Winnenden-Amokläufer wohl kein Mobbing-Opfer

Stuttgart - Der Amokläufer von Winnenden, Tim K., ist nach Ansicht seines ehemaligen Klassenlehrers von seinen Mitschülern weder ausgegrenzt noch gemobbt worden. So sah der Lehrer den späteren Täter:

Zwar habe er nicht im Mittelpunkt der Klasse gestanden, aber auch nicht am Rande, sagte der 36-jährige Realschullehrer an der Albertville-Realschule am Donnerstag im Prozess gegen den Vater des Amokläufers vor dem Landgericht Stuttgart. Zudem habe er zu keinem Zeitpunkt beobachtet, dass mit dem 17-Jährigen etwas nicht stimme. “Ich habe keine Situation im Unterricht erlebt, wo der Tim nicht mitgemacht hat“, sagte der Lehrer, der zur Tatzeit in der Schule war und die Schüsse gehört hatte. Aus diesem Grund sei er “fassungslos“ gewesen, als er in der Schule von der Tat erfuhr: “Ich konnte mir das gar nicht erklären“, sagte er.

Amoklauf in Realschule bei Stuttgart

Bilder 

Der Vater von Tim K. muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.

Amoktäter zog sich zunehmend zurück

Der 36-jährige Realschullehrer beschrieb Tim K. als einen “schwächeren Realschüler“, der wegen seiner Leistungen in Mathematik und Biologie in der achten und neunten Klasse versetzungsgefährdet war.

Zudem soll sich der 17-Jährige in der zehnten Klasse zunehmend zurückgezogen haben. Außerdem verwies er auf einen Schulbericht über Tim K., den er für die psychiatrische Einrichtung in Weinsberg im April 2008 verfasste, wo sich der Amoktäter in Behandlung befand. Dort sei er insbesondere auf die schulischen Schwächen des 17-Jährigen sowie auf seine Versetzungsgefahr eingegangen. Der Bericht habe aber lediglich eine Einschätzung der Konzentrationsfähigkeit von Tim zum Ziel gehabt.

Zuvor war ein Kriminaloberkommissar aus Göppingen vernommen worden, der sich mit der fotografischen Dokumentation von Spuren im Haus des 51-jährigen Angeklagten kurz nach der Amoktat beschäftigte. Auf den Bildern waren mehrere Räume zu sehen, darunter auch das Schlafzimmer, wo die Tatwaffe gelagert war.

Befangenheitsantrag gegen Psychiater

Für den Nachmittag wurden die Aussagen von zwei psychiatrischen Sachverständigen erwartet. Einer von ihnen soll den Angeklagten nach der Tat psychologisch untersucht haben. Der zweite soll nachträglich ein Gutachten über den psychischen Zustand des Jugendlichen erstellt haben. Da dieser Psychiater aber auch einen der Nebenkläger betreut haben soll, hat die Verteidigung einen Befangenheitsantrag gegen ihn gestellt. Über den Antrag hat die Kammer noch nicht entschieden.

Im Prozess war es bislang oft um die Psyche des Amoktäters gegangen. Nach Ansicht eines Kriminalisten, der unter anderem das Zimmer von Tim nach der Tat durchsuchte, beschäftigte sich der 17-Jährige mit den Themen Leben nach dem Tod und Amoktaten.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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