Die Wahrheit über Wanderhuren

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Die Dirnen von Konstanz proben den Aufstand: Alexandra Neldel (M.) als Wanderhure Marie kämpft im Mittelalter für Gerechtigkeit

München - Der Film Die Wanderhure hat ganz Deutschland gefesselt. Doch wie war das Leben der Huren im Mittelalter wirklich? Die tz hat mit dem Autor Elmar Wohlrath gesprochen:

Das gab es noch nie in der Geschichte des Münchner Privatsenders Sat.1: Fast zehn Millionen Menschen (genau: 9,75 Millionen) sahen am Dienstag das historische Drama Die Wanderhure. Einzig der Sat.1-Zweiteiler Das Wunder von Len gede im Jahr 2003 kommt mit 9,65 Millionen Zuschauern im Schnitt fast an die Traumquote der Wanderhure heran. Selbst die jüngste Ausgabe von Wetten, dass..? am vergangen Samstag hatte weniger Zuschauer.

Den Erfolg erklärt sich Sat.1 so: Der Bestseller habe wesentlich an dem großen Interesse beigetragen. „Vor allem Frauen fühlen sich von der emotionalen Rachegeschichte angesprochen. Und natürlich hat Alexandra Neldel in der Figur der Marie eine großartige Leistung abgegeben“, sagte Sat.1-Sprecherin Petra Hinteneder der tz.

Doch wie war das Leben der Huren im Mittelalter wirklich? Die tz hat mit dem Autor von Die Wanderhure, Elmar Wohlrath, gesprochen:

Mussten die Huren sich wirklich kennzeichnen?

Ja, sie mussten eine bestimmte Kleidung als Erkennungszeichen tragen, weil im Mittelalter der Aberglaube herrschte, dass Huren Unglück brachten. Das konnten Bänder oder Schleier sein, die in den Schandfarben gelb , rot oder grün gehalten wurden. Dabei waren die Farben je nach Region unterschiedlich. So trugen die Dirnen in Deutschland gelb; in Österreich rot, wie auch die bekannteste Kostümhistorikerin, Annemarie Bönisch der tz erklärt.

Gab es den Hurenaufstand in Konstanz?

Elmar Wohlrath weiß der tz zu berichten, dass es nach dem Konstanzer Konzil (1414-1418) eine große Versammlung zwischen 700 bis 1500 Huren auf dem Oberen Münster Platz gegeben haben soll. „Das ist in der Chronik von Konstanz nachzulesen“, sagt Wolrath. Die Huren haben mit wüsten Geschrei bei einem Auftritt des König Sigismunds gegen ihre Benachteiligung und für Gerechtigkeit gekämpft. Denn Prostituierte waren damals ohne Rechte, was beispielsweise dazu führte, dass der Bäcker einer Dirne für ein Stück Brot den vierfachen Preis abverlangte.

Warum gab es so viele Huren?

Häufigster Grund für Frauen im Mittelalter sich zu prostituieren, war die Armut.Frauen in niedrigeren Ständen mussten ein Zubrot verdienen, um zu überleben. Denn oft passierte es ihnen, dass sie von ihren Dienstherren auf die Straße geschickt wurden. Zudem führten „sexuelles Fehlverhalten“ wie Ehebruch, voreheliche Schwangerschaft und Vergewaltigung zum Ruf als Hure und unfreiwillig in die Prostitution.

Wie war die Stellung der Frau?

Im Mittelalter wurden Frauen aller Stände im Alter zwischen 12 und 16 Jahren verheiratet. Die Ehefrau war ihrem Gatten Untertan, der Ehemann besaß alleiniges Nutzungsrecht des ehelichen Vermögens. Er hatte zudem das Recht, die Frau zu verstoßen. Die Ehen wurde meist aus politischen Gründen arrangiert und dienten nur der Fortsetzung der Familie. Männer höheren Standes nahmen sich die Freiheit heraus, Mätressen zu besitzen. Diese dienten allein zum Spaß für den Herrn.

Tina Layes

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