft auf die Unterstützung der Verwaltung: Sie meldet sich unter anderem beim Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sowie beim Bundesamt für Justiz. Sie schreibt sogar einen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck, der aus einem Unterstützungsfonds einmalige finanzielle Hilfe leisten kann. Er benötige dafür jedoch eine Stellungnahme der zuständigen Sozialbehörde, so die Antwort. Auch das Lageso will sich nicht festlegen: Die Zuständigkeit müsse zunächst geprüft werden. Einzig der Opferhilfe-Verein „Weiße Ring“ und die Schausteller-Vereinigung des Weihnachtsmarktes sind mit zeitnaher finanzieller Hilfe zur Stelle: Insgesamt 3.000 Euro Spenden erhält Valeriya von ihnen.

Sie 22-Jährige ist nicht die Einzige, die nach dem Anschlag auf behördliche Unterstützung wartet. Das Problem: Das Opferentschädigungsgesetz greift nicht, wenn die Schäden durch ein Kraftfahrzeug verursacht wurden. Justizminister Heiko Maas (SPD) erklärte am Mittwoch, es werde daran gearbeitet, dass das Gesetz doch noch angewendet werden kann, so eine Pressemitteilung des Deutschen Bundestages.

Möglicherweise wird die junge Frau also wenigstens ihre finanziellen Sorgen bald vergessen können. Eine Entschädigung für das Leid, dass sie erfahren hat, ist das natürlich nicht.

lg

Rubriklistenbild: © dpa

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