Prozess um zerstückelte Leiche

"Er wollte einen Menschen sterben sehen"

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Der wegen Mordes angeklagte Leipziger im Landgericht

Leipzig - Einem blassen, schmalen, stotternden Mann wird ein grausiges Verbrechen in Leipzig zur Last gelegt. Vor Gericht schweigt der gebürtige Thüringer.

Mit gesenktem Kopf - eine blaue Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen - betritt der mit Handschellen gefesselte 23-Jährige das Landgericht Leipzig. Er rutscht am Montag auf die Anklagebank und bleibt reglos im Blitzlichtgewitter der Fotografen sitzen. Der blasse junge Mann im weißen Hemd soll für eines der schrecklichsten Verbrechen der vergangenen Jahre in Leipzig verantwortlich sein. An seinem eigenen Geburtstag, den 12. Oktober 2011, soll er einen 23 Jahre alten Bekannten überwältigt, gefesselt, vergewaltigt und getötet haben. Sein Motiv laut Staatsanwaltschaft: blanke Mordlust.

„Es kam ihm von Anfang an wesentlich darauf an, einen Menschen sterben zu sehen“, sagt Oberstaatsanwältin Claudia Laube bei der Anklageverlesung. Der gebürtige Thüringer habe schon länger Fantasien gehegt, einen Homosexuellen kennenzulernen, mit ihm Sex zu haben und ihn zu töten. Weil er sich aber nicht traute, ein fremdes Opfer zu suchen, sei schließlich die Wahl auf seinen 23 Jahre alten Bekannten gefallen. Er bat ihn laut Anklage seine Wohnung und beging seine grausame Tat wie geplant. Später tauchte er unter und wurde erst im April in Kassel (Hessen) gefasst.

Die Anklage listet eine Reihe Details auf, die bei Prozessbeobachtern die Frage aufwerfen, ob der Mann überhaupt zurechnungsfähig sein kann. So soll der Täter seinem Opfer die Genitalien abgeschnitten und es danach mit mehr als 20 Messerstichen getötet haben. Die Leiche legte er den Ermittlungen zufolge in die Badewanne, zerteilte sie und warf die Überreste in Müllsäcke verpackt ins Leipziger Elsterflutbecken. Ein Pilzsammler entdeckte dort am 6. November einen abgetrennten Arm, der verweste Torso wurde später gefunden. Der Kopf des Opfers ist dagegen bis heute verschwunden.

Der 23-Jährige will im Gericht „zurzeit“, wie sein Anwalt Mario Seydel sagt, nichts zur Aufklärung der Tat beitragen. Er bringt nur leise und stotternd sein Geburtsdatum und wenige weitere persönliche Angaben hervor - und schweigt dann. Der Prozess wird deswegen unmittelbar nach der Verlesung der Anklage vertagt. Am nächsten Montag (15. Oktober) soll er mit der Befragung von Zeugen - Polizisten - fortgesetzt werden.

An den nächsten Verhandlungstagen - bis Mitte Dezember sind noch 14 anberaumt - werden auch psychiatrische Sachverständige anwesend sein. Der renommierte Berliner Psychiater Hans-Ludwig Kröber soll klären, ob der 23-Jährige schuldfähig ist. Während der U-Haft hatte er sich den Gutachtern nicht geöffnet. Die Frage der Schuldfähigkeit bewegt auch Rechtsanwältin Anne Prestrich, die die Mutter des Opfers vertritt: „Wer ein wehrloses Opfer mit einem Sägemesser auseinandernimmt - das ist einfach so unfassbar und grausam“, sagt sie. Wie es der Mutter des Ermordeten geht, dazu sagt sie nichts. Die Frau bleibt dem Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes fern.

dpa

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