Prozess in Traunstein

Vor Gericht: Sind diese drei Schleuser Schuld am Tod von 13 Menschen?

+
Die drei Angeklagten betonten über den Dolmetscher (von hinten, 2.v.r.), sie hätten nicht zu der Schleuserbande gehört.

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Schleuser, die schuld am Tod von mindestens 13 Menschen sein sollen, sagten am Freitag Überlebende des Schiffsunglücks im Mittelmeer aus.

Traunstein – Ein 28-jähriger Flüchtling, der inzwischen im hessischen Gießen lebt, war an jenem Septembertag im Jahr 2015 an Bord des Schlauchboots, das in der Nacht kurz vor der griechischen Küste von einem Frachter gerammt wurde. Er erkannte den 27-jährigen Mustaz J., den Hauptangeklagten, vor Gericht eindeutig als den Mann wieder, der ihn an die Schleuser vermittelt hatte. J. hatte bei seiner Vernehmung betont, er sei nur Handlanger der Schleuserbande gewesen und habe nicht gewusst, wie gefährlich die Bootsfahrten sind. Der 28-jährige Zeuge berichtete, J. habe auf seine Frage nach der Sicherheit geantwortet: „Es ist sicher.“ Die Schleuser forderten 2500 Euro für den Transfer von ihm, seiner Frau und dem 21 Monate alten Baby Alex. Auch seine Schwester, sein Schwager und deren drei Kinder seien an Bord gewesen.

Anfangs sei die Fahrt normal verlaufen, dann wurden die Wellen immer größer, schildert er. „Wir hatten viel Angst.“ Kurz bevor das Boot gegen 4 Uhr morgens die griechische Küste erreicht hätte, sah der 28-Jährige das Frachtschiff in der Dunkelheit auftauchen. „Menschen haben geschrien“, erinnert er sich. Als das Schlauchboot gerammt wurde, fiel er ins Wasser, seine Beine klemmten zwischen Schiff und Schlauchboot fest. Stundenlang konnten er und einige andere Flüchtlinge sich an dem Schiff festhalten. Erst in der Morgendämmerung sahen sie die Leichen überall im Wasser treiben. Auch sein Sohn war tot. Seine Schwester und deren drei Kinder hat er nicht wiedergesehen.

Den Schleusern drohen bis zu 15 Jahren Haft

Neben dem „Vermittler“ Mustaz J. sitzen auch ein 24-Jähriger, der das Boot gesteuert hatte, und ein 34-Jähriger, der von Berlin aus das Geld für die Überfahrten verwaltet haben soll, auf der Anklagebank. Beim ersten Prozesstag am Dienstag hatten alle drei Männer beteuert, nur Handlanger der Schleuser gewesen zu sein und keine Chance gehabt zu haben. Sie müssen sich wegen lebensgefährlichen Einschleusens von Flüchtlingen mit Todesfolge in 13 Fällen verantworten. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Für den Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Schwurgericht in Traunstein will weitere Zeugen vernehmen, bevor es Mitte August ein Urteil fällt. Die Aussagen der Männer würden sich kaum mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft decken, hatte der Vorsitzende Richter Erich Fuchs am ersten Prozesstag betont. 

Von Monika Kretzmer-Diepold

Auch interessant

Meistgelesen

Lotto am Samstag, 16.12.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen
Lotto am Samstag, 16.12.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen
Lotto am Mittwoch vom 13.12.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen
Lotto am Mittwoch vom 13.12.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen
Bewegendes Video: Hier rettet die Feuerwehr einem Hund das Leben
Bewegendes Video: Hier rettet die Feuerwehr einem Hund das Leben
Feuer in Südkalifornien breitet sich wieder aus
Feuer in Südkalifornien breitet sich wieder aus

Kommentare