Schlimmer Verdacht kursiert immer noch

Ein Rätsel: Warum starb Johannes Paul I.?

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Papst Johannes Paul I. war nur 33 Tage im Amt

Rom - Vor 100 Jahren kam Albino Luciani zur Welt. Dass er 1978 zum Papst gewählt wurde, galt als große Überraschung. Doch er starb nach nur 33 Tagen im Amt. Bis heute kursiert ein schlimmer Verdacht.

Sein Tod lässt noch heute Verschwörungstheorien blühen. Starb Papst Johannes Paul I. wirklich nach nur 33 Tagen im Amt wegen seiner Herzprobleme? Oder haben finstere Kräfte nachgeholfen, weil der Mann, der am 17. Oktober vor 100 Jahren als Albino Luciani zur Welt kam, bösen Machenschaften im Vatikan auf der Spur war?

Jahrhundertelang war der Vatikan eine machtvolle Institution. Päpste standen für Prunk und Pracht. Schon das II. Vatikanische Konzil, das vor 50 Jahren begann, brach diese verkrusteten Strukturen auf. Der freundliche Albino Luciani mit der schlichten Brille schien für genau diese erneuerte Kirche zu stehen: Bescheidenheit statt Pomp. Güte statt Strenge. Transparenz statt Machtfülle. Albino Luciani war der Papst, der lächelte.

Was wäre gewesen, wenn er nicht schon am 28. September 1978, nur wenige Wochen nach der Wahl, gestorben wäre? Wohin hätte sich die katholische Kirche entwickelt? Johannes Paul I. war nur sehr kurz im Amt. Er hat kein Programm veröffentlicht. Er hat keine Heiligsprechung in die Wege geleitet, kein Lehrschreiben verfasst. Man kann nur spekulieren: Hätte er den Pfad der Modernisierung weiter beschritten? Hätte er als freundlicher, tiefgläubiger Hirte versöhnliche Töne für all die gefunden, die später im Pontifikat von Johannes Paul II. mit der Kirche brachen? Befreiungstheologen, kritische Wissenschaftler, Gläubige, die sich Reformen erhofften, beispielsweise in Fragen der Ökumene und der Verhütung.

Er hat den Willen zu mutigen Veränderungen angedeutet, er hat sich abgesetzt von den Ränkespielen in der Kirchenhierarchie. Ehrlichkeit und eine gute Tasse Kaffee - diese beiden Dinge seien im Vatikan am schwersten zu bekommen, soll er einem Vertrauten gesagt haben.

Luciani, der Patriarch von Venedig, ging nicht als Favorit in die Papstwahl nach dem Tod von Paul VI. Er war gesundheitlich angeschlagen. Der in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Geistliche hatte mit Machtkämpfen im Kurien-Apparat nichts am Hut. In der Ansprache beim Angelusgebet kurz nach der Wahl sagte er, dass er sich dieses Votum der Kardinäle für seine Person nie hätte vorstellen können. Er wolle versuchen, der Kirche zu dienen. „Ich hoffe, Sie helfen mir mit Ihrem Gebet.“ Mit solch bescheidenen Worten eroberte er die Herzen der Menschen.

Der Tod kam am 28. September in der Nacht. Eine Nonne soll ihn gefunden haben, Papiere lagen noch ausgebreitet vor ihm. Offiziell heißt es: Herzinfarkt. Die Last des Amtes.

Aber stimmt das? Der Papst sei umgebracht worden, weil er die Kurie reformieren wollte, weil er aufräumen wollte mit den dunklen Geschäften der Vatikanbank, hieß es vielfach. Auch von umfassenden Reformplänen für die katholische Kirche war die Rede. Beweise für ein Verbrechen fehlen bis heute. Menschen, die an einen Mord glauben, weisen aber darauf hin, dass es keine Obduktion gegeben hatte und dass einige Gegenstände aus dem Umfeld des Papstes verschwunden waren.

1984 veröffentlichte David A. Yallop sein viel beachtetes Buch „Im Namen Gottes?“ Auch er glaubte, Johannes Paul I. sei nicht aus natürlichen Gründen aus dem Leben geschieden. „Der Kandidat Gottes musste sterben“, heißt es am Ende des Buches, das sich ausführlich den Intrigen in der Kurie und den angeblich verbrecherischen Machenschaften der Vatikanbank und der Geheimloge P2 widmet.

Nach dem Tod von Albino Luciani mussten die Kardinäle aus aller Welt zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres nach Rom kommen. Sie wählten erstmals seit Jahrhunderten einen Nicht-Italiener zum Kirchenoberhaupt. Karol Wojtyla aus Polen blieb deutlich länger auf dem Stuhl Petri - mehr als 26 Jahre lang.

dpa

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