Er hat den Wettbewerb gewonnen

WM im Treppenlaufen: „Härtetest für Oberschenkelmuskeln“

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Der Teilnehmer Johannes Schmitz läuft am 18.02.2017 den Verticalmarathon in Hannover (Niedersachsen). Schmitz hat Platz 1 belegt.

Hannover - Bei der 3. Weltmeisterschaft im Treppenlaufen geht es in einem 13-stöckigen Hochhaus 194 Mal rauf und wieder runter. Gewürzgurken, Gummibärchen und Energie-Riegel helfen den Extremsportlern.

Es ist Extremsport auf engstem Raum - im Treppenhaus: Beim Vertical-Marathon müssen die Teilnehmer innerhalb des Zeitlimits von 15 Stunden 194 Mal ein 13-stöckiges Hochhaus in Hannover rauf und wieder runter rennen - also insgesamt 2522 Etagen hinauf und die gleiche Zahl von Stockwerken hinunter. Selbst der höchste Wolkenkratzer der Welt, der Burj Khalifa in Dubai, hat nur 189 Etagen.

Die Extremsportler kommen aus Österreich, Frankreich, Luxemburg, der Schweiz und Deutschland. Unter ihnen ist Gabi Hirsemann aus Hildesheim, die zum dritten Mal bei der WM dabei ist. Genau wie ihre Mitstreiter will sie 42,195 Kilometer Treppe laufen. Insgesamt 83 808 Stufen sind es, die die 19 Teilnehmer im Annastift-Bildungszentrum in Hannover bei der 3. Weltmeisterschaft im Treppenlaufen hoch- und runterhetzen.

In den Vorjahren belegte die Extremsportlerin jeweils den ersten Platz bei den Frauen, in der Gesamtwertung den zweiten Platz. Obwohl die 55-Jährige hochhausdauertrainiert ist, muss auch sie sich auf den Treppenhauslauf vorbereiten. Einmal pro Woche stand ein langes Treppentraining an. „Es läuft sich immer müheloser“, sagt die promovierte Physikingenieurin. Dazu kamen entspanntes Joggen zur Regeneration und Kraftübungen zur Steigerung der Oberschenkelkraft. „Das Ding im Annastift ist ein Härtetest für die Oberschenkelmuskulatur.“

Beim Marathon stehen im Treppenhaus Tische, auf denen die Sportler ihre persönliche Verpflegung deponiert haben. Vorjahressieger Johannes Schmitz liebt Kartoffeln, Gabi Hirsemann isst Bananen. Auch viele Energie-Riegel, Suppen und isotonische Getränke sind auf den Tischen und Fensterbänken zu finden. Im Keller ist ein Büfett der speziellen Art aufgebaut: Gewürzgurken, Gummibärchen, Datteln, Bananen, Schokolade und Salz. Die Sportler stoppen kurz und stärken sich, dann geht es weiter.

Ein Physiotherapeut behandelt die Teilnehmer, die Probleme haben. Nach 43 Runden gibt Falko Toetzke am Samstagmittag auf. „Ich habe eine Verletzung, die sich jetzt meldet“, sagt er zu Initiator Horst Liebetruth. „Das zeichnet einen versierten Sportler aus, er weiß genau, wann er aufhören muss“, sagt Liebetruth, der als Business-Coach und Personal Trainer ausgebildet ist.

Manche Teilnehmer hören beim Laufen Musik oder Hörbücher, denn im Treppenhaus gibt es keine Abwechslung. „Einige Starter laufen einfach solide durch, andere laufen auf Zeit und wollen gewinnen“, sagt Kim Granz vom Organisationsteam. Die meisten seien wie in einem Sog und realisierten gar nicht mehr, was die Helfer ihnen sagten.

Gabi Hirsemann hat im Treppenhaus des Annastift-Bildungszentrums trainiert - aber auch in einem Hochhaus in Berlin mit 30 Etagen. „Hoch bin ich die Treppen gelaufen, runter mit dem Fahrstuhl gefahren, das geht schneller“, sagt sie. Runterlaufen sei vor allem eine orthopädische Belastung und bringe konditionell kaum etwas. Zehn Tage vor dem Vertical-Marathon absolvierte sie ihr letztes langes Training mit neun Stunden Treppenlaufen.

Nach 11 Stunden, 12 Minuten und 44 Sekunden ist Gabi Hirsemann als erste Frau im Ziel - dritter Platz in der Gesamtwertung. Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sie ihre Zeit um rund 47 Minuten. „Wahnsinn, das ist ein Jahr Trainingsmühe wert“, jubelt sie. „Die letzten 20 Runden waren knüppelhart, aber ich wollte eine gute Zeit laufen.“ Sieger wird Titelverteidiger Johannes Schmitz aus Northeim.

„Wir haben auch den Gesundheitsaspekt im Fokus, Treppensport hat ein Riesenpotenzial“, erklärt Liebetruth. Er möchte die Treppe als Sportgerät in den Köpfen der Menschen etablieren. Treppenlaufen mit dem richtigen Knowhow fördere Ausdauer, Kraft und Fitness. „Man verliert dabei mehr Kalorien als bei manch anderen Sportarten“, betont er. Sicher habe der Vertical-Marathon etwas Skurriles, aber die Teilnehmer seien keineswegs nur verrückte Extremsportler.

dpa

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