Weil er Christ ist: Pfarrer droht der Galgen

Teheran - Ein zum Christentum konvertierter Pfarrer muss im Iran um sein Leben fürchten. Er war wegen Übertritts vom Islam zum Christentum zum Tode verurteilt worden.

Es sei noch offen, ob der 32-jährige Jussef Nadarchani hingerichtet werde, berichtete der iranische Nachrichtensender Press TV am Samstag auf seiner Webseite. Nadarchani war wegen Übertritts vom Islam zum Christentum verurteilt worden. In den USA hieß es zuvor, dass er bald hingerichtet werde. Das Weiße Haus verurteilte das Todesurteil nach Berichten von US-Medien „aufs Schärfste“.

Die Konfession zu wechseln, gilt im Iran als Verrat und ist ein Grund für die Todesstrafe. Irans Oberster Gerichtshof muss aber für jede Hinrichtung zuerst seine Zustimmung geben. Im Fall des konvertierten Pfarrers ist das Verfahren nach Angaben des Gerichts noch nicht abgeschlossen.

Eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte

Auch in Deutschland sorgt der Fall für Empörung: CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe forderte in einem Interview der „Bild“-Zeitung (Samstag) die Führung des Irans auf, eine Hinrichtung zu verhindern. „Der Iran muss endlich zur Vernunft kommen, das Todesurteil sofort aufheben und Jussef Nadarchani bedingungslos freilassen. Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit muss auch im Iran gelten.“ Die Situation des Pfarrers nannte er „besorgniserregend“.

Der Hamburger FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen protestierte am Samstag gegen die möglicherweise drohende Hinrichtung am Samstag am Rande einer Mahnwache in Hamburg. Die Todesstrafe wegen seines christlichen Glaubens sei ein eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte und internationales Recht, erklärte Müller-Sönksen. An der Kundgebung, zu der unter anderem die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte aufgerufen hatte, nahmen nach seinen Angaben mehr als 150 Menschen teil.

Nadarchani müsste seine ursprünglichen Glauben annehmen

Nadarchani war 1998 vom Islam zum Christentum konvertiert und wurde anschließend Leiter einer kleinen protestantischen Gemeinde im Norden der Provinz Gilan am Kaspischen Meer. Elf Jahre später wurde er festgenommen, weil er sich weigerte, seinen ursprünglichen Glauben wieder anzunehmen. Das ist eine Hauptbedingung, um freigesprochen zu werden.

Die große Mehrheit der Iraner sind schiitische Muslime. Sunnitische Muslime, Christen, Juden, Anhänger der Bahai-Religion und des Zoroastrismus gehören zur Minderheit. Bis auf die Bahai-Religion sind alle religiösen Minderheiten im Iran anerkannt.

dpa

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