Wo wird es aufkommen?

Tonnenschweres Raketenteil soll am Sonntag auf die Erde knallen - Absturz in bewohntem Gebiet möglich

Trümmer einer chinesischen Rakete drohen „unkontrolliert“ auf die Erde zu stürzen. Wo sie aufprallt, ist ungewiss - Wohngebiete sind jedoch nicht ausgeschlossen.

Update vom 8. Mai, 22.30 Uhr: Weiterhin sorgt das unkontrolliert abstürzende chinesische Raketenteil für Sorge. Eine Rakete vom Typ Langer Marsch-5B hatte Ende April das erste Modul einer neuen chinesischen Raumstation ins All gebracht. Anschließend begann der Hauptteil der Rakete, die Erde in einer unregelmäßigen Flugbahn zu umkreisen und verliert seitdem unkontrolliert an Höhe (siehe Erstmeldung).

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos rechnet eigenen Angaben zufolge in der Nacht zum Sonntag gegen 1.30 Uhr MESZ mit einem Eintritt in die Atmosphäre über der Timorsee südlich von Indonesien. Das US-Verteidigungsministerium gab den Zeitpunkt mit 1.00 Uhr am Sonntag an - mit einem Spielraum von plus oder minus oder neun Stunden.

Eine exakte Absturzstelle ist laut Experten schwer vorherzusagen. Weil etwa 70 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, ist eine Landung im Meer am wahrscheinlichsten. Ein Absturz in bewohntem Gebiet oder auf ein Schiff ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Tonnenschweres Raketenteil soll am Wochenende auf die Erde knallen - Absturz in bewohntem Gebiet möglich

Update vom 7. Mai, 16.58 Uhr: Das tonnenschwere, offenbar unkontrolliert in Richtung Erde stürzende Teil einer chinesischen Weltraum-Rakete bereitet weiterhin Sorge. Nun schaltet sich auch das US-Verteidigungsministerium in die Diskussion um das Gefährt vom Typ Langer Marsch ein. Wie bekannt wurde, rechnet das Pentagon damit, dass der tonnenschwere Trümmer noch an diesem Wochenende, entweder am Samstag oder am Sonntag, in die Erdatmosphäre eintreten und dann abstürzen werde. Wo das Teil aufkommt, weiß allerdings niemand ganz genau.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es wolle die Rakete vom Typ Langer Marsch nicht abschießen. „Wir können eine Menge Dinge tun. Aber wir haben derzeit keinen Plan, sie abzuschießen“, sagte Verteidigungsminister Lloyd Austin. China versicherte, es bestehe nur ein „extrem geringes“ Risiko von Schäden auf der Erde.

Raketenteil soll dieses Wochenende in Atmosphäre eintreten - Ausschlag in bewohntem Gebiet nicht ausgeschlossen

Eine exakte Absturzstelle sei schwer vorherzusagen, hieß es. „Wir hoffen, dass sie an einem Ort landet, wo sie niemandem schadet“, so Austin am Donnerstag. Weil etwa 70 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, ist eine Landung im Meer am wahrscheinlichsten. Ein Absturz in bewohntem Gebiet oder auf ein Schiff ist jedoch nach Angaben von Experten nicht ausgeschlossen. International wurde von einigen Experten auch vor einem Trümmerregen gewarnt.

China dagegen versuchte, die Wogen zu glätten: Die Wahrscheinlichkeit von Störungen oder Schäden „im Flugverkehr oder am Boden“ sei „extrem gering“, sagte am Freitag ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. „Auf Grund der Bauart dieser Rakete wird die Mehrheit der Komponenten beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verbrennen oder zerstört werden.“ Die Behörden „werden die Öffentlichkeit zeitnah über die Entwicklungen informieren“, kündigte der Sprecher zudem an.

In Deutschland sollte man aber vor den Trümmern sicher sein. Die Risikozone erstreckt sich vermutlich über jeden Teil der Erdoberfläche zwischen dem 41,5. Grad nördlicher und dem 41,5. Grad südlicher Breite. In Europa zählen Teile von Spanien, Italien und Portugal dazu. Zudem gehören Regionen Nord- und Südamerikas und Südasiens sowie ganz Afrika und Australien dazu. Auch große Metropolen wie New York, Peking oder Hongkong liegen in dieser Gefahrenzone.

Weltraum: Raketenteil stürzt „unkontrolliert“ Richtung Erde - Wissenschaftler wissen nicht, wo es aufschlägt

Erstmeldung vom 4. Mai: Peking/München - Raumfahrtexperten warnten am Dienstag vor einem „unkontrollierten“ Wiedereintritt einer 20 Tonnen schweren Rakete in die Erdatmosphäre. Hintergrund ist Chinas Bau einer eigenen Raumstation.

Die Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ hatte am Donnerstag (29. April) das Kernmodul „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Nach dem Start des Kernmoduls drohen nun Trümmerteile des Hauptteils der Trägerrakete in den nächsten Tagen auf die Erde zu stürzen.

Gefahr aus dem Weltall: 20 Tonnen schwere Rakete stürzt „unkontrolliert“ auf die Erde

Grund sei das Design der „Langer Marsch 5B“, die sich nach dem Start nicht mehr so steuern lasse, um an einem vorbestimmten Punkt ins Meer zu fallen. Doch wo die Rakete auf der Erde aufprallen wird, scheint vollkommen ungewiss. „Wir wissen nicht wo“, sagte der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Camebridge der Deutschen Presseagentur.

„Im schlimmsten Fall wird es wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs, der sich aber über Hunderte Kilometer verteilt“, so McDowell weiter. Da die Rakete mit sehr schneller Geschwindigkeit um die Erde kreise, sei ungewiss, wann und wo sie genau in die Atmosphäre eintreten und dort teilweise verglühen dürfte, hieß es.

Offen bleibe außerdem, wie viele Bruchstücke nach dem Wiedereintritt übrig blieben. „Aber genug, um Schaden anzurichten“, so der Astrophysiker.

Raketenteil stürzt auf Erde - doch das passierte schon einmal

Derartige Probleme sind jedoch kein Novum. Schon nach dem ersten Flug des tragfähigen chinesischen Raketetyps im Mai 2020 waren Trümmer niedergegangen. Davon betroffen war die westafrikanische Elfenbeinküste. Mehrere Häuser in Dörfern wurden beschädigt. Es war das größte Teil, das seit dem US-Raumlabor Skylab 1979 auf die Erde gestürzt war. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hatte den Vorgang damals als „sehr gefährlich“ beschrieben.

„Das Design ist fahrlässig im Vergleich zu gegenwärtigen Standards anderer Länder“, kritisierte McDowell die chinesische Rakete. „Nach dem Skylab-Wiedereintritt entschied sich jeder andere, dass vermieden werden sollte, das so etwas passiert“, sagte der Experte. Andere Länder sorgten dafür, dass der Hauptteil ihrer Raketen nicht im Orbit blieben, sondern in eine Flugbahn gebracht würden, um gezielt ins Meer zu stürzen.

„Mit der „Langer Marsch 5B“ hat China keinen dieser Ansätze verfolgt“, sagte McDowell. Die Rakete sei so gebaut, dass sie etwa eine Woche später durch die Anziehungskraft an einem „willkürlichen Ort“ wieder in die Atmosphäre der Erde eintrete.

Auch für die Zukunft sind weitere Starts der „Langer March 5B“ geplant. So sollen zwei weitere, 22 Tonnen schwere Module ins All gebracht und angebaut werden. „Um 2022“ soll die Station fertiggestellt und den Namen „Tiangong“(Himmelspalast) erhalten. (mbr/dpa)

Rubriklistenbild: © Ju Zhenhua/dpa

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