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Wer sind die mysteriösen Männer in Blau?

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Peking - Wo die Fackel leuchtet, sind auch sie: Die Männer in auffälligen blauen Trainingsanzügen, mit mandelförmigen Augen, schwarzen Handschuhen, weißen Baseballkappen und Knopf im Ohr.

In China nennt man sie nur die „Fackelbegleiter“, in Wahrheit sind sie Elitekämpfer der chinesischen Militärpolizei. Die Aufgabe der 30 Mann starken Spezialeinheit: Die Fackel rund um die Welt vor aufdringlichen Protesten zu beschützen.

Ihr rabiates Vorgehen in London und Paris hat Fragen aufgeworfen. Welche Kompetenzen haben die Leibwächter des olympischen Feuers? Wie weit würden die Männer mit den grimmigen Gesichtern gehen? Nähere Bekanntschaft mit den „Fackelbegleitern“ schloss z.B. die französische Journalistin Yolaine de la Bigne, die in Paris das Feuer tragen durfte. Sie wollte sich ein Band mit Tibet-Flagge ins Haar binden, wurde aber von den Militärpolizisten gehindert. „Sie haben es gesehen. Nach vier Sekunden stürzten sich plötzlich alle chinesischen Sicherheitskräfte auf mich“, erzählt sie. Es seien fünf oder sechs gewesen, die auf Englisch gerufen hätten: „No, no, no!“

Die Militärpolizei wird in China vielseitig eingesetzt. Sie bekämpft Waldbrände, steht aber auch bei Demonstrationen oft in der ersten Reihe. Die 30 sogenannten Fackelbegleiter wurden aus Spezialeinheiten der Militärpolizei ausgewählt. Die Anforderungen für den Job sind eindeutig: Die Rekruten sollen „groß, kräftig, gut aussehend und in athletischer Körperverfassung“ sein, wie chinesische Medien berichteten. Der kleinste der Fackelschützer soll 1,90 Meter messen.

Die Mitglieder der Spe-zialeinheiten gelten als Meister der Schießkunst, sie beherrschen zusätzlich verschiedene Kampfsportarten. Bei der Ausbildung soll es derartig blutig und brutal zugehen, dass viele Rekruten dabei umkommen. Für die Qualifikation zum Fackelträger mussten die Militärpolizisten zusätzlich täglich einen rund zehn Kilometer langen Berglauf absolvieren und Schlüsselworte wie „Stopp“ oder „schneller“ in verschiedenen Sprachen lernen.

Das bekamen die Athleten auch zu hören: „Sie gaben schneidende Befehle wie ‚Rennen!‘, ‚Anhalten!‘, und ich fragte mich: Wer sind diese Leute? Ständig drückten sie meinen Arm nach oben, mit dem ich die Fackel hielt“, sagte die frühere TV-Moderatorin Konnie Huq dem britischen Fernsehsender BBC nach dem Fackellauf am Sonntag.

Auch die französischen Fackelträger sind sauer auf die Männer in Blau. „Sie haben uns angespuckt, sie haben vor niemandem Respekt“, schimpfte Judoka David Douillet, Athleten-Sprecher beim Französischen Olympischen Komitee. Ihm selbst haben sie die Fackel abgenommen und einfach ausgemacht. „Alle, die das ‚Glück‘ hatten, die Fackel zu tragen, sind schockiert“, sagte er der Sportzeitung „L‘Équipe“. „Es gab Gewalt und einen schrecklichen Mangel an Erfahrung. Wenn sie die Probleme, die sie hatten, in Peking genau so hart und amateurhaft angehen, werden die Spiele ein Gefängnis.“

Australiens Premier Kevin Rudd kündigte unterdessen an, die chinesischen Sicherheitsleute kämen ihm zum Fackellauf am 24. April in Canberra nicht ins Land. Dazu gäbe es keinen Grund.

Quelle: tz

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